20. November 2020 / 15:52 Uhr

96-Kapitän Kaiser im Interview: "Bin überzeugt, dass wir noch viele Punkte holen"

96-Kapitän Kaiser im Interview: "Bin überzeugt, dass wir noch viele Punkte holen"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ist seit dieser Saison 96-Kapitän: Dominik Kaiser.
Ist seit dieser Saison 96-Kapitän: Dominik Kaiser. © imago images / Schreyer
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Am Sonntag (13.30 Uhr) will Hannover 96 bei den Würzburger Kickers den Auswärtsfluch brechen. Wir haben uns vorab mit Kapitän Dominik Kaiser unterhalten und über das schwache Spiel in Fürth, die Kommunikation auf dem Platz, den Umgang mit Marvin Ducksch und seinen ehemaligen Förderer Ralf Rangnick gesprochen. 

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Dominik Kaiser, Sie haben im Pokal in Würzburg getroffen – treffen Sie jetzt wieder und brechen den Auswärtsfluch? Wäre das was?

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Ich könnte damit leben, wenn ich wieder treffe und wir vor allem das Spiel gewinnen. Ob ich das Tor mache, ist jetzt nicht so wichtig, aber das wäre eine gute Nachricht.

Haben Sie das deutsche 0:6 in Spanien gesehen?

Bis auf die ersten Minuten komplett, ja.

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Dominik Kaiser (seit 2020) Zur Galerie
Dominik Kaiser (seit 2020) ©

Sehen Sie Parallelen zu Ihrem 1:4 in Fürth?

(lacht) Schwierig, die Spiele zu vergleichen. Aber ja, es gibt Parallelen in beiden Spielen. Deutschland und auch wir hatten keinen Zugriff. Spanien und Fürth sind als Mannschaft extrem gut gegen den Ball angelaufen und haben mit Ball Qualität gezeigt. Da kommst du als Mannschaft in einen Kreislauf, wenn du nicht dagegenhältst. Dann kommt dann vieles zusammen, und dann kann man in so einem Spiel auch untergehen.

Eine weitere Parallele: Die eigene Mannschaft ist leise, der Gegner kommuniziert. Ist Ihre Stimme nur zu leise, oder spricht bei 96 wirklich fast nur Torwart Michael Esser?

Die Frage ist, ob wir im Braunschweig-Spiel (4:1 für 96) weniger geredet haben? Das wage ich zu bezweifeln. Trotzdem muss es ein Thema sein. Und ich sehe mich als Kapitän in der Verantwortung, dass wir laut sind und einander pushen. In Fürth hatten wir nicht das Level, das wir gebraucht hätten. Das muss man ansprechen, haben wir auch. Wir brauchen Spieler, die Kommandos geben. Ich werde nicht der Typ sein, der 90 Minuten alles durchdiskutiert.

Sie sind jetzt nicht die Quasselstrippe auf dem Platz, oder?

Das ist die Frage, ob wir das brauchen. Ich denke, was wir brauchen, sind klare Kommandos. Wir brauchen Kommunikation nach guten und nach schlechten Aktionen. Das war in Fürth sicher zu wenig. Das müssen wir besser machen. Und ich stehe da sicher als Kapitän und zentraler Spieler in der Verantwortung, ganz klar.

0:0 gegen Aue, Marvin Ducksch vergibt fünf große Chancen. Was machen Sie als Kapitän nachher mit ihm?

Normal ist er ja ein extrem positiver Typ, aber nach dem 0:0 war er schon wirklich niedergeschlagen. Ich kann ihm nichts ankreiden, er hat Gas gegeben, er wirft gegen den Ball viel Energie rein. Ich hab ihm gesagt, dass er ein ganz wichtiger Spieler für uns ist und auch weiterhin sein wird. Es gab nur positive Worte.

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So viele Aufstiege wie Sie mit Leipzig hat in der Mannschaft keiner. Sie wissen, wie Aufstieg geht?

