29. November 2018 / 13:51 Uhr

Hannover 96-Kapitän Waldemar Anton im Interview: "Ich will da wieder rauskommen!"

Hannover 96-Kapitän Waldemar Anton im Interview: "Ich will da wieder rauskommen!"

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Kapitän Waldemar Anton will bei Hannover 96 noch mehr Verantwortung übernehmen.
96-Kapitän Waldemar Anton will bei Hannover 96 noch mehr Verantwortung übernehmen. © imago/Eibner
Anzeige

Waldemar Anton ist der jüngste Kapitän der Bundesliga. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 22-jährige Verteidiger von Hannover 96 über Verantwortung auf und neben dem Platz, Druck im Abstiegskampf, Neuzugänge und die Stimmung in der Kabine der "Roten".

Wie sehr tut das 1:4 in Gladbach noch weh?

Anzeige

Das frustriert sehr, wenn man so viel investiert. Wir sind super in das Spiel reingekommen, besser geht’s nicht. Dann kommt das 1:1, das 1:2 darf nicht fallen. Es sind kleine Fehler: Nicht abgekippt, vielleicht einen Tick zu früh rausgegangen… Wir müssen diese Fehler abstellen! Jetzt ist der Fokus auf Berlin.

Warum läuft es nicht bei 96?

Wie gesagt: Wir machen momentan einfach viele kleine Fehler, die von Topmannschaften wie Gladbach eiskalt bestraft wurden. Das ist der Grund, warum wir solche Spiele verlieren. Es passieren Fehler, die nicht passieren dürfen. Die gilt es abzustellen, noch mehr zu fokussieren, noch mehr zu konzentrieren – jeder in der Mannschaft, auch ich.

"Klar bin ich jetzt noch mehr gefragt"

Was können und müssen Sie als Kapitän noch besser machen?

Ich muss vorangehen, was ich ohnehin schon mache. Vielleicht noch ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen, auf und neben dem Platz. Klar bin ich jetzt noch mehr gefragt, aber wir müssen alle Verantwortung übernehmen. Damit wir wieder dahinkommen, wo wir uns wohlfühlen.


Die kleinen Fehler sind nichts Neues. Warum hat es bisher nicht geklappt, die abzustellen?

Es waren ja nicht immer die gleichen Fehler, die wir gemacht haben. Wir müssen die Fehler analysieren und noch konzentrierter in die Spiele gehen. Und dann muss jeder für sich selbst noch mehr Leistung bringen, als er das momentan vielleicht bringt.

Martin Kind sagte zuletzt, es brauche drei Siege aus den fünf Spielen bis Weihnachten - unnötiger Druck oder gute Motivation?

Ne, zusätzlicher Druck ist das nicht. Wenn das ginge, würde ich das mit den neun Punkten sofort unterschreiben. Und wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass wir mit Druck sehr gut umgehen können. In unserer Mannschaft schauen wir ohnehin von Spiel zu Spiel – also jetzt auf Berlin.

Weniger als eine Minute ab Anstoß: Das sind die schnellsten Torschützen im Dress von Hannover 96

<b>Ferdinand Keller</b> brauchte 1972 gegen Werder Bremen <b>40 Sekunden</b>. Zur Galerie
Ferdinand Keller brauchte 1972 gegen Werder Bremen 40 Sekunden. ©

Thema Druck: Spüren Sie die Binde als Bürde?

Eine Belastung ist das auf gar keinen Fall. Ich habe das Kapitänsamt angenommen, weil es mich stolz macht. Ich war damals bereit voranzugehen und bin es nach wie vor. Klar, am Anfang lief es sportlich für uns alle gut, dann kam ein bisschen die Krise. Das ist nicht immer schön. Aber ich bin nicht der Typ, der jetzt sagt: Ich will das jetzt nicht mehr sein. Ne – ich will da wieder rauskommen, das wieder schaffen.

Sie sind der jüngste Kapitän der Liga. Hilft das in der Kommunikation oder hindert es?

Es ist ein Vorteil, gerade auch in der Kommunikation mit den jungen Spielern. Da kann ich den älteren Spielern ein bisschen helfen, die wissen ja auch nicht immer, wie die jungen ticken. Ich bin ja selbst noch jung. Da weiß ich, wie man die ansprechen kann. Ob man den jetzt anschreien sollte oder ruhiger sprechen auf dem Platz.

Anzeige

"Bei mir ist es zum Beispiel besser, wenn mich jemand anschreit"

Und, sollte man junge Spieler anschreien?

Man muss einfach die richtigen Worte finden. Der eine mag es mehr, wenn es mal ein bisschen lauter wird, bei anderen lieber im ruhigen Ton. Bei mir ist es zum Beispiel besser, wenn mich jemand anschreit.

Werden Sie in der Kabine auch mal laut?

