25. November 2021 / 07:45 Uhr

Kumpel Haraguchi fordert von 96-Rechtsverteidiger Muroya: "Bitte gewinnen!"

Kumpel Haraguchi fordert von 96-Rechtsverteidiger Muroya: "Bitte gewinnen!"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sei Muroya hat  seinen ersten Treffer für 96, aber vor allem den Klassenerhalt fest im Visier.
Sei Muroya hat  seinen ersten Treffer für 96, aber vor allem den Klassenerhalt fest im Visier. © IMAGO/Eibner
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Sei Muroya hat nach dem 0:0 gegen Paderborn viel Lob für seine Leistung bekommen. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der Rechtsverteidiger über die sportliche Situation bei 96, über seinen Draht zu Genki Haraguchi und persönliche Ziele.

Sei Muroya, der Trainer von Paderborn hat Sie als besten Spieler auf dem Platz gesehen. Hat man Ihnen davon erzählt?

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Ich habe das erst von meiner Mutter erfahren. Zwei Tage nach dem Spiel. Sie hatte mich aus Japan angerufen. Bis dahin wusste ich gar nichts davon. Das ehrt mich natürlich. Auf der anderen Seite konnten wir das Spiel nicht gewinnen. Und das wurmt mich noch viel mehr.

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Warum musste Ihre Mutter Ihnen das erzählen? Haben Ihre Mitspieler, Ihr Trainer und Ihr Manager das nach dem Spiel verschwiegen?

(lacht) Sie haben es bestimmt nicht absichtlich verschwiegen. Aber alle haben mich nach dem Spiel auch gelobt für ein gutes Spiel. Da brauchten sie die Worte des gegnerischen Trainers gar nicht.

Waren Sie denn zufrieden mit sich?

Defensiv habe ich über 90 Minuten eine ordentliche Leistung gebracht. Aber in der Offensive gab es eine Szene, in der ich ein Tor hätte schießen müssen. Das ärgert mich umso mehr.


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Tore schießen ist nicht die 96-Stärke in dieser Saison. Tut mir leid, dass ich einen Verteidiger danach fragen muss ...

Es stimmt ja. Allerdings hatten wir doch sehr gute Chancen. Natürlich müssen wir unsere Tore machen. Darum geht es, dann kommt alles andere nach und nach. Dass wir überhaupt in gute Schussposition kommen, ist aber auch eine Errungenschaft.

Sie selbst haben noch nicht getroffen in 47 Spielen für 96. Wird es Zeit?

Meine Teamkollegen machen mir da auch schon Druck. (grinst) Deswegen würde ich da gerne bald mein erstes Tor erzielen.

Sie sind vor dem Paderborn-Spiel auf Länderspielreise, waren im Oman, in Vietnam und haben keine Sekunde gespielt. Ist das nicht frustrierend?

Das waren schon große Reisestrapazen. Nicht spielen zu können, ist mental eine schwierige Sache. Aber ich war zusätzlich motiviert, eine gute Leistung zu bringen – auch wegen der Nationalmannschaft.

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Jannik Dehm hatte mal den Vorzug auf Ihrer Position. Wie war diese Phase für Sie?

Ich kann aus Konkurrenzkampf etwas Positives ziehen. Das bringt eine positive Spannung, um mich noch weiter zu steigern.

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Sie sind nach der Statistik einer der schnellsten drei Spieler der 2. Liga. Sind Sie schneller als Linton Maina?

Ich war als kleines Kind schon ein guter Läufer und recht schnell. Ich denke, dass Linton auf gerader Strecke schneller ist als ich. Ich bin auf gerade Strecke gar nicht so schnell. Wenn ein sprintstarker Spieler gegen mich spielt, werde ich automatisch auch schneller. Ich weiß auch nicht, warum. (lacht)

Horst Heldt mal gesagt, zwei Japaner in einer Mannschaft sind immer besser als einer. Jetzt sind Sie nach dem Wechsel von Genki Haraguchi der einzige Japaner. Wie schwierig ist das für Sie?

Ich hatte ein Jahr Zeit, mich einzuleben. Auch wenn mein Deutsch nicht so gut ist, komme ich gut klar, was die Kommunikation angeht. Ich kann inzwischen ganz gut Englisch und spüre sprachlich keinen Stress. Dass ich allein bin, ist eher förderlich, um die Sprache besser zu lernen. Ich habe mir jetzt das Berliner Derby angesehen, das Genki mit Union gewonnen hat. Er verfolgt 96 weiterhin. Er guckt jedes Spiel von uns, und wir reden ständig über die Spiele.

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Was sagt er denn so?

Bitte gewinnen!

Schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen?

Manchmal auch das.

Genki Haraguchi hat gesagt, er würde gern mit Union Berlin in der Champions League spielen. Sie sind weit davon entfernt mit 96. Welche Ziele haben Sie?

Mein Hauptaugenmerk liegt auf unserer Situation in der 2. Liga. Aber natürlich ist es ein Traum, in der 1. Liga zu spielen. Das ist ein großes Ziel von mir persönlich.

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Sie stecken derweil im Abstiegskampf mit 96. Tut Ihnen das weh?

Die Situation ist ernst und schwierig. Aber gerade in solchen Momenten erwarte ich von mir, dass ich besonders hart arbeite und meine Leistung bringe. Die Mannschaft hat das Zeug, aus dieser Situation herauszukommen. 

Wenn ich mir vorstelle, ich wäre Ihre Mutter und würde Ihre Wünsche kennen, würde ich Ihnen vielleicht raten, den Klub zu wechseln. Haben Sie solche Pläne?

Nein. Es gibt keine Pläne. Ich habe ja auch einen Vertrag, der über die Saison hinaus gültig ist. Meine Aufmerksamkeit gilt unserer Mannschaft. Darauf konzentriere ich mich.

Sie haben mal gesagt, Sie möchten Currywurst probieren. Haben Sie es schon getan und wie schmeckt es?

Currywurst mag ich sehr gerne. Grundsätzlich esse ich viel Japanisch. Wir lassen uns aus Düsseldorf japanische Lebensmittel schicken und meine Frau bereitet die Sachen zu. Meine Frau fühlt sich so wohl, dass sie in der Winterpause nicht nach Japan möchte, sondern Weihnachten in Hannover verbringen möchte. Gestern haben wir schon mal auf dem Weihnachtsmarkt ein bisschen geschnuppert.