26. Mai 2020 / 14:44 Uhr

96-Meinung: Personelle Zukunft hängt von einer großen Portion Pragmatismus ab

96-Meinung: Personelle Zukunft hängt von einer großen Portion Pragmatismus ab

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Keine Ablösen mehr zahlen, neue Gehälter heftig drücken, teure sportliche Altlasten kostenneutral entsorgen – ob das die Erfolgsformel von Martin Kind wird?
Keine Ablösen mehr zahlen, neue Gehälter heftig drücken, teure sportliche Altlasten kostenneutral entsorgen – ob das die Erfolgsformel von Martin Kind wird? © imago images/Noah Wedel
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Auch der Fußball fährt in der Corona-Pandemie auf Sicht. Die personelle Planung hänge aktuell von Zufällen, Emotionen, Eingebungen und einer großen Portion Pragmatismus ab, meint SPORTBUZZER-Redakteur Uwe von Holt. So wird aus einem abgeschriebenen Marvin Ducksch bei Hannover 96 der neue Hoffnungsträger.

Ist ja in diesen Zeiten nicht nur die Politik, die nach eigener Aussage „auf Sicht“ fährt, weil es ganz schön nebelt im Dunst der Ängste, Nöte und zackigen Lockerungen – auch der Fußball, der die laufende Saison unbedingt zu Ende bringen und die kommende unter finanziell gespenstischen Bedingungen planen muss, kann nicht viel weiter schauen als bis zum nächsten Spiel, das für 96 übrigens morgen Abend gegen Karlsruhe angesetzt ist.

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Und so hängt auch die personelle 96-Zukunft aktuell von Zufällen, Emotionen, Eingebungen und einer großen Portion Pragmatismus ab. Pragmatisch, laut Duden also vernunftbezogen und streng am praktischen Handeln orientiert, heißt im konkreten Fall, dass ein Stürmer wie Marvin Ducksch nun schon wegen einer starken halben Stunde inklusive zweier Tore in Osnabrück als Knipser der Zukunft gefeiert wird.

Mehr über Hannover 96

Der frühere Kieler Schützenkönig, der bei Trainer Kenan Kocak in gesunden Zeiten keine tragende Rolle spielte und als Sensibelchen mit schwieriger Körpersprache galt, soll 96 nun in der nächsten Saison zuverlässig Richtung Aufstieg ballern. Dafür darf der teure Leihspieler John Guidetti, von dem Kocak vor Kurzem noch heftig schwärmte, am besten überhaupt nicht mehr spielen – ein Kauf ist mittlerweile ausgeschlossen.

Ducksch dagegen hat noch einen Vertrag bis 2022 und kostete fast zwei Millionen Euro Ablöse – Geld, das man bei einer Trennung in diesem Sommer hätte abschreiben müssen. Auch bei weiteren 96-Personalien ist mit überraschenden Neubewertungen in der Kosten-Nutzen-Hoffnungs-Bilanz zu rechnen – vielleicht mal abgesehen von Felipe, der mit aktivem Fußball nichts mehr zu tun hat und auf jeden Fall den Kader verlassen soll.

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Das sind die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga nach der Corona-Zwangspause:

28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) Zur Galerie
28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) ©

Größter Fan des neuen Pragmatismus ist dabei 96-Boss Martin Kind, der in der Corona-Krise eine drastische Erfolgsformel ersonnen hat: keine Ablösen mehr zahlen, neue Gehälter heftig drücken, teure sportliche Altlasten kostenneutral entsorgen – und trotzdem um den Aufstieg mitspielen.

Den Versuch ist’s natürlich wert.

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