15. Oktober 2020 / 07:04 Uhr

"96 konnte ich nicht absagen": Baris Basdas will bis zum Karriereende bleiben

"96 konnte ich nicht absagen": Baris Basdas will bis zum Karriereende bleiben

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sein Vorname heißt Frieden, doch auf dem Platz ist Baris Basdas ein Kämpfer.
Sein Vorname heißt Frieden, doch auf dem Platz ist Baris Basdas ein Kämpfer. © imago images/Jan Huebner
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Als Hannover 96 ihn als Neuzugang vorstellte, konnte wohl kaum jemand was mit seinem Namen anfangen. Mittlerweile hat Baris Basdas einen ersten Eindruck hinterlassen. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er über die Gründe für einen Wechsel zu den Roten, aber auch über Privates.

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Vor dem Wechsel nach Hannover hatten nur echte Türkei-Experten Baris Basdas auf dem Zettel. Nach etwas Eingewöhnungszeit peilt die defensive Allzweckwaffe mehr Spielzeit an – und mit 96 den Aufstieg. Der 30-Jährige hat mit dem SPORTBUZZER gesprochen, Themen waren...

... sein Wechsel nach Jahren in der Türkei: "Ich habe fast zwölf Jahre in der Türkei gespielt, über 150 Süper-Lig-Spiele gemacht. Aber Hannover 96 ist was Besonderes. Da musste ich nicht viel überlegen, als das Angebot kam. Ich wäre nicht zu jedem Klub gewechselt, aber 96 konnte ich nicht absagen.

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Außerdem ist der Fußball in Deutschland viel besser als in der Türkei, obwohl es dort auch sehr, sehr talentierte Spieler gibt und ich gegen zig Stars gespielt habe wie Didier Drogba, Wesley Sneijder, Roberto Carlos. Die 2. Liga in Deutschland ist für mich die beste 2. Liga der Welt. Ich könnte mir schon vorstellen, hier in Hannover später mal „Rentner“ zu werden. Aber klar, ich muss Leistung bringen. Wer keine Leistung bringt, kann bei 96 nicht bleiben."

... die erhoffte Rolle bei 96: "Ich versuche, der Mannschaft mit meiner Erfahrung zu helfen, auf und außerhalb des Feldes. Es geht aber nicht um mich, Fußball spielst du mit elf Mann. Und es ist jetzt nicht wichtig, welche Spieler spielen. Es ist nur wichtig, dass wir als Mannschaft 96 da hinbringen, wo der Verein hingehört. Aber klar, kein Spieler ist froh, wenn er nicht spielt. Ich bin fit, kann spielen und will spielen.

Im Derby durfte ich reinschnuppern, da war ich froh. Wenn der Trainer sagt: „Du spielst“, dann werde ich meine Leistung bringen. Ich brenne darauf, vor den 96-Fans spielen zu dürfen. Auf welcher Position ich dann spiele, ist mir egal. Das entscheidet der Trainer. Ich habe jahrelang Innenverteidiger gespielt, aber immer wieder auch auf der Sechs. Egal wo: Ich möchte der Mannschaft immer helfen!"

... sein Verhältnis zu Kenan Kocak: "Wir kannten uns vor dem Angebot von 96 nicht, aber ich hatte viel über ihn gehört. Er ist ein Toptrainer. Erst später kam es zu einem Gespräch mit dem Trainer, das war sehr positiv. Er hat klar gesagt, dass ich ein guter Spieler bin und ich helfen kann. Wir haben auch über die Ziele gesprochen, dass der Verein dahin kommen möchte, wo er hingehört – in die 1. Liga. Für mich gibt es nur dieses eine Ziel, wir haben Topspieler in der Mannschaft und viel Erfahrung."

... sein Vorname und seine Art des Fußballspielens: "Baris heißt Frieden, aber auf dem Feld bin ich ein aggressiver Typ, will immer gewinnen. Neben dem Platz bin ich aber ein netter Kerl und versuche immer, freundlich zu sein."

... das verbale Duell mit dem früheren 96-Profi Niclas Füllkrug im Test gegen Werder: "Das war ein normaler Zweikampf, den ich gewonnen habe. Ich bin ein bisschen hart reingegangen, habe aber nur den Ball berührt. Das habe ich ihm so gesagt. Ich weiß gar nicht, warum er sich so aufgeregt hat. Er war halt sauer auf mich. Aber das ist kein Problem, auf dem Feld passiert sowas. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, werden wir uns normal grüßen."

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<b>Zugänge:</b> Simon Falette (vorerst ablösefrei, von Eintracht Frankfurt) Zur Galerie
Zugänge: Simon Falette (vorerst ablösefrei, von Eintracht Frankfurt) ©

... die Heimat: "Wenn ich in Deutschland bin, sehen mich die Leute als Türken. Und wenn ich in der Türkei bin, sehen sie mich als Deutschen. In der Türkei habe ich viel fürs Leben gelernt. Ich bin mit 19 Jahren nach Istanbul gezogen, in eine Millionenstadt, habe Erfahrungen gesammelt, nicht nur im Fußball. Diese Erfahrungen kannst du nicht kaufen, du kannst sie nur erleben. Ich bin in Deutschland geboren, das ist meine Heimat – aber die Türkei ist das auch!"

... Familie und Familienplanung: "Meine Familie lebt in Köln, dort habe ich 19 Jahre gelebt. An freien Tagen besuche ich gern Familie oder Freunde, meine Mutter und mein Vater besuchen mich auch ständig. Das sind ja nur 300 Kilometer Entfernung. Mein Vater ist begeistert von Hannover, würde am liebsten jede Woche kommen. Ansonsten ... ich bin ledig, nicht verheiratet – aber ja noch jung. (lacht) Zumindest sehe ich noch jung aus für 30! Wenn ich die Richtige finde, will ich auch mal heiraten. Aber das Wichtigste gerade für mich ist der Fußball."