21. April 2022 / 07:55 Uhr

96-Stürmer Hendrik Weydandt über Wechselgerüchte: „Mein Platz ist hier“

96-Stürmer Hendrik Weydandt über Wechselgerüchte: „Mein Platz ist hier“

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hendrik Weydandt fühlt sich wohl in Hannover und will bei 96 bleiben.
Hendrik Weydandt fühlt sich wohl in Hannover und will bei 96 bleiben. © picture alliance/dpa
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​Hendrik Weydandt wirkt wie befreit. Nicht allein wegen seines Tores in Aue. Der 26-Jährige hat seine Masterarbeit seit drei Wo­chen fertig und eine wichtige Entscheidung getroffen: Er will bei 96 bleiben, Wechselgerüchten zum Trotz. Im Interview betont er: „Mein Platz ist hier.“

Hendrik Weydandt, drei Spiele ungeschlagen, wie ist die Lage?

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Die Stimmung ist gut und natürlich wieder deutlich besser als noch im März. Wir werden im ­April auf unser Soll kommen und wollen gegen Paderborn den letzten und wichtigen Schritt zum Klassenerhalt ma­chen. Uns wird Tag für Tag vorgerechnet in der Presse, dass wir noch nicht durch sind.

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Wir wollen ja, aber der Trainer sagt, 96 ist noch nicht durch …

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Wir wollen auch. So gehen wir das Spiel in Paderborn an. Das 0:0 ge­gen Düsseldorf tat keinem weh, aber auch keinem gut. Der klare Auftrag ist, aus Paderborn drei Punkte mitzunehmen.

Wie war es denn gegen Düsseldorf, so als erster Verteidiger?

Hat Bock gemacht, weil ich ge­merkt habe, dass jeder mitzieht. Als ich gesehen habe, dass es die Rote Karte wird, wusste ich, dass es ein anderes Spiel wird. Deswegen sind wir alle schnell zu Da­bro (Trainer Christoph Da­brows­ki, Anm. d. Red.) rausgegangen und haben schnell einen Defensivplan entwickelt. Als erster Verteidiger ist es anstrengend, aber die anderen laufen auch. Das 0:0 war symbolisch wichtig für uns, weil wir sehen, dass jeder für den anderen laufen kann.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Selbst wenn Sie Ihr Soll Klassenerhalt erfüllen, bleibt es eine verkorkste Saison, oder?

Absolut. Es war eine Saison mit Aufs und Abs. Darüber reden wir nicht erst in dieser Saison. Wenn wir von Anfang an durchschnittliche Leistungen mit Ausschlägen nach oben zeigen, dann schwimmt man auf der Welle. Man darf nicht wieder so reintrudeln in eine Saison.

Woran liegt’s?


Wir hatten viel Fluktuation. Außerdem dürfen wir nicht zufrieden sein, wenn wir nur unentschieden gespielt haben. Da liegt der erste Fehler. Da müssen wir anfangen, dass jeder sich jeden Morgen in den Allerwertesten tritt.

Haben Sie den Februar zu sehr genossen?

Leipzig war natürlich klar besser, aber als wir im Pokal ausgeschieden sind, ist ein kleiner Traum zerbrochen. Dann zittern wir uns in Sandhausen was zurecht. Ich kann es nicht für alle sagen, aber wir haben es jetzt geschafft, das Ganze wieder rumzudrehen. Wenn wir so auftreten wie in den letzten drei Spielen, müssen wir uns alle keine Sorgen machen. Der Trend ist positiv.

Ihr Treffer in Aue sah nach einer Erlösung aus. Wie gehen Sie damit um?

Gut. Mir ging es vorher auch gut. Fußballerisch war es schwierig, klar. Man strotzt nicht vor Selbstvertrauen, wenn man wenig spielt. Aber auch bei mir zeigt der Trend nach oben.

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Sie brauchen auch ein dickes Fell. Was sagen Sie denn den Kritikern, die meinen, Hendrik Weydandt macht keine Bälle richtig fest, ihm springt der Ball zu weit weg und er legt sich den Ball zu weit vor?

Ganz selten sagen mir Leute das ins Gesicht.

Dafür sind wir ja da.

Genau. Sicher habe ich das auch mal gelesen, da sind wir bei den sozialen Netzwerken, die ich meide. Das ist nicht böse gemeint, was ich jetzt sage. Wenn es gut läuft, dann schreiben viele: Oh toll, Hendrik, super gemacht. Dieselben Leute schreiben extrem negativ, wenn es nicht gut läuft. Das brauche ich nicht, um Selbstbewusstsein zu generieren. Das kann ich ausblenden. Ich habe da meine innere Mitte gefunden, deshalb zieht es mich nicht runter. Ich nehme das wahr, aber bin so ruhig, dass mich das kaum berührt.

