26. März 2020 / 16:55 Uhr

96-Meinung: Stresstest in der Blase

96-Meinung: Stresstest in der Blase

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Anhand des Projekts Gehaltsverzicht kann 96-Profi-Boss Martin Kind erkennen, mit wem er auch nach der Krise vertrauensvoll zusammenarbeiten möchte, kommentiert SPORTBUZZER-Redakteur Uwe von Holt.
Anhand des Projekts Gehaltsverzicht kann 96-Profi-Boss Martin Kind erkennen, mit wem er auch nach der Krise vertrauensvoll zusammenarbeiten möchte, kommentiert SPORTBUZZER-Redakteur Uwe von Holt. © mago images / Picture Point
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Die Blase im Fußball wird womöglich von einem stacheligen Virus zum Platzen gebracht. Profis verzichten auf Teile ihres Gehalts. Auch bei 96 stellt sich die Charakterfrage. Martin Kind wird Erkenntnisse für die Zukunft gewinnen können, kommentiert SPORTBUZZER-Redakteur Uwe von Holt.

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Viele Gewinner, wenn man nur auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise schaut, wird es nicht geben. Wer nicht gerade Klopapier und Schutzmasken produziert, einen Filmstreamingdienst betreibt oder hoffentlich schnell einen Impfstoff auf den Markt bringt, wird verlieren – ausnahmsweise ganz vorne dabei im Existenzkampf von Unternehmen und ihrer Mitarbeiter ist der Profifußball, in Hannover vertreten durch 96.

Immer mehr TV-Millionen sind in die Blase gepumpt worden, ausgerechnet ein stacheliges Virus scheint das Gebilde nun zum Platzen zu bringen. Auch 96 hat munter mitgemischt, Ablösen und Gehälter sind rapide gestiegen, statt Rücklagen wurden Etatlücken geschaffen, am vorerst letzten Bundesliga-Abstieg wird der Klub noch lange zu leiden zu haben – zuletzt gab es die Lizenz nur durch eine Bürgschaft der Gesellschafter Martin Kind und Dirk Roßmann.

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Von 96 noch keine offiziellen Signale

Nun wird aus aktuellem Anlass zurückgezahlt – und zwar von den Profis, ihren Beratern, den Managern und Trainern, der Prozess läuft allerdings bundesweit schleppend an. In Mainz gab der Zeugwart seine Vereins-Tankkarte ab, es flossen kleine Spenden, nur zögerlich formiert sich nun die Fraktion der Gehaltsverzichter. Die Bayern-Millionäre legten mit 20 Prozent Abzug für alle vor, was Robert Lewandowski gewiss für ein paar Monate verkraften kann, einige Klubs regeln das offenbar individuell, und von 96 waren bislang noch keine offiziellen Signale zu vernehmen.

Sportchef Gerhard Zuber verhandelt seit Tagen mit den Spielern, das Ergebnis dürfte wenig überraschend ausfallen: Natürlich werden sich auch Hannovers Profis dem öffentlichen Druck und den wirtschaftlichen Zwängen ihres Arbeitgebers am Ende nicht entziehen können. Es wird eine Verzichtserklärung aus dem Team geben, allein die individuelle oder gemeinsame Prozentzahl ist offen.

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Kind stellt "Charakterfrage" - und denkt bereits an die Zukunft

96-Boss Kind rechnet ebenfalls fest mit einem Entgegenkommen der Spieler, von denen jedoch einige nur geliehen sind und die vielleicht noch keine so selbstlose Beziehung zu 96 aufgebaut haben. Kind stellt trotzdem für alle die „Charakterfrage“ und denkt damit bereits an die Zukunft – er kann beim Projekt Gehaltsverzicht erkennen, mit wem er auch nach der Krise vertrauensvoll zusammenarbeiten möchte. Und sehen, wer lieber woanders Geld und Glück suchen sollte.

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