16. November 2019 / 10:35 Uhr

Hannover 96: Kenan Kocak steht für "frechen Fußball"

Hannover 96: Kenan Kocak steht für "frechen Fußball"

Jonas Szemkus
 und Dirk Tietenberg 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
96-Trainer Kenan Kocak schaut seinen Spielern zu.
96-Trainer Kenan Kocak schaut seinen Spielern zu. © Florian Petrow
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Kenan Kocak erlebte am Freitag seinen ersten Tag bei Hannover 96. Er hatte viel zu tun: Zwei Trainingseinheiten und seine Vorstellungs-Pressekonferenz standen auf dem Programm. Wir fassen den Tag zusammen.

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Die Mannschaft von Hannover 96 steht unter Beobachtung. Ob streng oder nachsichtig, wird sich in den kommenden Wo­chen zeigen. Kenan Kocak stand Freitagvormittag mit fester und ruhiger Körperhaltung 20 Meter entfernt ne­ben einem Tor, während seine Assistenten Asif Saric und Lars Barlemann eine Spielform erklärten. Kocak coachte völlig unaufgeregt, kein Springinsfeld wie Thomas Doll, keine schrillen Trillerpfiffe wie unter Mirko Slomka. Der neue 96-Trainer lässt sich erst mal Zeit mit dem Kennenlernen seiner Mannschaft.

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Smalltalk mit Bakalorz und Anton

Im Trainingsanzug sprach er zuerst mit dem Ersten des Teams: Kapitän Marvin Bakalorz. Dann mit dem stärksten: Waldemar Anton. „Smalltalk“, wie Kocak es nannte. Aber allein die Auswahl seiner Gesprächspartner zeigt einen Punkt, an dem er die Mannschaft pa­cken will: an der Hierarchie, die zuletzt auf dem Platz verloren ging. „Die Spieler“, sagte er nachher, „können sich auf einen kommunikativen Trainer freuen.“ Er will sie „mitnehmen“, „viel fordern und fördern“ und sie auch am „gemeinsamen Matchplan“ arbeiten lassen.

Die Bilder zum ersten Training von Kenan Kocak bei Hannover 96 (15. November 2019):

Kenan Kocak macht sich gemeinsam mit Torwart-Trainer Jörg Sievers auf den Weg zu seinem ersten 96-Training. Zur Galerie
Kenan Kocak macht sich gemeinsam mit Torwart-Trainer Jörg Sievers auf den Weg zu seinem ersten 96-Training. ©

Kocak will eine Identifikation

Matchpläne hat Kocak schließlich mit einigen der besten Trainer studiert: Er ist ein Fußballlehrer-Jahrgang mit Julian Nagelsmann und seinem Freund Domenico Tedesco. Von Trainerkollegen fällt kein schlechtes Wort über Kocak. Wer sich um­hört, erfährt einiges von ei­nem kundigen, strukturierten, freundlichen, aber konsequenten Trainer. Allzu ge­müt­lich wird es für die Spieler in nächster Zeit wohl nicht werden.

Vor dem Reden steht bei ihm das Beobachten. Er sei „über die aktuelle Mannschaft informiert“. Und da­mit weiß er, dass die Leistungen schwankten, sie gipfelten in dem 0:4 in Heidenheim. Kocak bringt als Slomka-Nachfolger Ideen mit. „Ich möchte aktiven, frechen, mutigen, leidenschaftlichen und ehrlichen Fußball sehen“, sagte er. Das klang nicht nach den Worthülsen wie „attraktiver Fußball“ oder „offensiver Fußball“, die zuletzt nur Vorfreude ausgelöst, aber Enttäuschungen provoziert hatten. „Grundsätzlich macht es mir Spaß, wenn Zuschauer das Stadion verlassen und Identifikation spüren“, sagte er und traf damit den wunden Punkt

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.Zweite Wahl "gar kein Problem"

Das heimsieglose 96 gab sich bisher alle Mühe, das eigene Stadion leer zu spielen. Die Fans „müssen sagen, das sind unsere Jungs, unsere Männer, und zum nächsten Heimspiel kommen wir wieder“. Eine Wiederkehr war es am Freitag auch für Ko­cak. Er war im Sommer schon in Hannover, als einer von drei Kandidaten im Trainercasting im Sommer. Zweite Wahl gewesen zu sein, sei für ihn „gar kein Problem, das ist doch legitim, da­mit kann ich leben“. Genau wie mit der Vertragslaufzeit, die nur bis zum nächsten Sommer gilt. „Es ist nicht wichtig, was auf dem Papier steht“, meinte Ko­cak. Die kurze Vertragslaufzeit bedeutet privat für ihn zunächst, dass seine Frau und die beiden Söhne zu­nächst in Mannheim wohnen bleiben.

96 richtet sich nun endlich mit dem neuen Trainer ein. Lange genug hat’s ge­dau­ert, zumal Kocak stets für 96 so frei und verfügbar war, dass er die Mannschaft auch in Heidenheim hätte trainieren können – statt der beiden Co-Trainer. Sportdirektor Jan Schlaudraff reagierte genervt auf die Nachfrage. „Dass es schiefgegangen ist, ist klar“, erklärte der Manager, „aber was, wenn der neue Trainer dort auch 0:4 verloren hätte. Wie man’s macht, ist es verkehrt.“ Bei Kocak sollte 96 allerdings jetzt richtig liegen.

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Kenan Kocak wird neuer Trainer bei Hannover 96: So reagieren die Fans

Fan-Meinung zur Verpflichtung von Kenan Kocak als 96-Trainer. Zur Galerie
Fan-Meinung zur Verpflichtung von Kenan Kocak als 96-Trainer. ©

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