15. April 2021 / 07:20 Uhr

"Aufgeben ist keine Option": Kocak kämpft um seinen Job bei Hannover 96

"Aufgeben ist keine Option": Kocak kämpft um seinen Job bei Hannover 96

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kämpft um seinen Job bei Hannover 96: Trainer Kenan Kocak.
Kämpft um seinen Job bei Hannover 96: Trainer Kenan Kocak. © Florian Petrow
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Die kommenden beiden Spiele sind entscheidend für Kenan Kocak. Bleibt die Ergebniskrise bei Hannover 96 bestehen, wird der 96-Trainer wohl gehen müssen. Davon will er erst mal nichts wissen, sondern um seinen Job kämpfen. Dennoch plant er nur bis zum Bochum-Spiel. "Ich bin kein Träumer", sagt er.

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Unangenehm für die 96-Spieler war nur der Hagelschauer, der nach einer halben Stunde auf die Mehrkampfanlage niederprasselte. Ansonsten lief der Start in die Trainingswoche ab wie so viele in den Wochen zuvor. Kenan Kocak hielt sich mit Anweisungen zurück, er überließ es meist seinem Assistenten Asif Saric, die Übungen anzumoderieren. Es gab auch keine Strafarbeit, wie nach den beiden Niederlagen ge­gen Würzburg (1:2) und Heidenheim (1:3) in vier Tagen zu erwarten gewesen wäre. Nicht zu erkennen war je­den­falls, dass da ein 96-Trainer auf Bewährung ar­bei­tet. Eher, dass Kocak um seinen Job kämpft.

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Seit dem zweistündigen Krisentreffen bei 96-Chef Martin Kind am vergangenen Montag weiß der Trainer, dass es eng wird für ihn. In der dürren 96-Erklärung danach war von Vertrauen nicht mehr die Rede. „Ich bin kein Träumer“, sagte Ko­cak am Mittwoch nach der 90-minütigen Einheit. Der 40-Jährige sprach dabei erstmals über die für ihn kritische Situation.

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Kocak kann Enttäuschung nachvollziehen

Kocak ist lange genug im Geschäft, um die Zeichen der Zeit zu deuten: „Wenn man sieben Spiele nicht ge­winnt, dann kann ich, wenn man nicht auf die Inhalte schaut, die Enttäuschung nachvollziehen.“

Der umstrittene Coach gibt auch zu: „Wir haben eine Ergebniskrise. Mit den Ergebnissen sind alle unzufrieden, vom Zeugwart bis zum Cheftrainer.“ Aber Ko­cak führt in seinem persönlichen Bewertungsportal noch eine andere Kategorie. Demnach sei die Leistung der Mannschaft bei der letzten Pleite gegen Heidenheim in Ordnung gewesen: „Das Würzburg-Spiel war katastrophal, aber gegen Heidenheim habe ich schon eine Reaktion der Mannschaft gesehen. Nur leider hat sie sich für ihr Spiel nicht belohnt.“

Torgarant fehlt

Nicht effektiv zu sein – darauf führt der Trainer die meisten Probleme immer wieder zurück. 96 nutze die Torchancen nicht. Marvin Ducksch trifft mal und mal nicht, und wenn nicht gerade Genki Haraguchi einspringt, bekommt keiner die Kugel über die Linie. Kocak hätte auch sagen können, er habe ja Serdar Dursun verpflichten wollen. Der hätte die Tore schon gemacht. Für Darmstadt traf Dursun schon 17-mal.

So ein Torgarant fehlt nun mal bei 96, und er wird auch nicht mehr auftauchen in den letzten sieben Spielen. Wenn Kocak fordert: „Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie sich belohnt“, und daran auch sein Job in Hannover hängt, dann ist das ein ziemlich dünner Faden der Hoffnung.

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Kocak will nicht aufgeben

Wie lange er noch bei 96 bleiben darf, wissen im Mo­ment weder Kind noch Ko­cak. „Wir haben ein schwieriges Spiel vor der Brust, das gilt es zu meistern“, antwortet der Trainer auf die Frage, ob er glaube, über das Saisonende hinaus bei 96 zu bleiben. Weiter als bis zum Sonntag in Bochum mag er nicht mehr planen. Unabhängig von seinem Vertrag, der bis 2023 läuft.

Er klammert sich an Allgemeinplätze: „In jeder Krise gibt es auch eine ­Chance.“ Und „im Fußball gibt es manchmal Phasen, in denen es nicht so läuft. Dann muss man noch enger zusammenrücken.“ Und weiter: „Wir hatten in der Hinrunde schon so eine Phase. Ich bin guter Dinge, dass wir auch jetzt wieder gestärkt daraus hervorgehen.“

Dem Trainer hat die Krise nicht die Laune verhagelt. Er glaubt wohl wirklich, sie bewältigen zu können. „Aufgeben ist keine Option“ für Kocak: „Das Wort kenne ich nicht.“