25. Februar 2021 / 09:06 Uhr

"Wollen attraktiv werden für Talente": 96-Boss Martin Kind im XXL-Interview (Teil 2)

"Wollen attraktiv werden für Talente": 96-Boss Martin Kind im XXL-Interview (Teil 2)

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Profichef Martin Kind betont im Gespräch mit dem SPORTBUZZER die gesteigerte Bedeutung der Nachwuchsarbeit.
96-Profichef Martin Kind betont im Gespräch mit dem SPORTBUZZER die gesteigerte Bedeutung der Nachwuchsarbeit. © Florian Petrow
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Auch 96 muss den Gürtel enger schnallen. In Teil 2 des XXL-Interviews spricht 96-Boss Martin Kind über Kürzungen, Obergrenzen - und die Bedeutung der Nachwuchsarbeit. Frank Baumgarte, kaufmännischer Leiter der Roten, sagt: "Wir müssen unsere Philosophie ändern und versuchen, im eigenen Becken zu fischen."

Wo werden Sie ansetzen, da 96 noch mal weniger Geld zur Verfügung hat als in dieser Saison?

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Kind: Wir müssen die Kosten bei der Mannschaft – also bei Gehältern und Transfers – reduzieren. Das heißt es auf Hochdeutsch. Wir planen beim Spieleretat mit etwa 16 Millionen Euro. So werden wir das bei der Lizenzierung auch einreichen.

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Bekommen Sie dafür eine Mannschaft zusammen, die auch aufsteigen kann?

Kind: Das kann man erreichen. Der Markt wird künftig unter veränderten Bedingungen funktionieren. Das bedeutet, dass sich unsere Verhandlungsposition verändern und verbessern wird. Wir werden unsere Linie festsetzen – und von dieser Linie nicht abgehen.

Das heißt, Sie werden eine neue Gehaltsobergrenze einführen?

Kind: Ja, zum Beispiel. Das werden wir konsequenter umsetzen.


Hannover 96 und die Ära Martin Kind. Ein Rückblick.

In einer dramatischen und turbulenten Mitgliederversammlung am 26. September 1997 im Wülfeler Biergarten übernahm der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind von Utz Claassen (war mit Personenschützer gekommen) das Ruder bei 96 und führte den Verein (bis auf kurze Zeit, in der Götz von Fromberg die Ge­schi­cke von 96 leitete) durch Höhen und Tiefen. Erst in den letzten drei Jahren wurde es wieder richtig turbulent. Zur Galerie
In einer dramatischen und turbulenten Mitgliederversammlung am 26. September 1997 im Wülfeler Biergarten übernahm der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind von Utz Claassen (war mit Personenschützer gekommen) das Ruder bei 96 und führte den Verein (bis auf kurze Zeit, in der Götz von Fromberg die Ge­schi­cke von 96 leitete) durch Höhen und Tiefen. Erst in den letzten drei Jahren wurde es wieder richtig turbulent. ©

Sie werden hart bleiben, auch wenn Trainer und Sportdirektor einen Spieler unbedingt haben wollen, der mehr verdienen will?

Kind: Das haben wir entschieden, und wir werden diesmal nicht davon abweichen. Es gibt trotzdem nur 18 Zweitligisten, die attraktive Arbeitsplätze anbieten.

Wollen Sie auch bei bestehenden Verträgen Kürzungen vornehmen?

Kind: Das lasse ich mal offen. Es lässt sich auch nur im gegenseitigen Einvernehmen umsetzen. Die Stellschraube, die wir haben, sind die Neuverträge. Die überhöhten Personalkosten sind das Problem.

Im neuen TV-Verteilermodell wird Nachwuchsarbeit aufgewertet und besonders belohnt. Werden Sie darauf reagieren?

Kind: Das ist eine gute Überlegung der DFL. Das Konzept stütze ich auch, wir wollen es auch umsetzen.

Baumgarte: Wir müssen unsere Philosophie ändern und versuchen, im eigenen Becken zu fischen.

Kind: Wir werden so weit gehen, dass die erste Frage sein muss, wenn eine Position vakant ist oder ein Back-up gesucht wird: Haben wir so einen Spieler bei uns in der Akademie? Und dann nehmen wir den auch. Wir wollen attraktiv werden für Talente, damit sie erkennen: Wenn ich zu 96 gehe, habe ich eine Perspektive.

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Wie viel lässt sich 96 das Nachwuchszentrum kosten?

Baumgarte: 7 Millionen Euro jährlich.

Rechnet sich das?

Kind: Mindestens einer, besser zwei Spieler sollten pro Jahr hochkommen. Aber das ist ein Prozess. Auf jeden Fall wird sich die Schnittstelle zwischen Profis und NLZ verändern.

Wie?

Kind: In unserem Konzept ist einer der Co-Trainer der Profimannschaft dafür vorgesehen, ohne dass wir schon eine Person benannt haben. Er soll die Entwicklung der Spieler begleiten.

Bilder vom Trainingszoff bei Hannover 96 (24. Februar 2021)

Simon Falette (Zweiter von rechts) musste von seinen Kollegen zurückgehalten werden. Zur Galerie
Simon Falette (Zweiter von rechts) musste von seinen Kollegen zurückgehalten werden. ©

Ist Kocaks Tendenz, zuletzt vermehrt Talente wie Gudra oder Doumbouya einzusetzen, mit dem neuen Talentmodell zu erklären?

Kind: Wir haben intensiv mit ihm darüber gesprochen. Das Modell steht, dabei müssen wir den Cheftrainer auch in die Pflicht nehmen. Er hat diese Idee bereits verinnerlicht.

Wird der Aufstieg trotzdem auch in der nächsten Saison das Ziel sein?

Kind: Das muss unser Anspruch sein, ist aber nicht unbedingt realistisch. Wenn man das neue Konzept konsequent umsetzt, wird man eine längere Zeitachse im Hinterkopf haben müssen und ein, zwei Jahre mehr Geduld aufbringen müssen.