28. Mai 2020 / 07:26 Uhr

"An die eigene Nase fassen": 96-Anführer Edgar Prib ist trotz Treffer unzufrieden

"An die eigene Nase fassen": 96-Anführer Edgar Prib ist trotz Treffer unzufrieden

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Treffer von Edgar Prib war am Ende nur einen Zähler wert.
Der Treffer von Edgar Prib war am Ende nur einen Zähler wert. © Friedemann Vogel/EPA
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Für viele wahrscheinlich überraschend stand Edgar Prib in der Startelf von Hannover 96 gegen den Karlsruher SC. Als Kapitän führte er die Mannschaft auf den Platz - und brachte sie in Führung. Am Ende reichte es nur zu einem Zähler. Vor leeren Rängen zu spielen, "das war ein absolut komisches Gefühl".

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Er trifft offenbar besonders gern gegen die süddeutschen Mannschaften. Nach seinem Tor gegen Stuttgart kurz vor Weihnachten erzielte Edgar Prib am Mittwoch das 1:0 für Hannover 96 gegen den Karlsruher SC. „Ich freue mich über mein Tor, aber ich hätte ich umso mehr gefreut, wenn wir die Punkte hierbehalten hätten.“

Keine Lobeshymne von Kocak

Prib durfte seine Kollegen als Kapitän anführen – und wurde der Rolle auch gerecht. „Der Treffer war schön trocken“, lobte Kenan Kocak. Der 96-Trainer stimmte dann aber nicht gerade eine Lobeshymne auf Prib an. „Die Leistung war auch okay. Aber es war das erste Spiel von Anfang an, deshalb sollte man mit Einschätzungen vorsichtig sein.“

In Osnabrück war Prib nur eingewechselt worden. Diesmal stellte ihn der Trainer von Beginn an links in die Mittlfeldraute. „Karlsruhe hat es uns schwer gemacht mit ihrer Art und Weise, Fußball zu spielen“, erklärte Prib nachher das 1:1. „Trotzdem müssen wir uns an die eigene Nase fassen, das Spiel analysieren und versuchen daraus zu lernen.“

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So etwas klingt immer gut. Vor allem nach dem Karlsruher Ausgleich schwamm die 96-Mannschaft beängstigend. „Das 1:1 hat einen Knacks gegeben“, erkannte Kocak. Aufbauhilfe des eigenen Publikums blieb in der kleinen Krise natürlich aus. „Ohne Fans und ohne Torjubel macht das Ganze auch nicht so viel Spaß“ für Prib. Er hätte seinen Treffer offensichtlich gern ausgiebiger mit den Mitspielern gefeiert.

Die Geisterspiel-Atmosphäre hat sich im heimischen Stadion noch mal anders angefühlt für Prib. „Auswärts war es schon komisch in Osnabrück, aber in der HDI-Arena ohne Zuschauer zu spielen, das war ein absolut komisches Gefühl.“ Daran werden sich die 96-Profis gewöhnen müssen bis zum Saisonende – wie wohl auch an häufigere Personalwechsel. Der 30-Jährige gehört auf die Saison gesehen zum erweiterten Stamm. Prib kommt auf 20 Einsätze, wenn auch unter Kocak vor allem als Ein- und Auswechselspieler.

Die Bilder zum Spiel von Hannover 96 gegen den Karlsruher SC

Mit gestrecktem Bein! Edgar Prib turnt Schiedsrichter Thorben Siewer seine Sicht eines Zweikampfes vor. Zur Galerie
Mit gestrecktem Bein! Edgar Prib turnt Schiedsrichter Thorben Siewer seine Sicht eines Zweikampfes vor. ©

Als Anführer spielt er jedoch eine wichtige Rolle in der Kabine – im Unterschied zum eigentlichen Kapitän auch noch auf dem Platz. Marvin Bakalorz fristet ein Schattendasein. In Osnabrück kam er in der 90. Minute auf den Platz, am Mittwoch blieb er auf der Bank.

Nicht sehr wahrscheinlich, dass sich das am Samstag ändert, obwohl es laut Kocak „Schlag auf Schlag geht“. Timo Hübers spricht wohl für seine Mitspieler, wenn er sagt, „aktuell ist es ein ungewohnter Spielrhythmus. Donnerstag regenerieren wir, und am Freitag fahren wir den langen Weg nach Sandhausen.“ Und am Samstagabend den langen Weg zurück. Fragt sich noch, ob sie sich dann wieder an die eigene Nase fassen müssen – oder feiern können.