07. November 2019 / 14:43 Uhr

96-Kapitän Bakalorz im Interview: "Es war eine schwierige Zeit für mich"

96-Kapitän Bakalorz im Interview: "Es war eine schwierige Zeit für mich"

Tobias Manzke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Marvin Bakalorz: Wir stehen am Ende auf dem Platz.
Marvin Bakalorz: "Wir stehen am Ende auf dem Platz." © imago images / DeFodi / Huebner
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Im Gespräch mit dem SPORTBUZZER spricht der Mittelfeldkämpfer über seine letzten Monate bei Hannover 96: Seine Gefühle, als Kapitän nur auf der Bank zu sitzen, Ex-Trainer Mirko Slomka und warum die Mannschaft so weit hinter den eigenen Ansprüchen hinterherläuft.

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Herr Bakalorz, 96 ist nach zwölf Spieltagen auf Platz 13 in der 2. Liga, aus sechs Heimspielen gab es keinen Sieg, der Trainer wurde entlassen. Wie fühlt man sich aktuell als 96-Profi?

Schlecht. Die Saison sieht leider so aus, wie beschrieben. Und da ist es dann auch immer schade, wenn jemand seinen Job verliert. Das wünscht man keinem. Es geht jetzt aber darum, wieder anzugreifen.

Wie groß ist der Anteil der Spieler an dem Rauswurf? Mit Leistung konnte die Mannschaft ja nicht gerade überzeugen und Argumente für den Trainer liefern…

Wir stehen am Ende auf dem Platz. Ich denke schon, dass die Jungs vieles versucht haben, um Erfolg zu haben. Aber es sollte dann oftmals nicht sein. Wir haben oft Gegentore nach eigener Führung bekommen. Darin sieht man, dass wir mental noch nicht so gefestigt sind. Das muss sich schnell ändern. Die Mannschaft hat Qualität und den Willen. Das sehe ich jeden Tag im Training, und dann war es für mich auch manchmal ein Wunder, wie es in den Spielen am Wochenende abgelaufen ist.

Sie sind der Kapitän der Mannschaft. Wie war das Verhältnis des Teams zu Slomka?

Er ist ein sympathischer Mensch, das hat man auch in den Einzelgesprächen gemerkt. Ich bin weit davon ab zu sagen, dass das Verhältnis schlecht war. Das war nicht so. Aber die Erfolge haben gefehlt, das ist Fakt. Und so ist dann leider der Fußball.

Asif Saric und Lars Barlemann sollen Stand jetzt für Heidenheim übernehmen. Trauen Sie den beiden das zu?

Die können das auf jeden Fall, haben ein Super-Standing in der Mannschaft. Asif kenne ich seit sechs Jahren. Ich halte sehr viel von ihm, menschlich wie auch fachlich. Mit Lars arbeite ich jetzt auch schon seit drei Jahren zusammen, seit ich hier bin. Er hat auch richtig Ahnung von Fußball. Die beiden machen das bisher richtig gut in der schwierigen Situation.

Marvin Bakalorz: Bilder seiner Karriere

Von Preußen Münster wechselte Marvin Bakalorz 2010 in die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. Insgesamt drei Jahre blieb er im Ruhrgebiet. Zur Galerie
Von Preußen Münster wechselte Marvin Bakalorz 2010 in die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. Insgesamt drei Jahre blieb er im Ruhrgebiet. ©
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"Viele Stärken, die einer Mannschaft helfen"

Sie sind als Stammspieler in die Saison gestartet, dann kam eine schwache Halbzeit gegen Fürth – und offenbar ein Leistungseinbruch. Was ist los bei Ihnen?

Ich muss korrigieren: Es war keine schwache Halbzeit, sondern eine ganz schlechte. Anschließend war es eine sehr schwierige Zeit für mich, weil ich das aus den letzten drei Jahren nicht kannte. Ich habe ja fast immer gespielt. Aber meine Leistung gegen Fürth war wirklich schlecht. Da hat man auch allen Grund an meiner Person zu zweifeln. Aber ich gucke jetzt nicht zurück, sondern wie es weiter geht.

Als Kapitän einer Mannschaft auf dem Platz nicht helfen zu können – wie fühlt sich das an?

Ich hatte auch wirklich schwierige Tage, an denen ich dachte: Mir fällt alles auf den Kopf. Aber man muss sich klarmachen, dass es nur Fußball ist und es viel Schlimmeres im Leben gibt. Ein Kapitän muss auch in Situationen vorangehen und klar denken, in denen es für ihn persönlich nicht so gut läuft. Aber das ist sehr schwer, das muss ich sagen. Das ist schon eine Hausnummer. Man könnte ja auch denken, dass dann vielleicht das Ansehen in der Mannschaft für den Kapitän nicht mehr da ist. Aber das war zu keinem Zeitpunkt so. Darüber habe ich manchmal nachgedacht, aber so war es nie.

