03. Januar 2020 / 10:15 Uhr

Hannover 96: Kocak und Schlaudraff in der Planungsfalle

Hannover 96: Kocak und Schlaudraff in der Planungsfalle

Andreas Willeke und Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Trainer Kenan Kocak (links) und Sportdirektor Jan Schlaudraff entscheiden zumindest formal über Transfers.
Trainer Kenan Kocak (links) und Sportdirektor Jan Schlaudraff entscheiden zumindest formal über Transfers. © imago images/Picture Point / Florian Petrow
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Sie sollen die sportliche Zukunft bei Hannover 96 planen, doch gehören Trainer Kenan Kocak und Sportdirektor Jan Schlaudraff überhaupt selbst dazu? Aktuell wackelt Schlaudraff, Kocak ist vorerst nur bis zum Saisonende gebunden.

Wenn – wie jetzt – wieder neue Spieler gesucht werden, sind dafür bei 96 formal zwei Personen verantwortlich: Jan Schlaudraff und Kenan Kocak. Sportdirektor und Trainer besetzen die Schlüsselpositionen für den Erfolg einer Mannschaft – auch wenn es diverse Zulieferer wie aus der Scoutingabteilung gibt.

Kurzfristig hat 96-Chef Martin Kind aber festgelegt, dass im Januar keine Verpflichtung gegen den Trainer durchgesetzt werden kann. Kocak muss immer zustimmen und könnte wohl auch seine Wunschspieler gegen Schlaudraff durchdrücken.

Die Manager von Hannover 96 seit 1996:

<b>Franz Gerber:</b> Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. Zur Galerie
Franz Gerber: Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. ©

Schlaudraff kaltgestellt

Schlaudraff ist angezählt, sogar nahezu kaltgestellt. Öffentlich geworden ist ein Treffen Kinds mit dem ehemaligen Kieler Sportchef Fabian Wohlgemuth. „Es war kein konkretes Gespräch über einen Job bei 96“, sagt Kind.

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Das ändert aber nichts an Kinds Enttäuschung über Schlaudraffs Arbeit. Die Mannschaft ist vor der Saison – auch unter Mitwirkung des entlassenen Trainers Mirko Slomka – nicht so zusammengestellt worden, dass das ausgegebene Aufstiegsziel erreicht werden kann.

Kocak ist dadurch jetzt zum starken Mann geworden, dem Kind vertraut. Das Trainerwort gilt im Zweifel mehr als Schlaudraffs. Aktuell arbeiten beide jedoch angeblich professionell zusammen, um im Wintertransferfenster die Mannschaft durchzulüften. „Wenn es eine vernünftige Situation am Transfermarkt gibt“, ist Kinds Voraussetzung.

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Blindflug in die Zukunft

Doch darüber hinaus müssten ja auch jetzt schon die Transfers für die nächste Saison vorbereitet werden. Elf Verträge laufen aus, ein riesiger Umbruch steht im Sommer bevor. Damit kann man nicht erst im Mai beginnen. Dabei steckt 96 aber auch in der Planungsfalle: Kocak hat nur einen Vertrag bis zum Saisonende, Schlaudraff eine ungewisse Zukunft trotz Vertrags bis 2022.


Das bedeutet: Kocak soll die Zukunft gestalten, weiß aber noch gar nicht sicher, ob er über das Saisonende hinaus überhaupt bei 96 bleibt. Genauso wenig sicher ist, dass Schlaudraff nach dem letzten Spieltag weiter bei 96 arbeiten darf – oder ob er überhaupt so lange im Amt bleiben möchte.

Das gleicht für den Klub einem Blindflug in die Zukunft. Es sitzen zwei Menschen am Schalthebel, die gar nicht wissen, wohin die Reise für sie geht. Für den Verein ist das eine gefährliche Situation. Schon jetzt stimmt Kind Transfers nur dann zu, wenn sie ein begründeter „Vorgriff auf die neue Saison“ sind. Darüber entscheidet der Trainer, der nicht definitiv dann auch noch da ist.

Hier abstimmen: Sollten Kocak und Schlaudraff bei 96 bleiben?

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Kocak muss weiter Ergebnisse liefern

Sollte 96 in den nächsten Wochen eine neue Pleitenserie durchlaufen, wäre Kocak schon wieder umstritten. Denkbar ist aber auch, dass der 38-Jährige weiter so gute Arbeit leistet, dass größere Vereine aufmerksam werden und ihn mit Angeboten locken.

Bei Kocak kann Kind sicher sein, dass er das Bestmögliche für 96 versucht. Es scheint auch alles so gut zu passen, sodass es mit ihm auch weitergehen dürfte. Kocak hat die mündliche Zusage, dass sein Vertrag verlängert wird, wenn es läuft, bis Saisonende.

Doch Kind ist vorsichtig geworden nach teuren vorzeitigen Vertragsverlängerungen wie bei An­dré Breitenreiter. Kocak muss erst weiter Ergebnisse liefern, bevor er auch schriftlich bekommt, dass er 96 in die nächste Saison führen darf. „Warten wir die ersten Spiele ab“, sagt Kind. „Nach fünf Spielen die Verträge zu verlängern, das sind genau die Reaktionsmuster, die wir nicht mehr wollen.“