Wenn es ein Thema gibt, das ich ansprechen muss, dann sage ich das schon. Manchmal auch etwas lauter, aber ich schreie jetzt nicht rum. Wenn mir was auffällt, sage ich das natürlich.

Mehr zu Hannover 96

Was können Sie außerhalb des Platzes noch tun, damit es wieder läuft?

Ich weise die Jungs darauf hin, dass sie nach vorn schauen sollen und dass der Fokus auf den nächsten Spielen liegt. Wir müssen weiter arbeiten, müssen noch mehr tun als jetzt schon. Ich möchte da vorangehen, mache zusätzlich was, möchte jemand sein, an dem man sich orientieren kann. Ansonsten werde ich immer viel mit den Jungs reden, wenn es mal nicht so lief. Einfach sagen, was jemand besser machen kann, was uns als Mannschaft hilft.

Oder mal einen Teamabend, an dem Tacheles geredet wird? Das half einst ja zum Beispiel Leicester City.

Das ist immer gut, mal mit der ganzen Mannschaft essen gehen. Aber das brauchen wir jetzt nicht unbedingt, weil wir auch so eine gute Einheit sind.

Wie angespannt ist die Lage in der Kabine?

Klar ist es ein bisschen angespannter als sonst. Aber wir sind nach wie vor locker drauf, die Stimmung ist gut. Wir als Mannschaft machen uns da wenig Druck. Wir hatten schon häufig Druck und sind da immer rausgekommen. Da hilft es nicht, sich zurückzuziehen. Wir müssen da als Einheit rauskommen.

Hat sich der Trainer in der schwierigen Situation verändert?

Er ist nach wie vor genau gleich, gibt uns immer einen guten Plan auf den Weg. Wenn wir den immer zu 100 Prozent umsetzen, sehen wir in den Spielen immer gut aus.

Die Zeit von Waldemar Anton bei Hannover 96 in Bildern

Waldemar Anton ist ein Hannover-Junge mit Wurzeln in Usbekistan und im Stadtteil Mühlenberg. Sein Vater war Leistungsschwimmer, er selbst ist ein Mathe-Ass mit Abitur. Aber „Waldi“ durfte sich schon länger ausrechnen, dass es was wird mit seiner Profi-Karriere. Vom Mühlenberger SV kam er 2008 in die 96-Jugend. In der Saison 2013/2014 erreichte Anton mit der A-Jugend das Endpsiel um die deutsche Meisterschaft. Zur Galerie
Waldemar Anton ist ein Hannover-Junge mit Wurzeln in Usbekistan und im Stadtteil Mühlenberg. Sein Vater war Leistungsschwimmer, er selbst ist ein Mathe-Ass mit Abitur. Aber „Waldi“ durfte sich schon länger ausrechnen, dass es was wird mit seiner Profi-Karriere. Vom Mühlenberger SV kam er 2008 in die 96-Jugend. In der Saison 2013/2014 erreichte Anton mit der A-Jugend das Endpsiel um die deutsche Meisterschaft. ©

Wo holen Sie sich gerade am meisten Rat?

Bei meiner Familie, ganz besonders von meinen Eltern. Die sind immer sehr positiv, versuchen mich zu beruhigen, dass das irgendwann alles wieder laufen wird. Meine Eltern sind mir da sehr wichtig.

Blick nach vorn: Wie wichtig ist das Hertha-Spiel?

Es ist wichtig, na klar, aber kein Entscheidungsspiel. Es sind noch 22 Spiele, aber natürlich wollen wir jedes gewinnen. Wir gehen fokussiert rein, wollen mit einem positiven Ende aus dem Spiel kommen.

… trotz der vielen Verletzten.

Das ist schade und schwierig, wenn viele Spieler ausfallen. Aber wir haben trotzdem sehr gute Spieler, die die Qualität haben.

50+1-Streit, Fanproteste und drohende DFL-Strafe: Die Hintergründe in der Chronologie

50+1-Streit, Mitgliederversammlungen und Fanproteste: Eine Chronologie der Ereignisse. Zur Galerie
50+1-Streit, Mitgliederversammlungen und Fanproteste: Eine Chronologie der Ereignisse. ©

Hat 96 auch die nötige Qualität für den Klassenerhalt?

Ja. Aber wir müssen immer als Mannschaft geschlossen und konzentriert auftreten.

Braucht es trotzdem Einkäufe im Winter?

Ob es Neuzugänge braucht, kann ich nicht sagen, das ist nicht meine Aufgabe und nicht meine Entscheidung. Aber wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt und nehmen jeden herzlich auf.

Beeinträchtigt Sie die Diskussion über einen möglichen Lizenzentzug?

Über sowas machen wir uns überhaupt gar keine Gedanken. Wir sind hier, um Fußball zu spielen, um erfolgreich zu sein als Mannschaft.