Ich versuche, ein paar Dinge einzupflanzen in die Truppe. Auch wegen der Erfahrungen, die ich mit Leipzig gemacht habe – gerade in der 2. Liga.

Welche Erfahrungen?

Es gibt immer wieder Rückschläge. Da musst du positiv bleiben, als Mannschaft stabil bleiben und dran glauben. Um unsere Ziele zu erreichen, müssen jetzt die Ergebnisse kommen. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir noch viele Punkte holen.

Was macht der Kapitän privat? Sie haben von einpflanzen gesprochen. Arbeiten Sie im Garten?

Im Garten etwas zu einzupflanzen ist schwierig, weil wir keinen Garten haben. Ich pflanze auf der Terrasse mal ein oder zwei Töpfe um. In den letzten zwei Wochen habe ich da zumindest mitgeholfen, um die Pflanzen winterfest zu machen. Das ist aber jetzt nicht mein Steckenpferd.

Sondern?

Unsere Tochter ist jetzt 13 Monate, die Familie ist sehr wichtig. Ich habe früher schon viel Tennis gespielt. Ich schlage schon ein paar Bälle, ohne es am freien Tag zu intensiv werden zu lassen. Ich spiele, um den Kopf freizubekommen.

Mit Athletiktrainer Timo Rosenberg, haben wir gehört. Er gewinnt?

Nein. Ich will nicht zu forsch rüberkommen, aber wenn ich schon gefragt werde: Ich gewinne.

Waren Sie in der Schule Klassensprecher?

Ich habe es mir nicht wirklich ausgesucht. Man hat mich in der Oberstufe als Schülersprecher gewählt. Ich habe es dann gemacht, wenn man mich schon wählt.

Weil Sie ein zuverlässiger Typ sind?

Das wird schon stimmen. Das Wort passt ganz gut. Ich versuche schon, zuverlässig und diszipliniert zu sein.

Haben Sie Ihrem Förderer Ralf Rangnick geraten, Bundestrainer zu werden?

Das Spanien-Spiel war ja erst vor ein paar Tagen, das haben wir nicht diskutiert. Wir tauschen schon ein paar Nachrichten aus.

96 hat mit Rangnick die 2. Liga zusammengeschossen. Was steht für Sie jetzt auf der Agenda?

Gerade bis Weihnachten stehen viele wichtige und interessante Spiele an. Wir wollen oben dabei sein. Wir haben Rückstand auf den HSV, das stimmt. Aber die Liga ist extrem eng. Es muss unser Ziel sein, oben dran zu bleiben. Unser primäres Ziel muss die Stabilität in der Leistung sein, um die Punkte dafür zu holen.

Wir sprechen gerade über Fußball, als gäbe es die Corona-Pandemie nicht. Wie sehen Sie das, mit Fußball im Fokus zu stehen, wenn alles andere ruhen muss?

Wir haben ein riesengroßes Privileg. Aber es ist traurig, ins Stadion zu laufen, und keine Zuschauer sind da. Wir hoffen, dass bald wieder Fans dabei sind, die den Sport noch besonderer machen, als er schon ist.

Es kann sein, dass 96 aufsteigt – und niemand feiert mit. Welches Erlebnis vermissen Sie?

Mich bewegt das. Wenn ich an mein erstes Bundesligaspiel denke, an den Aufstieg, an das erste Champions-League-Spiel mit 50 000 im Stadion. Solche Gefühle wird man aktuell nicht bekommen. Das nimmt man als Spieler wahr. Ich bekomme das auch durch die Youngster mit, die gerade bei uns mittrainieren. Deren Mitspieler dürfen zurzeit gar keinen Fußball spielen. Das ist schon sehr hart. Das erinnert mich dann an meine Kindheit, an meine Jugend: Nicht auf den Sportplatz zu dürfen, das ist brutal. Andere Sportarten trifft es da noch viel härter. Wir müssen da jetzt durch und können nur hoffen, dass sich das bald ändert, alle ihrem Sport nachgehen können und wir wieder mit Fans spielen.