09. Januar 2020 / 07:31 Uhr

Kein Platz frei und nicht fit: Dennis Aogo vor dem Aus bei Hannover 96

Kein Platz frei und nicht fit: Dennis Aogo vor dem Aus bei Hannover 96

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Frustriert: Dennis Aogo.
Frustriert: Dennis Aogo. © imago images/Sven Simon
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So hoch eingeflogen und so tief gelandet – Dennis Aogo ist das größte von allen Transfer-Missverständnissen der Saison. Der Ex-Nationalspieler steht nun sogar vor dem endgültigen Aus bei Hannover 96. Trennt sich der Verein schon wieder von ihm? Drei neue Spieler werden indes gesucht.

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Der damalige 96-Trainer Mirko Slomka schwärmte nach Aogos Verpflichtung Anfang September, der Profi werde „in Bezug auf Stabilität und Spielkontrolle definitiv guttun und der gesamten Mannschaft bei ihren weiteren Entwicklungsschritten helfen“. Davon ist nichts eingetreten.

Vor Weihnachten hatte Aogo zu­letzt angekündigt, im neuen Jahr voll angreifen zu wollen. Aber auch das war nur eine Fehleinschätzung. Wegen der seit Monaten anhaltenden Achillessehnenprobleme schickte 96 den 32-Jährigen jetzt in die Reha nach München.

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Bilder zum 96-Training vom 8. Januar ©

Kocak verzichtet auf Aogo

„Dennis trainiert erst wieder mit, wenn er schmerzfrei ist. Sonst bringt es nichts, ihm nicht und uns auch nicht“, stellt Kenan Kocak klar. „Auf unbestimmte Zeit“ verzichtet der 96-Trainer auf Aogo – man könnte auch vermuten: für immer. Unwahrscheinlich, dass er noch mal für 96 spielt. Deutlich wahrscheinlicher ist dagegen, dass 96 versucht, sich von ihm vorzeitig zu trennen. Aogos Vertrag gilt sowieso nur bis zum Saisonende. Bis dahin wird er sich kaum mehr die nötige Fitness erarbeiten können.

Kocak hatte bereits Anfang Dezember die doppelten Aogo-Probleme beschrieben. „Es ist menschlich nicht so einfach“, zeigte sich der Trainer verständnisvoll, „er hat zwei Punkte, an denen er arbeiten muss. Er ist nicht gesund und fitnesstechnisch nicht bei 100 Prozent.“

Nicht fit: Die Zeit läuft gegen Aogo

Solange die Achillessehne schmerzt, kann er nicht mittrainieren – und seine Defizite aufholen. Die Zeit läuft längst gegen Aogo bei 96. Und seit Slomka entlassen wurde, hat er auch keinen Fürsprecher mehr. Der Ex-Trainer wollte Aogo als einzigen defensiven Mittelfeldspieler (Sechser) vor der Abwehr einbauen. Er entpuppte sich aber als harmloser Altherrenspieler mit Querpass-Attitüde. Kocak setzt dagegen auf der Position auf aggressive Spieler wie Waldemar Anton oder den bei Slomka aussortierten Marvin Bakalorz.

Wenn überhaupt, dann sieht Kocak Aogo als Linksverteidiger – da wäre er aber nur die Nummer vier hinter Miiko Albornoz, Jannes Horn und Matthias Ostrzolek. Und Edgar Prib könnte da als Fünfter auch noch spielen.

Beendet 96 das Missverständnis?

Das heißt zusammengefasst: We­der hat Kocak einen Spielplatz für Aogo, noch wird der Spieler fit genug werden, um die hohen konditionellen Ansprüche des Trainers zu erfüllen. Konsequent wäre, das Missverständnis sofort zu beenden.

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Verteidiger, Achter und Stürmer gesucht

Besonders teuer käme 96 der Abschied nicht, die Abfindung dürfte nicht allzu hoch ausfallen. Aogo wird bei niedrigem Grundgehalt vor allem über seine Einsätze entlohnt – bisher waren es nur vier. Schwerwiegender als der sportliche Verlust für 96 wäre wohl, wenn die Instagram-Follower seiner umtriebigen Frau Ina auf Fotos und Videos aus Hannover verzichten müssten.

Auf vollmundige Versprechungen Aogos, nach der Reha werde er „zu 100 Prozent belastbar sein und endlich für 96 Vollgas geben“, dürfte Kocak jedenfalls nicht vertrauen.

Die Trennung hätte auch den Vorteil, dass zumindest ein Platz im Kader frei wird für Nachverpflichtungen. Gesucht wird auf drei Positionen: Ein Innenverteidiger, ein Mittelfeldspieler (Achter) und ein Stürmer sollen kommen.