12. Juni 2021 / 16:14 Uhr

"Mischen uns nicht ins Tagesgeschäft ein": 96-Aufsichtsrat Carsten Linke im Interview (Teil 2)

"Mischen uns nicht ins Tagesgeschäft ein": 96-Aufsichtsrat Carsten Linke im Interview (Teil 2)

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Starke Stimme im Hannover 96 e.V.: Als Aufsichtsrat setzt sich Carsten Linke für den Erhalt der 50+1-Regel bei 96 ein.
Starke Stimme im Hannover 96 e.V.: Als Aufsichtsrat setzt sich Carsten Linke für den Erhalt der 50+1-Regel bei 96 ein. © Maike Lobback
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Es schwelt (mal wieder) ein Streit zwischen Verein und Kapitalseite bei Hannover 96. Aufsichtsrat Carsten Linke erklärt in Teil 2 des großen SPORTBUZZER-Interviews, warum der Vorstoß des e.V. mehr Reaktion als Konfrontation war und wie sich der Konflikt um Robert Schäfer lösen lässt.

Für die 96-Fans ist er immer noch der Fußballgott: Carsten Linke (55) schaffte mit Hannover den Aufstieg von der 3. bis in die 1. Liga. Heute ist er Aufsichtsrat im 96-Gesamtverein, also im Streit mit Profichef Martin Kind um den neuen Ge­schäfts­füh­rer Robert Schäfer alles andere als neu­tral. Linke sieht sich trotzdem als Vermittler, bezieht aber auch klar Stellung.

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Ist der e. V. finanziell ab­hän­gig von der Profiabteilung? Haben Martin Kind und Dirk Roßmann den Mutterverein vor der Insolvenz gerettet?

Nein, so dramatisch war es nicht. Wir haben in dem Hannover-96-Vertrag eine Vereinbarung geschlossen, da ist natürlich auch eine Unterstützung für den e. V. mit drin – das ist aber in anderen Vereinen auch so: Die ausgegliederten Kapitalgesellschaften müssen dafür sorgen, dass der e. V. ausreichend versorgt ist. Ich glaube, der Vertrag ist für alle Beteiligten gut.

Teil 1 des Linke-Interviews

Was in der Öffentlichkeit hängen bleibt: HSV steht für Hannoverscher Streit-Verein. Das kann allen Beteiligten nicht gefallen.

Das ist kein Streit, sondern ein Hinweis, dass die Verträge, die wir mal miteinander gemacht haben, weiterhin gültig sind. Wir für unseren Teil werden uns daran halten. Das erwarten wir eben auch von unserem Geschäftsführer.

Erst soll Martin Kind weg, jetzt will er weg, aber dem Mutterverein passt sein Nachfolger nicht.


Eine Nachfolgeregelung se­hen wir auch weiterhin positiv. Ziel des Weges ist es aber, eine gemeinsame Lösung zu finden, die auch dafür sorgt, dass im Verein nicht wieder dieser Streit um die 50+1-Regel aufflammt. Wenn das dazu führt, dass Martin Kind noch eine Weile Geschäftsführer ist, dann ist das so. Er hat das jetzt über 20 Jahre lang gemacht, aber perspektivisch gesehen muss es auch da eine Nachfolgeregelung geben.

Kinds Nachfolgerwunsch Robert Schäfer hat Fortuna Düsseldorf zurück in die Bundesliga geführt – das will 96 doch auch.

Wir haben einen klaren Auftrag von unseren Mitgliedern, 50+1 zu erhalten. Insofern ist Herr Schäfer für uns keine Option. Für die Profigesellschaft wird er nicht tätig sein. Dann müssen wir eben ein bisschen länger suchen. Warten wir mal ab, welche Vorschläge in der Management GmbH noch bearbeitet werden können. Wenn man sich da einigt, wäre das perfekt.

Wie kann 96 diesen Streit beenden?

Es ist eine Aufgabe, die in der Management GmbH erledigt werden muss. Ich denke, dass die vier Herren – sowohl Herr Feuerhake und Herr Fischer von der Kapitalseite als auch Herr Kramer und Herr Nestler, die von unserer Seite kommen – sich da so lange zusammensetzen müssen, bis weißer Rauch aufsteigt. Das ist eine Aufgabe, keine Frage. Das ist aber auch machbar.

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Der Breitensportverein wollte sich nicht in Profibelange einmischen, tut es jetzt aber trotzdem.

Ich sehe das nicht als Einmischung, sondern wir werden unserer Verantwortung ge­recht. Wir mischen uns nicht ins Tagesgeschäft ein, das haben wir auch sonst nicht gemacht. Suche und Bestellung des Geschäftsführers im Profibereich hingegen sind wichtige Rechte des Vereins.

Wie sehen Sie als Ex-Profi Ihre Rolle im Aufsichtsrat des Gesamtvereins? Dem „Fußballgott“ hört man ja eher zu als anderen Funktionären.

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Ich sehe meine Rolle als einer, der Lücken schließt. Das be­deu­tet, immer wieder dafür zu sorgen, dass man in Ge­sprä­che geht, dass man einen erneuten Anlauf nimmt. Ich glaube, meine Aufgabe ist es, Leute zu verbinden.