08. Januar 2019 / 14:29 Uhr

Akpoguma: "Kann der Mannschaft helfen, mit Selbstvertrauen in die Rückrunde zu gehen"

Akpoguma: "Kann der Mannschaft helfen, mit Selbstvertrauen in die Rückrunde zu gehen"

Dirk Tietenberg
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Kevin Akpoguma:  Ich brauche kein Steak für 1200 Euro.
Kevin Akpoguma:  "Ich brauche kein Steak für 1200 Euro." © Florian Petrow
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Kevin Akpoguma (23) deutete im Test gegen Nimwegen an, dass er Stabilität in die 96-Abwehr bringt. Im Interview spricht „Akpo“ über sein Vorbild Jerome Boateng, über Steaks für 1200 Euro – und auch über den Zusammenprall mit St.-Pauli-Profi Bernd Nehrig, als er mit einem Halswirbelbruch nur um Haaresbreite um eine Lähmung herumkam.

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Kevin Akpoguma, hat Ihnen schon jemand gesagt, dass Sie Ähnlichkeit mit Valérien Ismaël haben?

Das höre ich zum ersten Mal. Er war in Hannover, Bremen, Bayern. In der Jugend war Je­rome (Boateng) in seiner besten Zeit mein Nonplusultra. Von Jerome hatte ich wirklich ein Poster im Zimmer. Das war mein Mann.

Warum Ihr Wechsel zu 96?

96 ist ein Team, in dem ich viel Potenzial sehe. Ich glaube, ich passe am besten zu 96. André Breitenreiter hat bei Schalke und in Hannover erfolgreich mit jungen Spielern gearbeitet. Insofern war es für alle die beste Entscheidung.

"Wir brauchen dieses freie Aufspielen"

Sie sind auffällig laut auf dem Platz.

Ich denke, das ist eine Fähigkeit, die der Trainer von mir verlangt, dass ich laut bin, coache und Hilfestellung gebe. Natürlich bin ich jetzt kein Spielertrainer, aber ich glaube, ich kann der Mannschaft helfen, mit Selbstvertrauen in die Rückrunde zu gehen. Wir brauchen dieses freie Aufspielen, Aufdrehen, Flugbällespielen, Durch-die-Kette-Spielen. Wir sollten nicht quer oder nach hinten nur Notbälle spielen. Deshalb ist das Trainingslager wichtig, damit wir Sa­chen probieren, um Sicherheit für die Bundesliga zu bekommen.

Sie haben Champions League gespielt und kommen jetzt in den Abstiegskampf. Was bedeutet das für Sie?

Hoffenheim hat einen brutal starken Kader – auch in der Breite. Ich hatte nicht die Garantie, dass ich zu den besten drei Innenverteidigern ge­hören würde, das war in der letzten Rückrunde noch der Fall. Ich war nicht in der Situation, in der ich einer Mannschaft helfen kann. Deshalb kamen die Gedanken an eine Leihe. Es kamen Angebote, aber bei 96 habe ich gemerkt, dass sie mich wirklich wollen. Deshalb habe ich mit keinem anderen Verein geredet, André Breitenreiter und Horst Heldt waren die Einzigen, zu denen ich Kontakt hatte.

Kevin Akpoguma: Seine Karriere in Bildern:

Das Fußballspielen lernte Kevin Akpoguma bei Rot-Weiß Speyer. 2007 wechselte er zum Karlsruher SC. Dort durchlief der Verteidiger die Jugendmannschaften des Vereins, ehe er 2010 in die U17 aufstieg. Nach zwei Jahren schaffte Akpoguma den Sprung zu den Profis. Zur Galerie
Das Fußballspielen lernte Kevin Akpoguma bei Rot-Weiß Speyer. 2007 wechselte er zum Karlsruher SC. Dort durchlief der Verteidiger die Jugendmannschaften des Vereins, ehe er 2010 in die U17 aufstieg. Nach zwei Jahren schaffte Akpoguma den Sprung zu den Profis. ©
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Wie ist Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann als Typ?

Er liebt Fußball, er lebt Fußball. Er ist jung, und das merkt man auch. Er lässt sich duzen, macht Witze mit den Spielern, aber wenn er auf dem Trainingsplatz ist, dann brennt’s halt. Für mich ist er einer der besten Trainer, die ich je hatte. Ich bin ja nicht abgehauen, weil ich sauer bin, weil ich nicht spiele. Es war keine Flucht aus Hoffenheim. Sie sind meinem Wunsch zu wechseln entgegengekommen, dafür bin ich sehr dankbar.

Was treibt Sie an?

