19. Juni 2020 / 08:55 Uhr

Hannover 96 und Hendrik Weydandt: Macht der Stürmer wirklich die Flatter?

Hannover 96 und Hendrik Weydandt: Macht der Stürmer wirklich die Flatter?

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Flatter-Jubel: Hendrik Weydandt freut sich über seinen Treffer gegen St. Pauli.
Flatter-Jubel: Hendrik Weydandt freut sich über seinen Treffer gegen St. Pauli. © Hannover 96 Pool
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Der Vertrag von Publikumsliebling Hendrik Weydandt läuft bei Hannover 96 aus. Eine Einigung über eine Verlängerung gab es bisher nicht. Trainer Kenan Kocak würde Weydandt gerne behalten, baut aber schon vor, falls er in die Bundesliga geht.  

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Macht er die Flatter oder nicht? Diese Frage steht auch nach dem ungewöhnlichen Jubellauf von Hendrik Weydandt im 96-Raum. Nach seinem Kopfballtreffer gegen St. Pauli ahmte er mit den Ellbogen ein Flügelschlagen nach. „Den Torjubel haben mir meine Mannschaftskollegen empfohlen“, erklärte der 23-Jährige. „Ich habe ihn mir nicht ausgedacht, aber ich fand es schön.“

Geplant und umgesetzt war’s als Echo auf die drastische Kritik der „Bild“, die „Henne“ – wie er genannt wird – zum halben Hähnchen heruntergeputzt hatte.

"Er hat oft bewiesen, was er draufhat"

Das fand auch Trainer Kenan Kocak respektlos und „einen Tick zu weit für einen meiner Spieler, das kann ich in keinster Weise teilen. Umso erfreulicher, dass er so eine Leistung abgeliefert hat.“

Weydandt gab zu: „Es war auch Teil der Ansprache vor dem Spiel, dass Taten auf dem Platz folgen müssen.“ Mit seinem neunten 96-Saisontor handelte er so, wie man es von einem Stürmer erwartet. „Dass es immer mal Phasen gibt, in denen es nicht so läuft, gehört zum Fußball“, zeigte Kocak Verständnis für die vorausgegangene Torflaute.

„Der Junge hat einen rasanten Aufstieg erlebt. Er hat schon oft bewiesen, was er draufhat.“

Hendrik Weydandts Fußballkarriere in Bildern:

Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. Zur Galerie
Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. ©

Augsburg, Mainz und Werder mit Interesse

Auch am Mittwoch wieder. „St. Pauli hat sicherlich keinen guten Tag erwischt, aber wir sind effektiv geblieben und vor allem nicht naiv geworden.“ Weydandts Gesamturteil: „Jeder hatte gute Aktionen, und deswegen war das eine tolle Mannschaftsleistung.“

In den letzten beiden Spielen gegen Aue und Bochum kann er ein zweistelliges Torkonto erreichen – das gilt als Qualitätsausweis für Stürmer. Am Interesse an Weydandt wird das aber auch nichts mehr entscheidend verändern. Vor allem abstiegsbedrohte Klubs aus der Bundesliga sind am Angreifer interessiert.

Augsburg, Mainz, Werder wollen ihn verpflichten. Das könnte erklären, warum noch kein Wechsel verkündet worden ist – Weydandt wartet ab, wer denn nun den Klassenerhalt schafft.

Zu dem Geht-er-bleibt-er-Thema hat sich jetzt auch Kocak geäußert. „Natürlich sprechen wir darüber, und natürlich wäre ich froh, wenn er weiter in Hannover auf Torejagd gehen würde, aber das ist die sportliche Einschätzung.“

Doch, so führte der Trainer aus, „es gibt auch Parameter, bei denen der Verein zustimmen muss, da sind sie gerade in Verhandlungen“. Der Vertrag läuft in elf Tagen aus. 96 hat es nicht geschafft, den Stürmer weiter zu binden, obwohl das bereits Ex-Sportchef Jan Schlaudraff versucht hatte.

Damit kann 96 keine Ablöse verlangen – ein ärgerliches Versäumnis. Besonders für einen, der über Groß Munzel und Egestorf/Langreder den Weg zu den 96-Profis fand.

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96-Angebot scheint nicht zu reichen

96 hatte zuletzt laut Profichef Martin Kind „ein überarbeitetes Angebot“ vorgelegt. Das scheint jedoch immer noch nicht ausgereicht zu haben. Es geht zwar immer auch ums Geld, aber ebenfalls um die Möglichkeit für den technisch noch nicht ausgereiften Stürmer, sich weiterzuentwickeln.

Er besitzt aber die Eigenschaft, die für Kocak Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in seiner Mannschaft ist: Weydandt ist ein Mentalitätsspieler. Der Trainer baut jedenfalls schon mal vor, falls Weydandt 96 verlassen sollte. „Wenn es so ist, dann bin ich trotzdem froh, mit ihm gearbeitet zu haben.“