19. November 2021 / 08:59 Uhr

Zwei Mittelstürmer auf der Bank? Warum 96 mit der Doppelspitze Beier/Kerk torgefährlicher ist

Zwei Mittelstürmer auf der Bank? Warum 96 mit der Doppelspitze Beier/Kerk torgefährlicher ist

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
 Maximilian Beier (2.v.li.) und Sebastian Kerk (3.v.li.) dürften gegen Paderborn wieder die 96-Doppelspitze bilden. Für die beiden etatmäßigen Mittelstürmer Hendrik Weydandt (eingeklinkt, unten) und Lukas Hinterseer (eingeklinkt, oben) bliebe zunächst nur die Bank.
Maximilian Beier (2.v.li.) und Sebastian Kerk (3.v.li.) dürften gegen Paderborn wieder die 96-Doppelspitze bilden. Für die beiden etatmäßigen Mittelstürmer Hendrik Weydandt (eingeklinkt, unten) und Lukas Hinterseer (eingeklinkt, oben) bliebe zunächst nur die Bank. © imago images / Florian Petrow
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Hannover 96 schießt zu wenig Tore, das ist offensichtlich. Am Freitagabend könnten die beiden echten "Neuner" der Roten trotzdem auf der Bank Platz nehmen. Der Doppelsturm Beier/Kerk funktionierte zuletzt besser - das hat Gründe.

Der Ursprung der Misere von Hannover 96 ist allseits bekannt. Zum ersten Mal bohrte Trainer Jan Zimmermann so deutlich in der Wunde. „Wir schießen zu wenig Tore.“ Und schon blicken alle auf die 96-Stürmer. Hendrik Weydandt traf einmal – ein wichtiges 1:0 gegen Heidenheim. Lukas Hinterseer schoss noch kein Tor. Beide verstehen sich als Strafraumstürmer, aber beiden fehlt der Zulieferdienst. Warum läuft es dann mit der Doppelspitze Sebastian Kerk/Maximilian Beier besser?

Kerk traf viermal in der Liga, Beier zweimal im DFB-Pokal. Kerk und Beier organisieren sich ihre Torchancen selbst. Kerk durch seine Schussgewalt, Beier bringt sich mit gewandten Bewegungen in jene Positionen, wo Hinterseer und Weydandt zwar lauern, aber nicht angespielt werden.

Die besten Torschützen von Hannover 96 seit 2000 (jeweils für jeweilige Saison).

Saison 2020/21 (2. Bundesliga): Marvin Ducksch - 16 Tore Zur Galerie
Saison 2020/21 (2. Bundesliga): Marvin Ducksch - 16 Tore ©

Weydandt mit "guter Energie" - aber technischen Mängeln

96-Stürmerlegende Dieter Schatzschneider, eigentlich ein Weydandt-Fan, „weiß selber, dass er ein technisches Problem hat, er hat uns aber mal vor zwei, drei Jahren begeistert“. Mit Weydandt müsse 96 „doch diese Sachen trainieren, die er besonders gut kann“.

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Weydandt soll genau das gezeigt haben in der vergangenen Trainingswoche. Er habe „eine gute Energie und auch wirklich sehr viele auffällige und gute Szenen im Training“ gezeigt, sagte Zimmermann. Und Hinterseer? Zimmermann hatte ihn stets von Beginn an gebracht. Vor dem Düsseldorf-Pokalspiel verletzte er sich – aus der Not heraus stellte Zimmermann eine Doppelspitze auf. Seitdem sagen die Zahlen: Doppelt trifft besser.

Ducksch-Verkauf ein Fehler?

Immer häufiger taucht auch die Frage auf, ob 96 es nicht besser hätte wissen, Marvin Ducksch behalten und anders aufstellen können. „Natürlich hinterfragen wir uns da auch, ob wir das eine oder andere anders hätten bewerten können“, sagte Zimmermann. „Die erzielten Tore sind zu wenig, das bereitet uns die größten Probleme. Aber ich glaube schon, dass die Spieler, die wir haben, in der Lage sind, die Tore zu schießen.“

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Wären sie vielleicht eher, wenn die Mitspieler ihre Stürmer im Strafraum suchen würden. Der frühere 96-Stürmer Martin Harnik spielte mit Hinterseer unter Trainer Dieter Hecking beim Hamburger SV: „Ich weiß, was für ein Stürmertyp er ist“, sagte Harnik beim NP-Talk. „Er ist ein Strafraumstürmer, er muss gefunden werden. Den schickst du natürlich nicht steil.“ „Das ist genauso, als wenn ich zu dir gesagt hätte, schieß mal aus 30 Meter aufs Tor, der wäre auch am 16er wieder runtergekommen“, fügte Schatzschneider hinzu.


Zimmermann fehlen für seine Spielidee die Spieler

Hinterseer nahm zum ersten Mal nach der Verletzung wieder Anlauf für einen Einsatz in der Liga. Dennoch wird Zimmermann gegen Paderborn wohl bei der Doppelspitze Kerk/Beier bleiben. Eigentlich hatte der Trainer andere Pläne: Mit einem kompakten Mit­tel­feld­zen­trum, zwei schnellen Flügeln und einer Spitze.

Aber für diese Aufstellung hat 96 die Spieler nicht – zumindest sprechen die Zahlen nicht dafür. Den Außenverteidigern und den Außenstürmern fehlt die Präzision, Hinterseer (oder Weydandt) entscheidend in Szene zu setzen. Deshalb verpuffen die Stärken der zwei 96-Mittelstürmer.