Ich werde 24 und glaube, das beste Fußballalter kommt noch. Bis dahin muss ich gucken, dass ich Spiele sammele. Irgendwann möchte ich auf die Insel. Dazu muss ich ein kompletter Spieler sein, der ich noch nicht bin. In England zu spielen, das ist mein Ziel.

"Edgar Prib und Marvin Bakalorz haben ein ganz anderes Standing"

Ihr Lieblingsklub?

Da ist der Zug wohl abgefahren (lacht). Manchester City. Ich durfte gegen sie spielen, das war eine große Ehre für mich. Ich habe Familie in Manchester, mit zwölf Jahren ein Trikot von City bekommen. Und Je­rome war auch da.

Ist der Boss Boateng Vorbild für Ihre Art und Weise, zu spielen?

Ich will kein Boss sein. Da gibt’s andere, die lange im Verein sind. Edgar Prib oder Marvin Bakalorz haben ein ganz anderes Standing. Ich bin immer noch ein neuer Spieler. Man darf jetzt von mir oder Nicolai Müller nicht verlangen, dass wir alles komplett um­krempeln. Unsere Aufgabe ist es, spielerisch zu helfen. Vielleicht kann man den Erfolg, den man beim abgebenden Verein erlebt hat, ein bisschen mit hineintragen.

Die Wintertransfers von Hannover 96 von 2010 bis heute (Stand: 31.12.2018)

Élson war für ein halbes Jahr vom VfB Stuttgart ausgeliehen. Nach Ende der Leihe und dem vollbrachten Klassenerhalt 2010 wäre der Brasilianer gerne für länger geblieben. Doch aufgrund seiner Knieprobleme zerschlug sich ein weiteres Engagement, obwohl man auf dem Weg zur Einigung schon recht weit fortgeschritten war. Zur Galerie
Élson war für ein halbes Jahr vom VfB Stuttgart ausgeliehen. Nach Ende der Leihe und dem vollbrachten Klassenerhalt 2010 wäre der Brasilianer gerne für länger geblieben. Doch aufgrund seiner Knieprobleme zerschlug sich ein weiteres Engagement, obwohl man auf dem Weg zur Einigung schon recht weit fortgeschritten war. ©

Wir haben über Träume gesprochen. Vor nicht ganz zwei Jahren hätten Sie fast im Rollstuhl gesessen. Wie war diese Zeit?

Die ersten zwei Wochen waren schlimm. Du hast eine Halskrause an, kannst dich nicht bewegen, dazu die übertriebenen Schmerzen. Dann tut es so weh, dass sie dir wieder Morphium spritzen. Was mich angetrieben hat, waren einfach Dinge, ich wollte die Krause abbekommen, normale Dinge machen, rausgehen, einkaufen, Auto fahren. Ich war sehr froh, dass alles verheilt ist. Die Gedanken an den Rollstuhl waren ganz schlimm, aber die Ärzte haben mir zum Glück schnell gesagt, dass nichts bleibt nach dem Halswirbelbruch. Es ist alles gut zusammengewachsen.

Was macht so eine Situation mit Ihnen?

Du hast Spaß am Leben und bist dankbar dafür, was du hast. Auch in Hoffenheim haben wir in der Kabine darüber gesprochen. Wenn Spieler motzen oder meckern, sage ich: Das Wichtigste im Leben habt ihr. Ihr seid gesund. Ihr fahrt nach Hause, habt eine schöne Wohnung oder ein Haus und keine Sorgen. Das hat die Geschichte mit dem Halswirbel gebracht. Ich weiß, ich kann das genießen, hier in Marbella zu sein und hart zu trainieren.

Was sagt man da zu den Äußerungen von Franck Ribéry nach den Reaktionen auf das vergoldete Steak?

Na ja, Fußballer stehen oft im Fokus, wenn etwas Extravagantes passiert. So etwas sollte man natürlich nicht schreiben.

"Ich brauche kein Steak für 1200 Euro"

Welche Extravaganz haben Sie?

Zehn Euro für Spotify, dann hab ich alles. Ich gehe gern raus mit meiner Frau, reisen, essen. Aber ich brauche kein Steak für 1200 Euro. Ich genieße mein Leben, so gut es geht.

Haben Sie noch Kontakt zu Nigeria-Trainer Gernot Rohr?

Ja, beim letzten Spiel in Hoffenheim. Er ist weiterhin interessiert und würde sich freuen. Aber ich will mir die Tür zur deutschen Nationalmannschaft nicht zumachen. Es geht so schnell, das hat man bei Nico Schulz gesehen. Nico ist jetzt 25, hat den Anruf von Jogi Löw bekommen. Selbst wenn Löw mich mit 27 Jahren anruft für ein oder zwei Spiele, wäre das für mich eine Ehre, weil es das Land ist, in dem ich geboren bin.

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