26. Juni 2020 / 09:00 Uhr

96-Stürmer Marvin Ducksch im Interview: "Weiß genau, wo ich meine Schwächen habe"

96-Stürmer Marvin Ducksch im Interview: "Weiß genau, wo ich meine Schwächen habe"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Marvin Ducksch spricht ganz offen - auch darüber, dass es für ihn nach ganz oben vielleicht nicht reicht.
Marvin Ducksch spricht ganz offen - auch darüber, dass es für ihn nach ganz oben vielleicht nicht reicht. © imago images/Jan Huebner
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Marvin Ducksch steht bei 13 Saisontoren. Gelingt dem Stürmer von Hannover 96 zum Abschluss gegen Bochum ein weiterer Treffer, würde er eine von Niclas Füllkrug aufgestellte Marke knacken. Über dieses und andere Themen hat der 26-Jährige bemerkenswert offen mit dem SPORTBUZZER gesprochen.

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Marvin Ducksch, wie viele Trainingstore haben Sie heute gemacht?

Naja, ich bin ja nicht so der Trainingsweltmeister. Ich treffe lieber, wenn’s drauf ankommt.

Ist die Marke von 14 Toren, aufgestellt von Niclas Füllkrug, ein Ziel für Sie? Kommen Sie auf 14 Tore?

Das nehme ich doch an. Das ist ein kleines Ziel für mich. Aber ich weiß auch, dass Füllkrug die 14 Tore in der ersten Bundesliga geschossen hat. Das ist schon ein Klassenunterschied und natürlich schwieriger.

Haben Sie Respekt davor, quasi einer Stürmerlegende den Rekord wegzunehmen?

Das ist mir egal, welche Legende hier Rekorde geholt hat. Ich möchte die Marke nicht nur einstellen, sondern brechen. Dazu muss ich am besten zweimal treffen.

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Ist das so einfach?

Für Sie sieht das vielleicht einfach aus. Ganz ehrlich: Die drei Punkte sind mir wichtiger. Es geht schließlich noch um eine Platzierung und für den Verein geht es dabei um Geld.

Sie haben gesagt, in der Corona-Pause haben Sie an sich gearbeitet. An was genau?

Vor der Pause hatten wir eine eingespielte Elf, ich gehörte nicht dazu. Es ist schwer, dann an den anderen vorbeizuziehen. Wir hatten im Corona-Gruppentraining viele Torabschlüsse, da habe ich an mir gearbeitet, mehr gemacht und versucht, so viele Bälle wie möglich reinzudrücken. Nach dem Training haben wir noch Freistöße und Elfmeter geschossen. Das hat mir offenbar geholfen. An mir selbst habe ich nie gezweifelt.

Hilft es Ihnen, dass keine Fans im Stadion sind?

Ich bin auf dem Bolzplatz großgeworden, da gab’s auch keine Zuschauer. Dass ansonsten mal gepfiffen wird, das bekomme ich selbst gar nicht mit, ich bekam das nachher nur gesagt. Aber wir Spieler vermissen die Fans alle, sie gehören dazu fehlen uns.

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Der heute 25-jährige Marvin Ducksch begann seine Fußballkarriere mit vier Jahren beim BSV Fortuna Dortmund 58 und wurde von seinem Vater trainiert. 2002 wechselte er in die Jugend von Borussia Dortmund, welche er anschließend vollständig durchlief. ©

Haben Sie während der Corona-Zeit auch an der Spielkonsole bei FIFA Abschlüsse geübt?

Ich habe jedenfalls viel FIFA gespielt. Ich stelle da immer mein eigenes Team zusammen.

Jemand von Hannover 96 dabei?

Es gibt einen.

Wen?

Mich. (lacht)

Angeln ist Ihr neues Hobby. Warum?

Ich hätte nie gedacht, dass ich Angler werden würde. Aber dann habe ich es ausprobiert. Ich bin in der Natur, habe meine Ruhe und vergesse alles um mich herum. Es ist das Gegenteil von Fußball, wo du jede Sekunde unter Strom stehst.

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Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Haben Sie eigentlich nach Ihren Toren Angebote von Bundesligisten vorliegen? Oder hat Ihr früherer Trainer Markus Anfang mal gefragt: Na, wie wäre das? In Darmstadt?

Moment, Bayern ruft gerade an (tatsächlich wird er in dem Moment angerufen, Ducksch lacht und drückt aufs Handy). Das musste ich eben mal wegdrücken. Nein, im Ernst. Bis jetzt ist jedenfalls nichts gekommen. Ich habe ja auch noch zwei Jahre Vertrag.

Das heißt, Sie können sagen, Sie spielen in der nächsten Saison auf jeden Fall bei 96?

Stand jetzt sage ich: Ja, auf jeden Fall!

Haben Sie ein Ziel, wo Sie mal spielen wollen?

Die Premier League war mal mein Ziel. Ein Angebot (Anm. d. Red.: Norwich City) hatte ich auch, da habe ich aber das Eierflattern bekommen. Ich weiß schon ziemlich genau, wo ich meine Schwächen habe. Und ich weiß auch, wo ich gerade spiele und dass es bis ganz nach oben vielleicht nicht reicht.

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Welche Schwächen meinen Sie?

Ich bin kein Lewandowski, der aus zwei Chancen zwei Tore macht. Dazu brauche ich schon mehr Versuche, so ehrlich bin ich.

Aber Sie spielen sich auch die meisten Torschüsse heraus ...

Ich bin nicht der klassische „Neuner“. Ich bin nicht der, der am kurzen Pfosten lauert und die Sohle reinhält. Ich versuche, der Schleicher zu sein. Schleicher, so wurde ich mal genannt.

Wie Thomas Müller?

Der hat nochmal andere Qualitäten als ich.