Vor dem Heimspiel gegen Sandhausen sagte Slomka zu der Entscheidung für Aogo: Dennis ist eher ein strategischer Spieler, weil wir heute mit viel Ballbesitz rechnen haben wir uns für ihn entscheiden. Heißt: Sie können mit dem Ball nicht umgehen und Strategie ist nicht Ihre Stärke. Tut das weh?

Das sind genau die Denkweisen, die nicht in meinen Kopf landen sollen und werden. Es wurde ja in den letzten Monaten viel über mich geschrieben und wenn ich alles so nah an mich rankommen lassen würde, wie würde ich dann hier rumlaufen? Ich habe, so denke ich, schon viele Stärken, die einer Mannschaft helfen. Und an die glaube ich. Wenn andere Leute das anders sehen, dann ist das so. Aber ich hatte auch ein paar erfolgreiche Jahre hier in Hannover. Und das bitte ich auch, anzuerkennen. Auch von den Zeitungen.

Wie meinen Sie das?

Du kannst dir gefühlt mit einem schlechten Spiel dreißig gute Spiele kaputtmachen. Die Leute denken dann nur noch an diese Halbzeit, und auch die Medienberichterstattung fokussiert sich dann darauf und blendet vieles davor aus. Aber ich sehe das wieder als Aufgabe für mich, es allen zu beweisen. Ich bin nicht der Dribbler, der an fünf Leuten vorbeigeht. Aber ich versuche etwas auszustrahlen und der Mannschaft zu helfen. Es gibt Leute, die darauf stehen, und Leute, die nicht darauf stehen.

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"Wir haben uns noch lange nicht gefunden"

Haben Sie es eigentlich persönlich schon bereut, einen Dreijahresvertrag in Hannover unterschrieben zu haben?

Nein. Wir fühlen uns immer noch total wohl hier. Das ist eine schwierige Situation, klar. Aber da muss ich jetzt wieder rauskommen, dann wird die kommende Zeit umso schöner.

Gab es den Gedanken, die Kapitänsbinde abzugeben?

Nein. Warum? Nur weil mal Gegenwind kommt, kann ich ja nicht sofort alles über den Haufen schmeißen. Das war nie ein Thema bei mir.

Warum läuft das Team soweit den Ansprüchen hinterher?

Es sind viele neue Spieler da, eine Mannschaft muss sich immer erst finden. Wir haben uns noch lange nicht zu hundert Prozent gefunden. Und das sieht man auch. Aber das ist auch nicht schlimm. Das ist unsere Aufgabe als Mannschaft und meine als Kapitän, dass wir endlich dahinkommen. Wenn man das Training sieht, dann ist da richtig Qualität. Wir müssen es aber auf den Platz bringen.

Würde der Verein nicht gut daran tun, die Zielsetzung in dieser Saison zu korrigieren anstatt immer wieder von der oberen Tabellenhälfte zu sprechen?

Das ist kein Thema in der Kabine. Und solange das der Fall ist, kann gesagt werden, was will. Der Verein kann Ziele ausgeben. Aber daran darf man nicht die ganze Zeit denken. Natürlich wollen wir oben mitspielen, das ist doch klar, das will doch jede Mannschaft, jeder Spieler. Dafür müssen wir aber auch langsam mal etwas Konstanz hinkriegen.

Das sagt 96-Abräumer Marvin Bakalorz über ...

<b>... das 96-Paket:</b> Ich weiß, was ich hier habe. Ich mag die Stadt, ich mag die Fans, und ich habe noch einiges vor mit dem Verein. Es war keine Suche danach, was das Beste ist. Ich bin in einem gewissen Alter und habe das noch nie zuvor gemacht, dass ich mal ein bisschen abgewartet und geschaut habe, was noch so da ist. Aber im Endeffekt habe ich mich voll und ganz für Hannover entschieden. Zur Galerie
... das 96-Paket: Ich weiß, was ich hier habe. Ich mag die Stadt, ich mag die Fans, und ich habe noch einiges vor mit dem Verein. Es war keine Suche danach, was das Beste ist. Ich bin in einem gewissen Alter und habe das noch nie zuvor gemacht, dass ich mal ein bisschen abgewartet und geschaut habe, was noch so da ist. Aber im Endeffekt habe ich mich voll und ganz für Hannover entschieden. ©
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