09. Oktober 2019 / 08:25 Uhr

96-Chef Kind: "Unglaublich viele Fehler gemacht in den letzten zwei Jahren"

96-Chef Kind: "Unglaublich viele Fehler gemacht in den letzten zwei Jahren"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Selbstkritik vom 96-Chef: Martin Kind hat teure Fehler gemacht.
Selbstkritik vom 96-Chef: Martin Kind hat teure Fehler gemacht. © imago images / Christian Schroedter / Petrow / Lobback / dpa / SPORTBUZZER
Anzeige

96-Boss Martin Kind rechnet mit sich selbst ab: Er habe zuletzt "viele Fehlentscheidungen getroffen, aber natürlich nicht bewusst". Jetzt will er 96 so umbauen, dass sich die Fehler nicht wiederholen. Ein Leidtragender dieses Prozesses: Sportdirektor Jan Schlaudraff.

Anzeige
Anzeige

Es ist nicht nur die Tabelle, die anzeigt – 96 hat schon bessere Zeiten erlebt. Sogar mit dem Trainer Mirko Slomka, der am vergangenen Wochenende seinen schwer gefährdeten Arbeitsplatz verteidigt hat. Wer auf Platz elf der 2. Liga steht, der träumt besser nicht von neuen Europa-League-Zeiten, noch nicht mal von der Rückkehr in die Bundesliga.

Viele Gründe für den 96-Niedergang

Es gibt Gründe für den Niedergang, der sich in zwei Abstiegen in drei Jahren niederschlägt. „Wir haben so unglaublich viele Fehler gemacht in den letzten zwei Jahren“, gibt 96-Chef Martin Kind zu. Diese Schwäche hat viel Geld gekostet, vor allem der letzte Absturz im Mai, „mit der teuersten Mannschaft, die wir je hatten“.

Dieser erneute und auch unerwartete Fehlschlag hat Kind schwer getroffen – aber auch zu einer sehr selbstkritischen Analyse geführt. „Ich habe viele Fehlentscheidungen getroffen, aber natürlich nicht bewusst“, räumt der 75-Jährige ein. Am Beispiel Spielertransfers lässt sich das zeigen. Sportdirektoren oder Trainer haben die Spieler zwar ausgesucht und den Wunsch mit allerlei Lobhudelei über ihre Stärken flankiert, aber Kind hat am Ende immer auch den Vertrag unterschrieben.

Das waren die (bisher) teuersten Zugänge der Vereinsgeschichte von Hannover 96

Jonathas wechselte 2017 für neun Millionen Euro in die Landeshauptstadt. Damit ist er der teuerste Neuzugang, den Hannover 96 je verpflichtet hat. Zur Galerie
Jonathas wechselte 2017 für neun Millionen Euro in die Landeshauptstadt. Damit ist er der teuerste Neuzugang, den Hannover 96 je verpflichtet hat. ©
Anzeige

Wie bei Jonathas, dem teuersten – und von merkwürdigen Umständen begleiteten – Fehlschlag der 96-Geschichte. 15 Millionen Euro hat der Sturmflop den Verein alles in allem gekostet, mit Ablöse, Gehalt und Beraterhonorar. Für einen Klub wie Bayern oder Dortmund wären das Peanuts, für 96 war’s ein unverdaulicher Brocken, an dem man schwer zu schlucken hatte.

Damit sich solche Pannen nicht wiederholen, gestaltet Kind zurzeit den Prozess der Entscheidungsfindung radikal um. Im Hintergrund laufen viele Gespräche zum Neuaufbau der Strukturen. Da geht’s um die Einbindung von Scouts – und wer was zu sagen hat.

Schlaudraff ist Leidtragender des Umbaus

Leidtragender ist Jan Schlaudraff, der neue Sportdirektor. „Jan ist ein Opfer meines Lernprozesses der letzten beiden Jahre“, er­klärt Kind. Schlaudraff be­kommt „klare Vorgaben“ vom 96-Chef, der sich mehr denn je ins Alltagsgeschäft einschaltet. Zwischengeschaltet ist dabei Ex-VW-Manager Wolfgang Schreiber.

Ex-Nationalspieler Schlaudraff soll möglichst kein Geld ausgeben – und muss seine Spielerwünsche auch immer konzeptionell absichern und begründen – mit Alternativen. A-, B- und C-Lösungen will Kind sehen. „Bauchentscheidungen eines Sportchefs wird es nicht mehr geben“, führt Kind aus.

Auch der Nichtverkauf von Füllkrug war ein Fehler

Damit kam offenbar Horst Heldt oft genug durch. Sich nicht rechtzeitig vom Manager getrennt zu haben, der um seinen Abschied ja geradezu gebettelt hat, war einer der größten Fehler Kinds. Auch die vorzeitige Vertragsverlängerung von André Breitenreiter stellte sich als teurer Irrtum heraus, an dem auch der damalige Aufsichtsratschef Gerhard Schröder nicht unschuldig war. Rückblickend ebenfalls falsch war der Nichtverkauf von Niclas Füllkrug, obwohl ein 18-Millionen-Euro-Angebot aus Gladbach vorlag.

Top-Torschützen in Bildern: die 50 erfolgreichsten Torjäger in der Geschichte von Hannover 96 (Stand: 11.08.2019)

Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. Zur Galerie
Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Das Minus der Abstiegssaison summierte sich etwa auf diese Summe, Kind und sein Freund Dirk Roßmann mussten dann mit ihren Millionen für die Lizenz bürgen. „Wir sind voll handlungsfähig“, betont Kind jedoch.

Die Folge wiederum für 96: Kind dreht jeden Cent dreimal um, bevor Schlaudraff den ausgeben darf. Spieler wie Dennis Aogo verdienen nur, wenn sie spielen – ein kalkulierbares Risiko. Und Trainer Slomka kassiert weit weniger als Breitenreiter, der mit einer Abfindung von 1,5 Millionen Euro verabschiedet wurde.

„Fair“ nennt Kind den Slomka-Vertrag, schließlich gebe 96 dem Trainer die Chance, die er woanders kaum bekommen hätte. Kind wusste um das Risiko, insofern war es schlüssig, nur eine sehr geringe Abfindung zu vereinbaren. Zumindest in dem Punkt haben 96 – und das ist in dem Fall Kind – dazugelernt.

Mehr zu Hannover 96

Das sind die Trainer von Hannover 96 seit dem Aufstieg 2001

Zweite Amtszeit: Am 28. Mai 2019 stellte Hannover Mirko Slomka erneut als Cheftrainer und Nachfolger von Thomas Doll vor. Zur Galerie
Zweite Amtszeit: Am 28. Mai 2019 stellte Hannover Mirko Slomka erneut als Cheftrainer und Nachfolger von Thomas Doll vor. © imago/

ANZEIGE: 50% auf dein Winter-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Hannover
Sport aus aller Welt