06. August 2019 / 21:00 Uhr

96-Neuzugang Sebastian Jung im Interview: "Wirklich aufgeben wollte ich nie"

96-Neuzugang Sebastian Jung im Interview: "Wirklich aufgeben wollte ich nie"

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sebastian Jung macht bisher einen richtig guten Eindruck bei Hannover 96. Im SPORTBUZZER-Interview redet er über seine Verletzungen, Gedanken ans Resignieren, die Situation bei Hannover 96 und was besser werden muss. 
Sebastian Jung macht bisher einen richtig guten Eindruck bei Hannover 96. Im SPORTBUZZER-Interview redet er über seine Verletzungen, Gedanken ans Resignieren, die Situation bei Hannover 96 und was besser werden muss.  © Petrow/imago/Montage
Anzeige

Er ist ein Profi, der unheimlich viele Rückschläge einstecken musste. In drei Jahren beim VfL Wolfsburg bekam Sebastian Jung seine Verletzungsmisere nicht in den Griff. Jetzt ist er bei Hannover 96 angekommen. Ein Neuanfang, der ihm gut tut. Bisher verletzungsfrei, auf der rechten Verteidigerposition gesetzt und fit. Wir haben mit dem gebürtigen Hessen gesprochen. 

Anzeige
Anzeige

Sebastian Jung, Kreuzbandriss, Wadenprobleme, Faserriss und mehr. Die vergangenen Jahre waren eine echte Leidenszeit. Haben Sie je darüber nachgedacht, was passiert, wenn’s nie wieder wird?

Natürlich denkst du dran. Nicht bei der ersten oder zweiten Verletzung. Aber wenn es immer wieder passiert. Wenn du viele Dinge ausprobiert hast, ohne dass es wirklich besser wird. Wenn du bei vielen Ärzten warst und keiner dir hundertprozentig sagen kann, was das Problem ist und wie du es beheben kannst ... Das ist bitter, wenn du nach der Reha zurückkehrst, dich super fühlst und aus heiterem Himmel kommt wieder eine Muskelverletzung. Du weißt irgendwann nicht mehr, was du machen sollst. Aber wirklich aufgeben wollte ich nie. Auch wenn du natürlich mal denkst: Leckt mich alle, ich höre auf. Aber am nächsten oder übernächsten Tag guckst du nach vorne.

Sebastian Alexander Jung, Jahrgang 1990, kam bereits 1998 zu Eintracht Frankfurt. Im Jahr 2008 debütierte er in der U 23-Mannschaft der Frankfurter. Zur Galerie
Sebastian Alexander Jung, Jahrgang 1990, kam bereits 1998 zu Eintracht Frankfurt. Im Jahr 2008 debütierte er in der U 23-Mannschaft der Frankfurter. ©
Anzeige

Und jetzt läuft es wieder bei Ihnen. Wie fühlt sich das an?

So ein Neustart in einer anderen Stadt, bei einem anderen Verein, kann dich auch im Kopf befreien. Es ist einfach ein schönes Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen und beide Spiele über 90 Minuten zu machen. Das war bei mir in der Vergangenheit eine Seltenheit. Ich bin sehr glücklich, dass es bisher für mich sehr gut läuft. Vom mannschaftlichen Erfolg und den Punkten her ist es ein bisschen zu wenig. Im Vergleich zum ersten Spiel ha­ben wir aber was draufgelegt, hatten viele Chancen und Torgefahr. Wir müssen nur das 2:0 machen ...

Für Sie war es das Heimdebüt, konnten Sie die Stimmung genießen?

Es war richtig gut – habe ich mir sagen lassen (lacht). Ich habe leider nicht viel mitbekommen, weil ich so konzentriert auf mein Spiel war. Ein bisschen wie bei meinen ersten Spielen in der Bundesliga. Ich habe so lange nicht gespielt, da bin ich erst mal sehr auf das Geschehen auf dem Platz fokussiert, um keine Fehler zu machen. Es ist ein Neustart, ich will mit Leistung überzeugen und das Vertrauen zurückzahlen. Ich will zeigen, dass ich ein guter Spieler sein kann, wenn ich fit bin.

Aktuelles zu Hannover 96

Sie haben jetzt bei 96 schon so viele 90-Minuten-Auftritte gehabt wie in den vergangenen dreieinhalb Jahren zusammen. Wie groß ist das Vertrauen in Ihren Körper?

Das Vertrauen kehrt zurück. Je länger ich verletzungsfrei bin, trainieren und spielen kann, desto schöner. Desto fitter werde ich auch, desto mehr kommt die Sicherheit zurück. Auf dem Platz und in den Körper. Aber im Spiel denkst du nicht daran, was passieren könnte.

Wie fit sind Sie denn jetzt?

Ich merke im Spiel schon noch, dass ich mal durchpusten muss nach 60, 70 Minuten. Oder dass am Ende des Spiels mal ein Krampf dazukommt. Das kenne ich von früher nicht. Aber ich nehme die Krämpfe gern in Kauf, wenn ich dafür fit bleibe und jedes Wochenende spielen kann!

Wie lange ist es her, dass Sie sich zuletzt so gut gefühlt haben wie jetzt?

Weiß ich nicht (lacht). Gut gefühlt habe ich mich schon häufiger mal. Aber körperlich so fit wie jetzt war ich schon länger nicht. Die Vorbereitung hat mir sehr gutgetan. Der Körper gewöhnt sich wieder an die Belastung. Aber es wird sicher noch sieben, acht Spiele dauern, bis ich wieder voll im Rhythmus bin.

Das sind die Sommertransfers von Hannover 96 für die Saison 2019/20

Emil Hansson (Feyenoord Rotterdam -> Hannover 96, 600.000 Euro) Zur Galerie
Emil Hansson (Feyenoord Rotterdam -> Hannover 96, 600.000 Euro) ©

Sie haben ein Länderspiel gemacht, mal Champions League gespielt mit Wolfsburg. Wie fühlt sich das an, jetzt 2. Liga zu spielen?

Man muss die Kirche im Dorf lassen. Ich habe die letzten drei Jahre vielleicht acht oder zehn Pflichtspiele gemacht. Wenn du drei Jahre verletzt bist, kannst du keine Riesenansprüche stellen. Für mich ging es vor allem darum, wieder Spaß am Fußball zu haben. Mit Hannover hat alles ge­passt. Da ist mir egal, dass es 2. Liga ist. Mir ist wichtig, dass ich fit bin und spielen kann. Und auch, dass ich einen Trainer habe, der meine Vergangenheit kennt und, wenn es mal nötig ist, darauf Rücksicht nimmt.

Wie stark ist 96 schon?

Wir müssen uns in der einen oder anderen Aktion verbessern, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber wenn man das erste und zweite Spiel spielerisch vergleicht, haben wir schon eine Schippe draufgelegt. Jetzt müssen wir Punkte holen. Die Leistung der zweiten Halbzeit gegen Regensburg sollte unser Anspruch sein. Wenn wir das über 90 Minuten auf den Platz bringen, können wir eine gute Rolle spielen und um den Aufstieg mitmischen. Wir haben eine gute Truppe, und ich schätze, dass noch ein, zwei Neue kommen, die uns auch noch mal einen Schub geben können.

ANZEIGE: 50% auf dein Präsentations-Trainingsanzug! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Hannover
Sport aus aller Welt