08. Juni 2021 / 07:39 Uhr

96 träumt von 40.000 Fans: Chef Kind hofft auf "etliche ausverkaufte Partien"

96 träumt von 40.000 Fans: Chef Kind hofft auf "etliche ausverkaufte Partien"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wann wird im Stadion von Hannover 96 wieder vor vollem Haus gefeiert?
Wann wird im Stadion von Hannover 96 wieder vor vollem Haus gefeiert? © Lobback/imago/Nordphoto/
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Die 96-Fans sehnen sich nach einem Stadionbesuch. Das könnte zum Saisonbeginn möglich sein. Hannover 96 kalkuliert für die anstehende Spielzeit mit einem Zuschauerschnitt von 34.000 Fans pro Heimspiel. 96-Chef Martin Kind hofft aber auf noch mehr.  

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Fußball wird schon vor Zuschauern gespielt, wenn auch vorerst nur dosiert. In Kiel durften 2300 Fans das 1:5 in der Relegation gegen Köln sehen. Bei den deutschen EM-Gruppenspielen werden sogar 14 000 in der Münchner Arena dabei sein. Es werden offensichtlich immer mehr Fans zugelassen.

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Für die kommende Saison ist aber noch unklar, „ob wir mit 30, 50 oder 100 Prozent Auslastung beginnen können“, weiß 96-Chef Martin Kind. Das entscheidet die Politik. Davon unberührt sind aber die Hochrechnungen. „Wir planen im Durchschnitt mit 34 000 Zuschauern pro Heimspiel“, sagt Kind. „Wenn ich optimistisch bin, könnten wir 40 000 erreichen.“ Die DFL erlaubte den Klubs, für die Lizenz mit 100-prozentiger Auslastung zu planen – obwohl das nicht gesichert ist.

Das waren die Choreos der Fans von Hannover 96 der vergangenen Jahre:

Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. Zur Galerie
Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. ©

Schäfer will um Fans kämpfen

Von null auf 40 000 – wie soll das bei 96 gehen? Nach eineinhalb Geisterspielzeiten scheint doch ungewiss, ob die Fans hungrig auf das Stadionerlebnis sein werden. Der neue Geschäftsführer Robert Schäfer weiß um die Problematik: „Wir müssen um die Fans kämpfen, damit sie das wieder in den Alltag integrieren wie vor der Pandemie.“



Als warnendes Beispiel kann das Derby-Heimspiel gegen Braunschweig in dieser Saison gelten, als nicht mal die erlaubten 9800 Zuschauer den Weg ins Stadion fanden.

Schäfer, um den es viele Diskussionen gibt, darf sich zum Publikum äußern. Sein Job als Chef der Arena GmbH wird vom Mutterverein nicht angezweifelt. „Wir wissen ja nicht, wie es ist nach fast zwei Jahren“, sagt er, „da hilft es, attraktive Gegner zu haben.“

Hoffnung auf ausverkauftes Stadion

Die Hoffnungen auf die Rückkehr der Fans werden auch bei Kind durch die Absteiger Schalke und Werder geweckt. Der 77-Jährige glaubt, „dass etliche Partien in der HDI-Arena ausverkauft sein werden“. Schalke, Werder und Hamburger SV – das sind die Spiele, wo tatsächlich 49 000 die Arena bis auf den letzten Platz füllen könnten. Auch, weil diese Klubs eine große Fan-Basis haben, die ihrer Mannschaft zu den Auswärtsspielen folgt. Weg fällt allerdings das Derby gegen Braunschweig, das nicht nur für Randale, sondern auch für ein volles Stadion gut war.

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Vergleich zur Saison 2019/2020

Um die 96-Planung zu verstehen, braucht es Vergleiche. Die letzte Zweitligasaison taugt dazu nicht. Da gab es bis auf die ersten beiden Partien nur Geisterspiele. In der Saison davor (2019/2020), der ersten Spielzeit nach dem Abstieg, konnten jedoch zwei Drittel der Partien noch vor Publikum ausgetragen werden. In diesen zwölf Heimspielen kam 96 auf einen Durchschnitt von 30 000 Zuschauern. Ausverkauft war nur die Partie gegen den HSV. Beim letzten Spiel vor Fans sahen 25 200 das 3:1 gegen Kiel. In dieser vorletzten Saison hatte 96 aber 21 000 Dauerkarten verkauft. Nun ist unklar, wie viele Fans sich Dauerkarten leisten wollen beim dritten Zweitligajahr in Serie.

Sicher ist nur, dass 96 nach dem Einbruch bei den TV-Geldern – es gibt 8 Millionen Euro weniger – die Einnahmen braucht. „Über Mehrerlöse im Ticketing könne wir teilweise die Verluste ausgleichen“, hofft Kind. Insofern sind in die Fan-Rechnungen auch finanzielle Zwänge einkalkuliert. Vieles wird dabei am sportlichen Erfolg hängen. Spielt 96 oben mit, könnte die Rechnung aufgehen. Aber dazu müssten auch mal die Pläne rund um Transfers und Mannschaft funktionieren.