08. April 2021 / 20:25 Uhr

Würzburg dreht das Spiel: Hannover 96 verliert gegen das Schlusslicht

Würzburg dreht das Spiel: Hannover 96 verliert gegen das Schlusslicht

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Würzburgs Frank Ronstadt (Mitte) jubelt mit Tobias Kraulich (links) und Patrick Sontheimer nach seinem Freistoßtor zum 1:1.
Würzburgs Frank Ronstadt (Mitte) jubelt mit Tobias Kraulich (links) und Patrick Sontheimer nach seinem Freistoßtor zum 1:1. © Swen Pförtner/dpa
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Hannover 96 verliert mit 1:2 (0:0) gegen die Würzburger Kickers. Genki Haraguchi erzielte zunächst den Führungstreffer (47.), das Schlusslicht der zweiten Liga drehte die Begegnung im Laufe der zweiten Hälfte. Für 96 ist es das sechste Spiel in Folge ohne Sieg.

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Geisterspiele sind trostlos, aber wenn der abgeschlagene Tabellenletzte der 2. Liga kommt, ist das Drumherum noch trister. Und wenn 96 dann sogar noch 1:2 verliert, wird sich kein Fan ärgern, den Horror verpasst zu haben. Dabei haben sie die Lautsprecher beim Warmmachen extra noch weiter aufgedreht, um wenigstens die Illusion von Stimmung zu verbreiten.

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Im Gesicht von Ralf Santelli, schon der vierte Würzburger Trainer der Saison, spiegelte sich anfangs die bedrückende Lage wider. Der Abstieg unausweichlich, und Hannover ja doch wohl ein paar Nummern zu groß. „Weitermachen, wo wir aufgehört haben“ beim 3:3 gegen den HSV am vergangenen Sonntag, wollte schließlich Kenan Kocak. Der 96-Trainer hockte vor dem Anpfiff angespannt auf seiner Bank - nach fünf mehr oder weniger enttäuschenden Spielen war mal wieder „ein Sieg Pflicht“ für den 96-Chef. Zumal die deprimierende Rückfahrt auf der Autobahn nach der 1:2-Hinspiel-Niederlage aus Würzburgfür Martin Kind „die schlimmste der Saison war“.

Bilder vom Spiel der 2. Bundesliga zwischen Hannover 96 und den Würzburger Kickers

96-Kapitän Dominik Kaiser (rechts) im Zweikampf mit Würzburgs Tobias Kraulich. Zur Galerie
96-Kapitän Dominik Kaiser (rechts) im Zweikampf mit Würzburgs Tobias Kraulich. ©

96 machte dann aber, anders als von Kocak erhofft, erst mal weiter wie in der schwachen ersten Hälfte gegen die Hamburger. Viele Fehlpässe, kaum gelungenes Aufbauspiel, keine Torchancen gegen wehrhafte Würzburger. Erst in der 39. Minute mal der Ansatz von Gefahr - Genki Haraguchi schoss aus 17 Metern knapp drüber. Zwei Minuten später traf Philipp Ochs aus 22 Metern den Pfosten. Aus ähnlicher Position hatte Ochs beim 1:1 vor einem Monat in Aue getroffen.

Aber Pfosten konnten die Würzburger auch. Simon Falette verstolperte fahrlässig den Ball, Ridge Munsy traf zum Glück für 96 nicht aus zehn Metern (44.) ins Tor. „Er verschätzt sich da ein bisschen“, zeigte sich der verletzte Timo Hübers im Halbzeit-Interview bei Sky gnädig. Der Verteidiger hofft, „dass ich im Saisonendspurt noch mitmischen kann“.

Haraguchi trifft zur 96-Führung

Immerhin war Santelli, Torwarttrainer unter Ralf Rangnick beim 96-Aufstieg 2002, so nett, Patrick Sontheimer und Marvin Pieringer vorspielen zu lassen. Sontheimer, mit seinen 1,68 Meter jederzeit als der kleinste auf dem Platz zu erkennen, rackerte tapfer als eine Altin-Lala-Kopie im Mittelfeld. Pieringer prüfte als Sturmspitze 96-Torwart Michael Esser mal mit einem Weitschuss.

Kaum hatte Hübers angekündigt, „wir werden vorne noch einen machen“, da wurde er bestätigt. Niklas Hult schoss sich bei der Flanke selbst an den rechten Fuß, Hendrik Weydandt ließ den heran eiernden Ball durch, Dominik Kaiser lief vorbei und Haraguchi traf aus sechs Metern (47.). Wenigstens der Japaner hat einen Lauf - sein drittes Tor innerhalb von vier Tagen nach dem Doppelpackgegen den HSV - und sein achtes der Saison.

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Kocak übernimmt die Verantwortung

Als Moussa Doumbouya, Linton Maina und Patrick Twumasi schon zum Einwechseln bereitstanden, schockte Frank Ronstadt 96 mit seinem Traumfreistoß zum 1:1 (58.). Die Würzburger feierten mit einer Jubeltraube an der Trainerbank, als wäre es das Tor zum Klassenerhalt gewesen. Und es wurde noch besser für Sie - und schlimmer für 96 durch das 1:2 von Rajiv van la Parra (80.). Santelli konnte lachen, die 96-Spieler trabten mit hängenden Köpfen in die Kabine.

96 verliert zum zweiten Mal gegen den Letzten, das ist ein neuer Tiefpunkt der Saison. „Wenn man zu Hause gegen den Letzten nicht an die Leistungsgrenze kommt, ist das bedenklich“, meinte 96-Sportchef Gerhard Zuber. Ratlose Gesichter auch bei Chef Kind in der Loge und die Frage: Warum kann 96 nicht mehr gewinnen? Und was heißt das für den Trainer? „Ich übernehme die Verantwortung“, sagte Kocak. „Das war ein rabenschwarzer Tag, an dem nichts funktioniert hat. So dürfen wir uns nicht präsentieren. Aber wir werden wieder aufstehen.“