12. Juni 2021 / 10:30 Uhr

"Der Kandidat muss 50+1 leben": 96-Aufsichtsrat Carsten Linke im Interview (Teil 1)

"Der Kandidat muss 50+1 leben": 96-Aufsichtsrat Carsten Linke im Interview (Teil 1)

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Auf dem Platz war er bei Hannover 96 der Fußballgott, heute ist Carsten Linke die prominenteste Kind-kritische Stimme im Verein.
Auf dem Platz war er bei Hannover 96 der "Fußballgott", heute ist Carsten Linke die prominenteste Kind-kritische Stimme im Verein. © IMAGO
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Die Vorstellung von Robert Schäfer als designierter Nachfolger von 96-Profiboss Martin Kind sorgte für Aufruhr im Stammverein. Aufsichtsrat Carsten Linke bezieht im Interview Stellung zu den Weisungen des e.V. und erklärt, warum Schäfer für ihn kein geeigneter Geschäftsführer der Profiabteilung ist.

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Für die 96-Fans ist er immer noch der Fußballgott: Carsten Linke (55) schaffte mit Hannover den Aufstieg von der 3. bis in die 1. Liga. Heute ist er Aufsichtsrat im 96-Gesamtverein, also im Streit mit Profichef Martin Kind um den neuen Ge­schäfts­füh­rer Robert Schäfer alles andere als neu­tral. Linke sieht sich trotzdem als Vermittler, bezieht aber auch klar Stellung.

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Herr Linke, der 96-Mutterverein hat Martin Kind Weisungen erteilt, dass Robert Schäfer in keiner Weise für den Profibereich tätig werden darf. Ist das nicht ein bisschen frech?

Nein, das ist ein völliger normaler Vorgang, wenn man sich nicht an die zuvor ge­mach­ten Absprachen hält. Aber es ist in den zwei Jahren, in denen wir jetzt dabei sind, auch das erste Mal, dass wir das in der Form gemacht ha­ben.

Warum diese Konfrontation?

So würde ich das nicht nennen, es ist eine Reaktion. Seit März 2020 ist die Geschäftsführer-Suche in der Management GmbH ein ständiges Thema. Wie in unserem 96-Vertrag geregelt, soll eine gemeinsame Lösung für alle Parteien gesucht werden. Das war im Übrigen auch Wunsch der Kapitalgesellschaft, es ging darum, einen CEO für alle Gesellschaften zu finden. Das ist auch in unserem Sinne. Wir waren schon von Beginn an der Auffassung, dass nach Martin Kind ein sehr starker Ge­schäfts­füh­rer kommen muss, der diese große Lücke dann auch füllen kann.

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Wie sieht denn die Jobbeschreibung aus?

Zum einen muss der Kandidat 50+1 leben. Ich stelle das mal voran. Dafür sind wir ja angetreten. In der Jobbeschreibung steht auch, dass die Kandidaten ihre Verträge erfüllt haben und nicht im Streit mit dem Mutterverein stehen sollten.

Man hatte sich auf zwei Kandidaten geeinigt, richtig?

Man hat sich erst mal gemeinsam auf ein Profil geeinigt. Uns war immer wichtig, dass sich dieser Geschäftsführer im sportlichen und finanziellen Bereich auskennt, um dann mit einem Manager zusammen die Entscheidungen für die Profigesellschaft treffen zu können. Dann hat man sich drei Agenturen ausgesucht, die so etwas anbieten, hat sich für eine Agentur entschieden – und jetzt ist man dabei, einen gemeinsamen Kandidaten zu suchen.

"Wir gehen da­von aus, dass Herr Schäfer keine Aufgaben im Profibereich übernimmt"

Umso überraschender, dass Martin Kind nun Robert Schäfer als seinen Nachfolgekandidaten aufbauen will. Am Ende wäre Schäfer Kinds CEO ...

Schäfer entspricht nicht un­se­rem gemeinsam erarbeiteten Profil, deshalb haben wir ja auch die Weisungen erteilt. Zudem ist diese Personalie mit uns nicht abgestimmt. Wir sind gemeinsam auf der Suche – und dann wird eine alleinige Entscheidung ohne Rücksprache getroffen, wenngleich diese Entscheidung erst mal nur für Sales & Service und Arena GmbH gilt. Da haben wir keine Einflussnahme und wollen auch gar keine haben. Aber Herr Schäfer darf eben auch keine Aufgaben in der Profiabteilung übernehmen. Sollte er dies machen, gefährdet er eben auch die Position der derzeitigen Geschäftsführung.

Also auch die von Martin Kind?

Ja.

Ist das eine Drohung oder eine Warnung?

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Weder noch. Wir gehen da­von aus, dass Herr Schäfer keine Aufgaben im Profibereich übernimmt.

Das waren die Choreos der Fans von Hannover 96 der vergangenen Jahre:

Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. Zur Galerie
Die 96-Fans präsentierten eine aufwendige Choreo für den Pokalheld Jörg Sievers, der Anfang Januar 2020 nach 30 Jahren bei Hannover 96 dem Ruf von Daniel Stendel nach Schottland folgte. ©

Also wird er als CEO niemals Ihre Zustimmung bekommen?

Die gemeinsame Suche in der Management GmbH geht weiter. Aus unserer Sicht brauchen wir einen anderen.

"Sehr überraschend für uns, dass dieser alleinige Weg gewählt wurde"

Die 96-Kapitalseite dürfte das anders sehen.

Die Entscheidungen können gemeinsam fallen. Dem ha­ben wir alles untergeordnet. Es war ja mal im Gespräch, dass Alexander Kind eine Position übernehmen soll oder Raoul Roßmann. Und mit Alexander Kind hat es auch Kennenlerngespräche gegeben. Dort ha­ben wir das Zugeständnis ge­macht, dass Alexander Kind als zweiter Geschäftsführer, allerdings ohne operative Aufgaben, neben ei­nem starken CEO installiert wird – und zwar, um einen Verbindungsmann zu den Gesellschaftern zu haben. Insofern ist es sehr überraschend für uns, dass jetzt dieser alleinige Weg gewählt worden ist.

Hat der e. V. für das „Zugeständnis“ Alexander Kind eine Gegenleistung gefordert?

Nein, das war nie ein Thema.

Teil 2 des Interviews erscheint im Laufe des Tages auf www.sportbuzzer.de/hannover