Lesen Sie noch etwas in den sozialen Medien?

Nur, wenn irgendeiner meiner Freunde sagt: Hier, guck mal!

Wer solche Freunde hat …

Ich lese das wirklich nicht. Ich brauche es nicht, um mich selbst einzuordnen. Ich führe dann Gespräche mit Leuten, die aus dem Geschäft sind. Daraus ziehe ich wesentlich mehr. Ich bin aber selbstreflektiert genug, dass ich selber weiß, wenn es mal nicht läuft. Ich habe leicht reden, weil ich in Aue getroffen habe. Ge­gen Düsseldorf habe ich das nicht, und mein Anspruch ist, dass es jetzt kein halbes Jahr dauert, bis ich wieder treffe. Häufiger zu treffen, muss der Anspruch eines Stürmers bei Hannover 96 sein.

Hendrik Weydandts Fußballkarriere in Bildern:

Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. Zur Galerie
Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. ©

Fühlen Sie sich in einer Schublade, so dass Sie sagen, Sie müssen 96 jetzt verlassen?

Nein.

Was ist mit Angeboten von anderen Vereinen?

Mein Platz ist hier. Ich sehe keinen Grund dafür, Hannover 96 zu verlassen. Mein Vater und ich haben das Gerücht mit Karlsruhe gelesen und haben gesagt: Okay, wenn das so ist? Aber tatsächlich weiß ich darüber nichts. Es ist nichts, was mich beschäftigt.

Was bedeutet Ihnen Hannover 96?

Eine Menge. Als ich kam, war ich Underdog. Nach vier Jahren stelle ich fest, dass ich zu sämtlichen Personen eine Beziehung aufgebaut habe. Ähnlich wie bei den vier Jahren in Egestorf. Ich identifiziere mich sehr mit Hannover 96.

Haben Sie eigentlich Ihr Studium abgeschlossen?

Ich habe vor drei Wochen meine Masterarbeit abgegeben und bin durch.

Thema?

Verlustoptimierung bei der Umwandlung von Kapitalgesellschaften.

Was ist härter, Training oder Master machen?

Es gleicht sich gut aus. Wegen Corona hatte ich keine Präsenzvorlesung. Wenn ich tote Zeit im Auswärtshotel hatte, konnte ich noch eine Stunde lernen. Das hat gut funktioniert. Das eine ist körperliche, das andere geistige Belastung. Das passt recht gut.

Machen Sie noch Ihren Doktor?

Boah, promovieren? Das ist noch weit weg. Aber ich glaube nicht, weil ich es nicht brauche für das, was ich vorhabe. Der Plan ist klar: Fußball spielen, damit abschließen irgendwann, dann in die Kanzlei und das Steuerberaterexamen schreiben.

Top-Torschützen in Bildern: die 50 erfolgreichsten Torjäger in der Geschichte von Hannover 96 (Stand: 9. Oktober 2021)

Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. Zur Galerie
Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Keine Trainerkarriere?

Ganz ehrlich: Das ist nichts für mich.

Ihr Freund und Förderer Jan Zimmermann war Ihr Trainer. Warum hat es nicht funktioniert?

Ich hatte in der Vorbereitung das Gefühl, der Kern passt, die Grundformation stand recht früh. Woran es genau lag, kann ich nicht sagen.

Sprechen Sie mit Lukas Hinterseer, der ja gerade gar nicht dabei ist?

Lukas hat sich vorbildlich verhalten, als er mehr gespielt hat als ich. Wir haben uns gegenseitig ge­pusht. Im Moment verhalte ich mich genauso, er auch. Das Verhältnis ist einwandfrei.

Sie haben zwei Tore erzielt, er keins. Wie reden Sie darüber?

Das ist häufiger Thema, und wir sind da ehrlich zueinander. Das ist für uns beide viel zu wenig. Wir sprechen darüber, wie wir es än­dern können.

Welchen Eindruck macht auf Sie das fast leere Stadion?

Das spiegelt uns wider, wie die Mannschaft gesehen wird. Das ist doch irgendwo auch gut so, weil wir dann merken, die Fans machen nicht alles mit.

Nach dem Motto „Wir können das Stadion leer spielen, können es aber auch wieder voll spielen“?

Genau, gegen Leipzig waren viele Fans da, gegen Düsseldorf war es auch wieder voller. Das kann schnell gehen.