11. Oktober 2021 / 18:36 Uhr

96-Sportdirektor Mann: "Müssen stärkere Energie aus Verein heraus hinbekommen"

96-Sportdirektor Mann: "Müssen stärkere Energie aus Verein heraus hinbekommen"

Andreas Willeke,  Dirk Tietenberg  und Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Es geht nur gemeinsam: 96-Sportchef Marcus Mann (rechts) erklärt im Interview mit dem SPORTBUZZER, warum er sich mit Trainer Jan Zimmermann bei Transfers einigen muss.
Es geht nur gemeinsam: 96-Sportchef Marcus Mann (rechts) erklärt im Interview mit dem SPORTBUZZER, warum er sich mit Trainer Jan Zimmermann bei Transfers einigen muss. © Florian Petrow
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Es gibt viel zu tun für Marcus Mann bei 96 - zum Beispiel schon jetzt den Kader für die nächste Saison planen. Im dritten Teil des großen Interviews mit dem SPORTBUZZER spricht der Sportdirektor aber auch über Nachwuchsabteilung, Scouting - und den gesamten Verein.

Marcus Mann, wann planen Sie die nächste Saison?

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Das fängt jetzt an. Wir müssen uns Gedanken machen, wo neue Plätze zu besetzen sind und wo wir neue Spieler haben wollen. Im Winter kann man manchmal nachjustieren, heute würde ich mir aber wünschen, dass wir im Winter nichts machen müssen.

Zum ersten Teil vom Interview

Wie schafft man es aufzusteigen, was braucht man dazu?

Dazu gehören viele Dinge. Man braucht die Charaktere dazu, die sportliche Qualität, ein bisschen Glück, einen gu­ten Saisonstart und einen Lauf. Man muss die Ruhe bewahren und braucht etwas Vorbereitungszeit dafür. Und auch eine eingespielte Mannschaft kann ein Trumpf sein.

Sorgen Sie sich wegen der Zurückhaltung der Fans nach der Corona-Pandemie?

Ich kann nachvollziehen, dass es eine Zurückhaltung gibt. Es geht mir nicht an­ders. Ich war vor Kurzem in einem Stadion, das relativ voll war. Da musste ich mich auch kurz überwinden, mich in die Masse zu setzen. Ich gehe aber davon aus, dass in einem halben Jahr alles wieder normal läuft. Mit Schalke haben wir den ersten Gradmesser dafür, wie gern die Leute wieder ins Stadion kommen.


Zum zweiten Teil vom Interview

Wo sehen Sie denn auch im größeren Rahmen – dem ganzen Verein – Verbesserungsbedarf?

Wir müssen einige neue Strukturen schaffen und auch eine stärkere Energie aus dem Verein heraus besser hinbekommen, als es jetzt der Fall ist. Mit mehr Schwung aus dem Umfeld und dem Verein können wir als 96 in ein Fahrwasser kommen, das erfolgversprechend ist.

Wollen Sie den Scouting-Bereich ausbauen?

Wir arbeiten gerade daran, das Scouting umzustrukturieren. Wir müssen klären, was unsere Zielspieler sind: Kommen die aus der Regionalliga oder der Bundesliga? Welche Märkte wollen wir abdecken? Beim Daten-Scouting wollen wir uns neu aufstellen, als Hilfsmittel, aber nicht als Entscheidungskriterium. Wir haben zwei Mitarbeiter, ein bis zwei weitere würden uns sicher guttun.

Wer hat bei den Transfers das letzte Wort?

Ich muss mich mit dem Trainer einigen und wir müssen das einstimmig beschließen. Wir müssen beide davon überzeugt sein, dass es der Richtige ist. So war es bisher auch glücklicherweise.

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Das Team ums Team wurde neu aufgestellt. Passt es schon?

Es passt, wir werden aber noch etwas optimieren. Ich bin ein Freund von schlanken Strukturen. Wir sind in der 2. Liga und nicht mehr in der Europa League.

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Sie sind auch fürs Talentzentrum verantwortlich. Da kamen zuletzt nicht mehr viele Spieler nach oben?

