25. Oktober 2021 / 08:59 Uhr

Zimmermanns Wechelspiele ohne Erfolg: Der 96-Blick geht nach unten

Zimmermanns Wechelspiele ohne Erfolg: Der 96-Blick geht nach unten

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
 Frust in schwarz-weiß-grün: Hannover 96 rutscht in Richtung Tabellenkeller ab.
Frust in schwarz-weiß-grün: Hannover 96 rutscht in Richtung Tabellenkeller ab. © imago images/Zink
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Platz 14 nach 11 Spielen, der Kontakt zu den Abstiegsplätzen ist da: Bei Hannover 96 läuft einiges gewaltig schief. Trainer Jan Zimmermann wechselte am Sonntag viel Personal. Sechs Neue standen in der Startelf. Zum Erfolg führte sein Aufstellungs-Sudoku nicht.

Kein Schnee, kein Nebel und auch kein Wölkchen. „Bei herrlichem Wetter“ begrüßte der Stadionsprecher gestern die Zuschauer. Die Sonne schien beim dritten Anlauf von Hannover 96, in Regensburg mal was zu holen. Bei den ersten beiden Versuchen hatte nicht nur das Wetter nicht mitgespielt.

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Beim Jahn, der stolz darauf ist, den Beinamen „Die Ekligen“ zu tragen, weil sie unangenehm sein wollen, war bei 96 aber extrem viel Schatten in Hälfte eins und etwas Licht in Hälfte zwei zu beobachten. 96 lud den Jahn bei der 1:3-Niederlage vor allem in den ersten 45 Minuten zu einem Chancenfeuerwerk ein. Mit einer Mannschafts- und Defensivleistung, zu der 96-Fans nur ein ums andere Mal den Kopf schütteln konnten.

Bilder zum Spiel der 2. Bundesliga zwischen dem SSV Jahn Regensburg und Hannover 96

96-Profi Sei Muroya im Duell mit dem Regensburger Sarpreet Singh. Zur Galerie
96-Profi Sei Muroya im Duell mit dem Regensburger Sarpreet Singh. ©

Wechsel-Welle wird zum Rohrkrepierer

96-Trainer Jan Zimmermann hatte im Vergleich zum enttäuschend-harmlosen Auftritt zuletzt beim 0:1 gegen Schalke mehr als die halbe Mannschaft ausgetauscht. Das ist stets ein Indiz, dass was gewaltig schiefläuft. Aber auch keine Garantie, dass es besser wird, wie in der ersten Hälfte zu besichtigen war. „Die war nichts“, räumt der Coach ein. Es blieb vielmehr ein Rohrkrepierer, der für heilloses Durcheinander auf dem Platz sorgte.

Vielleicht wollte Zimmermann aber auch nur Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic eine Art Aufstellungs-Sudoku aufgeben. Sechs Neue, unumgänglich dabei nur der Torwarttausch – Martin Hansen ersetzte den verletzten Ron-Robert Zieler. Auch Sebastian Ernst fiel mit Magen-Darm-Infekt aus. Neu die beiden Außenverteidiger Sei Muroya und Niklas Hult. Dazu Florent Muslija, Gaël Ondoua und Mike Frantz, mit dem nun wirklich nicht zu rechnen war. Taktisch blieb es bei einer Spitze mit Lukas Hinterseer.

"Auf den ein oder anderen zu setzen war nicht gerechtfertigt"

Soweit der Plan. Die riesigen Lücken im Mittelfeld und die Zurückhaltung in der Abwehr nutzten die Regensburger dabei nicht mal konsequent aus. „Es hat nicht funktioniert, was man sich vorgenommen hatte“, gibt Zimmermann zu. „Auf den ein oder anderen zu setzen war nicht gerechtfertigt. Das war falsch.“

Beim 0:1 spielte Tom Trybull erst einen Fehlpass der Superlative, um dann im Strafraum auszurutschen. Sarpreet Singh umkurvte noch Ondoua wie eine Riesenslalomstange und traf (17.). Beim 0:2 bekam der zappelige Torwart Hansen eine Kerze von Marcel Franke nicht zu fassen. Leicht berührt von Carlo Boukhalfa, der den Ball dann über die Linie drückte (22.). Das Tor bekam den Stempel des Kölner Videokellers: geprüft und für regulär befunden.


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Ausfall Trybull früh ausgewechselt

Boukhalfa hätte von der Mittellinie fast das dritte Tor erzielt, die Kugel flog am weit vorm Strafraum stehenden Hansen und nur knapp am Tor vorbei (30.) Erik Wekesser (34.) und Haralambos Makridis (37.) scheiterten bei Großchancen am 96-Torwart.

Zur Halbzeit hätte es leicht 4:0 oder 5:0 für den Jahn heißen können. Zimmermann, der zuvor schon Maximilian Beier für den Ausfall Trybull gebracht hatte, wechselte noch dreimal: Die Sebastians Kerk und Stolze sowie Dominik Kaiser kamen für Frantz, Muslija und Maina. Dieses Aufstellungschaos wirkte schon ein bisschen ratlos. Tatsächlich wurde 96 jedoch sofort offensiv auffälliger, es wirkte gefestigter. „Da haben wir das gespielt, was wir immer spielen sollen und können“, meint der Coach.

Hinterseer verstolperte noch aus einem Meter die Chance zum Anschluss (48.), den Kerk mit einem direkt verwandelten Freistoß schaffte (54.). Kerk hätte auch noch fast eine Ecke direkt verwandelt, sie klatschte an den Pfosten (70.). Joel Zwarts besiegelte mit einem Konter in der Nachspielzeit zum 3:1 die Hoffnung auf den Ausgleich. Eine neue 96-Enttäuschung mit dem Lichtblick der zweiten Hälfte – aber ohne den großen Hoffnungsschimmer zu hinterlassen.