10. März 2021 / 07:19 Uhr

Der andere Hendrik Weydandt bei Hannover 96: Er enttäuscht und trifft nicht mehr

Der andere Hendrik Weydandt bei Hannover 96: Er enttäuscht und trifft nicht mehr

Andreas Willeke und Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ist aktuell auf der Suche nach seiner Form: 96-Stürmer Hendrik Weydandt.
Ist aktuell auf der Suche nach seiner Form: 96-Stürmer Hendrik Weydandt. © Florian Petrow
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Hendrik Weydandt hat eine harte Zeit bei Hannover 96. Sein letztes Tor schoss er beim 1:0 beim Hamburger SV am 5. Dezember 2020. Dieter Schatzschneider will den Torjäger stark sehen. 

Das ist nicht der Hendrik Weydandt, den 96 vor der Saison kannte. Der Tore schießt und die Kollegen mitreißt. Beim Spiel zuletzt in Aue hat er nur jeden vierten Zweikampf gewonnen. Von 25 gespielten Pässen kamen lausige sieben beim Mitspieler an. 96 hat ihn ja auch mit einem gut dotierten Vertrag vor der Saison ausgestattet, damit er die Mannschaft mit seinen Toren in Richtung Bundesliga schießt. Da wollte der 25-Jährige ja auch hin. „Ich hatte mehrere konkrete Angebote, auch aus der 1. Liga. Ich habe mich gewissenhaft damit auseinandergesetzt, mich aber bewusst dagegen entschieden, aus Hannover wegzugehen“, sagte Weydandt im Juli des vergangenen Jahres.

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Bis 2023 verlängerte Weydandt, auch bei 96 haben sie sich bewusst damit auseinandergesetzt, weil der Stürmer nicht mehr so billig zu haben war wie nach seinem Wechsel von Regionalligist Egestorf/Langreder zur 96-Reserve. Scout Dieter Schatzschneider war entscheidend am Wechsel zu 96 beteiligt. Dem Noch-immer-Torschützenkönig der 2. Liga liegt Weydandts Entwicklung weiter am Herzen. „Ich will ihn wieder stark sehen“, sagt Schatzschneider, „es hat auch schöne Momente mit ihm gegeben.“ Dazu gehört das wichtige Tor zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung im Derbyhinspiel in Hannover (Endstand 4:1). Viel gefeiert auch von Weydandt nach der Partie mit Fans am Stadionzaun.

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Weydandt trifft zu wenig

Danach traf Weydandt aber nur noch einmal, zum 1:0-Sieg beim Hamburger SV. Das war am 5. Dezember, am zehnten Spieltag. Mittlerweile sind 24 Partien abgepfiffen. Insgesamt traf Weydandt nur dreimal in der Saison. Das ist zu wenig – auch wenn der Plan mit Weydandt nicht der einzige ist, der nicht aufgeht bei 96. Schatzschneider empfiehlt ihm – sozusagen von Torjäger zu Torjäger: „Henne soll sich auf seinen Beruf konzen­trieren, dafür kriegt er viel Geld. Er soll seinen Job machen und alles andere außen vor lassen, dann schießt er auch wieder Tore.“

Einen Vorwurf kann man Weydandt auch beim Spiel in Aue nicht machen – er arbeitet viel für die Mannschaft. Die Bälle springen ihm beim Erstkontakt jedoch zu oft weit vom Fuß. Vermutlich nicht nur ein technisches Defizit, sondern ein Zeichen von fehlendem Selbstbewusstsein.

Füllkrug mit ähnlichem Problem

An einer ähnlichen Problematik litt auch mal Niclas Füllkrug bei 96. Der damalige Trainer André Breitenreiter arbeitete mit Füllkrug so lange daran, bis der Erstkontakt vorzeigbar war. Das zeigt der Stürmer nun für Werder in der 1. Liga.

Entschuldigend oder erklärend lassen sich vielleicht noch Weydandts Verletzungen anführen. Nicht immer war er richtig fit, wenn er zum Einsatz kam. Dazu kommt ein weiteres Pro­blem: Von außen fliegen nicht viele Bälle in den Strafraum, 96 hat keine schnellen Spieler, die verarbeitbare Flanken schlagen können. Darunter leidet Weydandt.


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Vom Bolzplatz auf die große Bühne wie Hendrik Weydandt und Jamie Vardy. Diese Spieler waren lange Zeit im Amateurbereich oder unterklassig aktiv, bis ihnen der Profidurchbruch gelang. ©

Doppelspitze mit Weydandt und Doumbouya?

Vielleicht war es auch nicht so schlau, ihn in Aue neben Marvin Ducksch stürmen zu lassen, der ja ebenfalls in einer Schaffenskrise steckt. Warum es ge­gen Würzburg am Sonntag nicht mal mit der Doppelspitze Weydandt und Moussa Doumbouya versuchen? Schlechter kann’s ja nicht mehr werden.