24. November 2020 / 15:50 Uhr

Schlappe für 96: Schlaudraff siegt auf ganzer Linie vor dem Arbeitsgericht

Schlappe für 96: Schlaudraff siegt auf ganzer Linie vor dem Arbeitsgericht

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Jan Schlaudraff verlässt mit seinem Anwalt Christoph Crisolli das Gerichtsgebäude.
Jan Schlaudraff verlässt mit seinem Anwalt Christoph Crisolli das Gerichtsgebäude. © Florian Petrow
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Nächste bittere Pleite für 96: Ex-Manager Jan Schlaudraff hatte geklagt, es ging um nicht gezahltes Gehalt und die fristlose Kündigung im Februar. Der frühere 96-Angreifer bekam auf ganzer Linie Recht, ihm stehen ihm erstmal 180 000 Euro Nachzahlungen zu – und sein Arbeitsvertrag beim Profiklub läuft sogar unbefristet weiter. 96 will das Urteil prüfen.

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Der Prozess vorm Arbeitsgericht dauerte länger als das Hin- und Rückspiel von Hannover gegen den FC Sevilla zusammengenommen – doch damals konnte 96 am Ende wenigstens jubeln. Diesmal verlor der Klub gegen den früheren Europa-League-Helden Schlaudraff, der von Sommer 2019 bis Februar 2020 Manager bei 96 war.

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Das glücklose Engagement endete am 28. Februar mit einer fristlosen Entlassung. Am Dienstag vor Gericht kam die Begründung raus: Schlaudraff soll im Gespräch mit den 96-Medienchefs den Trainer Kenan Kocak beschuldigt haben, Interna an die Öffentlichkeit durchzustecken.

Jan Schlaudraff - seine Karriere in Bildern:

Das Fußballspielen lernte Jan Schlaudraff bei seinem Heimat und Jugendverein VfB Wissen. Über die Station Hassia Bingen landete der Angreifer 2002 bei Bundesligist Borussia Mönchengladbach. Bei den Fohlen konnte sich der damals 18-Jährige allerdings nicht wirklich durchsetzen - für die Profis machte Schlaudraff in knapp drei Jahren nur elf Spiele, eine direkte Torbeteiligung gelang ihm dabei nicht.  Zur Galerie
Das Fußballspielen lernte Jan Schlaudraff bei seinem Heimat und Jugendverein VfB Wissen. Über die Station Hassia Bingen landete der Angreifer 2002 bei Bundesligist Borussia Mönchengladbach. Bei den Fohlen konnte sich der damals 18-Jährige allerdings nicht wirklich durchsetzen - für die Profis machte Schlaudraff in knapp drei Jahren nur elf Spiele, eine direkte Torbeteiligung gelang ihm dabei nicht.  ©

Aufpassen, auch auf Kocak

Schlaudraff bestätigte vor Gericht, dass es ein Gespräch gegeben habe – bestritt aber ausdrücklich eine Diffamierung. Spieler und Mitarbeiter seien auch nach der Freistellung noch auf ihn zugekommen, hätten es als „Wahnsinn“ bezeichnet, „dass immer alles in der Presse steht“.

Im Gespräch mit den beiden Mitarbeitern der Presseabteilung sei er „enttäuscht gewesen und sauer“ gewesen über Anschuldigungen, dass die Interna über ihn nach außen gelangt seien. „Dass das nicht stimmt, wissen die beiden. Ich habe nur gesagt, dass sie mal ein bisschen aufpassen sollen“ – auch auf Kocak. Daraus machte 96 eine fristlose Kündigung.

Das reichte dem Gericht bei Weitem nicht als Grund aus. Da mussten nicht mal die als Zeugen geladenen 96-Mitarbeiter aussagen.

Schlaudraffs Vertrag gilt bis zur Rente

Damit war die Kündigung vom Tisch – außerdem ist der Schlaudraff-Vertrag unbefristet gültig. Das Arbeitsgericht Hannover hatte bereits im Fall des Jetzt-wieder-Managers Gerhard Zuber klargemacht, dass es Befristungen, die bei Spielern und Trainern gängig sind, bei Sportdirektoren für nicht rechtsgültig hält. Heißt: Der 96-Vertrag von Schlaudraff gilt bis zur Rente.

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Theoretisch jedenfalls. Denn beide Seiten dürften daran interessiert sein, den Vertrag aufzulösen. Vor allem 96, denn das Managergehalt von Schlaudraff liegt bei 25 000 Euro im Monat. Die bekommt er, auch wenn er freigestellt ist. Einen anderslautender Absatz im 96-Vertrag, nach dem Schlaudraff in diesem Fall nur 50 Prozent der Zuwendungen bekommen sollte, kippte das Gericht.

Jetzt geht es um die Höhe der Abfindung

Und dass da nicht alles richtig lief bei 96, machte der Vorsitzende Richter Thomas Bödecker ebenfalls deutlich. Bei 96-Boss Martin Kind dürfte demnächst also das Telefon klingeln. Am anderen Ende: Schlaudraff oder sein Anwalt. Das Thema: neue Abfindungsverhandlungen.

Zu sofort stehen Schlaudraff außerdem schon mal 180 000 Euro an Nachzahlung zu, die 96 seit der Kündigung einbehalten hatte. Es geht um das nicht gezahlte Gehalt ab März und einen Ausgleich, weil Schlaudraff seinen Dienstwagen hatte zurückgeben müssen.

Für 96 dürfte es jetzt teuer werden

Kurios: Nach mehreren Stunden Verhandlung hatte 96 zwischenzeitig einen früheren Vorschlag des Gerichts wieder aufgenommen, Schlaudraff mit 660 000 Euro abzufinden. Vor einigen Monaten hatte 96 diesen Vergleich noch abgelehnt, da war’s dem Klub noch zu nah dran an der vollständigen Auszahlung. 

Am Dienstag lehnte Schlaudraff das vorgelegte Angebot ab, als klar war, dass er sich auf der Siegerstraße befand. Für 96 dürfte es in Summe jetzt noch teurer werden.