16. März 2022 / 20:27 Uhr

96-Stürmer Cedric Teuchert im Interview: „Es ist kurz vor Zwölf“ 

96-Stürmer Cedric Teuchert im Interview: „Es ist kurz vor Zwölf“ 

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Stürmer Cedric Teuchert ist überzeugt vom Klassenerhalt.
96-Stürmer Cedric Teuchert ist überzeugt vom Klassenerhalt. © picture alliance/dpa
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Für Cedric Teuchert  ist es „kurz vor Zwölf“ nach den letzten Niederlagen von Hannover 96. Die Spieler reden „sehr kritisch“ über die Probleme, betont der Stürmer im Interview. Der 25-jährige Rückkehrer erklärt auch, warum seine Mannschaft auf Schalke siegen wird. 

Cedric Teuchert, Sie haben gegen Nürnberg die beiden einzigen Torchancen vergeben. Fehlt Ihnen neben der Spielpraxis noch die Selbstverständlichkeit im Abschluss?

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Ich hatte nicht so viele Spielminuten bei Union Berlin, das kann schon eine Rolle spielen. Ich versuche nun wieder dahin zu kommen, wo ich vor der kleineren Verletzung aufgehört habe. Na­tür­lich haben mich die vergebenen Chancen geärgert. Es hat mich auch am Tag nach dem Spiel beschäftigt.

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Ist Ihre Verletzung ausgeheilt?

Ich hatte ein paar muskuläre Pro­ble­me. Es war nichts Strukturelles kaputt, aber es hat sich über ein paar Tage gezogen. Jetzt fühle ich mich wieder gut.

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Beim 0:3 gab’s insgesamt wenig Torchancen, die Durchschlagskraft hat gefehlt. Was war los?

Natürlich hatten wir vorn nicht die Durchschlagskraft, um uns große Chancen herauszuspielen. Alle, die auf dem Platz standen, haben nicht das gebracht, was wir uns vorgenommen hatten. Wir wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Wir haben die letzten zwei Spiele verloren, da­vor zwei gewonnen. Es geht hoch und runter, aber wir lassen uns nicht vom Weg abbringen, um die nötigen Punkte in den nächsten Wochen zu holen.

Bilder vom Spiel der 2. Bundesliga zwischen Hannover 96 und dem 1. FC Nürnberg

 In der Südkurve ist's wieder voll beim Heimspiel von 96 gegen Nürnberg. Zur Galerie
In der Südkurve ist's wieder voll beim Heimspiel von 96 gegen Nürnberg. ©

Bis zum 0:4 im Pokal lief’s noch gut. Hat Leipzig einen Knacks gegeben?

Vielleicht hat’s einen Knacks ge­ge­ben. Es war eine einmalige Chance, Geschichte zu schreiben. Im Liga-Alltag darf uns das aber nicht mehr beschäftigen, wenn wir gegen eine Weltklassemannschaft im Pokal verlieren.

Warum dann der Einbruch?

Wir haben sehr viel und sehr kritisch geredet in der Kabine. Sandhausen und Nürnberg wa­ren sehr, sehr schlecht. Am Dienstag war aber Feuer wieder drin im Training. Zum Glück ha­ben wir jetzt bei einem sehr geilen Auswärtsspiel die Chance, es wiedergutzumachen. Das wird für uns alle ein Highlight.

Da würde man doch gern wissen, was intern so geredet wurde?

Dazu werde ich nichts sagen.

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Sie könnten den schlechten Rasen in der HDI-Arena als Entschuldigung anführen. Kann man darauf spielen – oder ist das reine Glückssache?


Ich habe schon auf deutlich besseren Plätzen gespielt. Aber dazu ist mir ein Satz von meinem Union-Trainer Urs Fischer im Kopf geblieben – man soll beeinflussen, was man beeinflussen kann.

96-Chef Kind meint, dass die Mannschaft sich zu einer Wohlfühlgesellschaft entwickelt hat. Wie nehmen Sie es wahr?

Ich bin jeden Tag in der Kabine und nehme es dort anders wahr. Natürlich wird es manchmal lauter in der Kabine. Wir wissen alle, wie es tabellarisch aussieht und wo wir stehen, aber so kann’s und wird’s hoffentlich nicht weitergehen. Ich bin überzeugt, dass wir dafür zu gut sind. Wir geben jeden Tag Gas, auch wenn’s in den letzten beiden Spielen nicht zu sehen war. Wenn man auf die Spiele blickt, ist die Kritik be­rech­tigt.

Wie passt Ihre Aussage, die Mannschaft sei viel zu gut, zu dem Tabellenplatz?

Wenn man für den Klassenerhalt spielt, läuft’s leider nicht immer so gut, man kann die Qualität nicht auf den Platz bringen. Wir wissen alle, dass es kurz vor zwölf ist.

Was überwiegt – die Sorge vor dem Abstieg oder die Gewissheit, den Klassenerhalt zu schaffen?

Ich habe nicht das Gefühl, dass jeder Angst hat. Wir haben viele Jungs, die schon in der Situation waren. Wir müssen uns Gedanken machen, aber ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass wir die Klasse halten.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Sind Sie mit Ihren 25 Jahren als erfahrener Spieler gefragt, die Kollegen zu beruhigen?

Natürlich bespreche ich meine Ideen mit ein paar Jungs in der Kabine und teile dem Trainer meine Gedanken mit. Dafür ha­ben wir auch erfahrene Mannschaftskollegen wie Mike Frantz, der extrem wichtig ist. Er hat in seiner Karriere sehr viel erlebt und spricht jeden Tag mit jedem einzelnen Spieler.

Was ist Ihre Erinnerung an die eineinhalb Jahre auf Schalke – und wie beurteilen Sie dort die nicht ganz einfache Lage?

Auf Schalke ist immer eine ge­wis­se Unruhe, das habe ich in guten wie in schlechten Zeiten kennengelernt. Ich freue mich aber riesig auf das Spiel. Meine Familie und Freunde kommen, ich habe auch knapp 20 Karten bestellt. Ich sehe alte Kameraden wieder, ich habe mir auch schon die Trikots von Bülter und Fährmann gesichert. Das Stadion darf endlich wieder zu 75 Prozent aufgemacht werden. Da erwarten uns eine sehr laute Arena und ein starker Gegner, der gewinnen muss.

Macht’s das bundesligareife Drumherum leichter, als im ungemütlichen Sandhausen zu spielen?

Das hilft mit Sicherheit. Jeder erwartet, dass Schalke gewinnt. Sie haben einen neuen Trainer, aber wir haben gegen vermeintlich große Gegner gezeigt, dass wir sie mit großer Überzeugung deutlich schlagen können. Das ist auch unser Plan am Samstag. Was gibt’s Schöneres, als Schalke auswärts vor vielen Zuschauern zu besiegen.

Könnte der 4:3-Sieg der Rostocker auf Schalke als Vorbild dienen?

Bestimmt. Das Trainerteam hat sich sicher einen guten Plan überlegt, den wir im Training einstudieren werden. Wir können und wollen wie beim Sieg bei St. Pauli zeigen, dass wir zu Un­recht da unten stehen.

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