Ich bin leider noch nicht so tief im Thema, wie ich es mir gewünscht hätte. Da die Transferphase länger gedauert hat als vermutet, fehlte mir die Zeit. Aber ich bin jetzt im Austausch, um mehr Einblick zu bekommen. Wo sind unsere Talente, was wird wie gemacht? Jeder Trainer, Sportdirektor und jeder NLZ-Mitarbeiter schreibt es sich gern auf die Fahne, junge Spieler herausgebracht zu haben. Aber da muss schon vieles zusammenkommen.

Am Ende entscheidet es je­der Spieler selbst, er muss die Qualität und die Bereitschaft haben, sich durchzusetzen. Es sind viele Spieler bei 96 zu ihrem De­büt ge­kom­men, aber seit Linton Maina konnte sich keiner mehr nachhaltig durchsetzen. An Trainern hat es ja nicht gemangelt, ir­gend­ei­ner hätte es vermutlich erkannt. Lawrence Ennali werden wir nicht fallen lassen und weiter fördern. Er ist derjenige, dem wir es kurzfristig am ehesten zutrauen, auf Dauer dabeibleiben zu können.

Was haben Sie von der Jugendförderung in Hoffenheim lernen können?

Wir mussten mit der Durchlässigkeit punkten. Wir ha­ben auch analysiert, welche Spieler es geschafft ha­ben. Das müssen wir hier auch machen: Welche Spielertypen wollen wir holen: die, die aus der Region Hannover kommen? Oder die, die man aus der U17 oder U19 von irgendwo dazuholt? In Hoffenheim haben sich diejenigen durchgesetzt, die aus der Region kamen und seit der U13 im Verein waren. Oder die, die man punktuell aus dem Ausland dazugeholt hat. Maxi Beier war der Einzige, den wir relativ spät von einem anderen deutschen Klub geholt haben. Viele Vereine haben dabei auch ihre Nische gefunden.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Können Sie Talente aus Hoffenheim zu 96 lotsen?

Es ist sicher kein Nachteil, dass das mit Maxi Beier ganz gut klappt. Ich habe die U19 und die Reserve in Hoffenheim auch noch zusammengestellt. Ob das jetzt ein Mo­dell wird oder es weitere Wechsel geben könnte, muss man abwarten. Aber nicht nur auf Hoffenheim be­schränkt, sondern allgemein gilt, dass junge Spieler in Hannover den nächsten Schritt auf einem guten Ni­veau machen können.

Auch als Weg für die Mannschaft der Zukunft?

Man kann an Beier erkennen, dass jeder Mannschaft junge Spieler guttun. Fünf bis sieben sind in jedem Kader an­ge­bracht.

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Ihre Frau Nadja ist Lehrerin, mit Greta (8) und Jakob (5) lebt die Familie im tiefen Süden – familiär ist der Arbeitsplatz Hannover für Sie alles andere als optimal?

Darüber muss man sich be­wusst sein, ansonsten darf man den Job gar nicht erst anfangen. Klar würde ich meine Kinder gern öfter se­hen und in den Arm nehmen. Jakob hatte letzte Woche sein erstes Bambini-Spiel, da wäre ich gern dabei gewesen. Bei allen Privilegien gibt es aber auch Sachen, die man in Kauf nehmen muss. Es war eine bewusste Entscheidung, wir wussten, was auf uns als Familie zukommt. Ich werde darüber auch nie jammern. Ein Umzug ist vorerst auch nicht geplant. Für die Arbeit ist es manchmal sogar einfacher, wenn man abends keine familiären Verpflichtungen mehr hat.

Sie müssten dadurch mehr Zeit für Sport haben?

Ich jogge nur, entweder um den Maschsee oder noch lieber in der Eilenriede. Ich verlaufe mich da noch öfter (lacht). Ich darf da nie ohne Handy rein und muss öfter mal die Ortungsdienste einschalten. Aber ich verlaufe mich gern, denn dann laufe ich länger.