10. November 2020 / 06:57 Uhr

Kritik "ein bisserl unfair": 96-Manager Gerhard Zuber nimmt Marvin Ducksch in Schutz

Kritik "ein bisserl unfair": 96-Manager Gerhard Zuber nimmt Marvin Ducksch in Schutz

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Sportdirektor Gerhard Zuber (eingeklinkt) findet die Kritik an Marvin Ducksch etwas zu heftig.
96-Sportdirektor Gerhard Zuber (eingeklinkt) findet die Kritik an Marvin Ducksch etwas zu heftig. © Florian Petrow
Anzeige

Nach den vergebenen Chancen im Aue-Spiel ist Marvin Ducksch in die Kritik geraten. Gerhard Zuber findet die "ein bisserl unfair", der 96-Sportdirektor sieht die anderen Stürmer in der Pflicht. Während Ducksch um seine Schwächen weiß, wird bei den Roten immer stärker über einen Wintertransfer für die Offensive nachgedacht.

Anzeige

Marvin Ducksch hat sich an die Spitze geschossen. 31 Torschüsse, so viel schafft kein Stürmerkollege der 2. Bundesliga. Fünfmal versuchte er es gegen Aue, zweimal mit links, dreimal mit rechts. „Er ist ja fast der Einzige, der sich die Torchancen herausspielt. Wenn er einmal trifft, dann reicht das“, sagt Manager Gerhard Zuber.

Anzeige

Aber Ducksch traf nicht. Ein bekanntes Problem. Zuber findet es allerdings „ein bisserl unfair“, die Kritik nach dem 0:0 gegen Aue allein auf Ducksch abzuladen. „Wir haben noch andere Stürmer, die ihm helfen müssen“, findet Zuber. Hendrik Weydandt, Linton Maina – die Angreiferkollegen kommen zusammen nicht auf die Anzahl von Duckschs Torchancen.

Mehr über Hannover 96

Nicht einmal vor zwei Jahren in Kiel, wo er Torschützenkönig (18) wurde, galt Ducksch als konstant treffsicher. Weiß er aber selbst. „Ich bin kein Lewandowski, der aus zwei Chancen zwei Tore macht. Dazu brauche ich schon mehr Versuche, so ehrlich bin ich“, sagte er einmal. Und als er gerade bei der Wahrheit war, fügte er hinzu: „Ich weiß schon ziemlich genau, wo ich meine Schwächen habe. Und ich weiß auch, wo ich gerade spiele und dass es bis ganz nach oben vielleicht nicht reicht.“

Wird Nachverpflichtung im Winter ein Thema?

96 will allerdings ganz nach oben. Bisher reicht es fürs Zweitliga-Mittelfeld, auch weil Ducksch seine Chancen weder in Paderborn noch gegen Aue genutzt hat. „Wenn wir aufsteigen wollen, dann muss Duckschi 15 Tore machen und Hendrik Weydandt auch“, sagt Zuber. „Sonst wird es eng.“ Der Manager deutete vergangene Woche an, dass 96 einen Knipser bräuchte. Einen wie Simon Terodde, oder zumindest wie Serdar Dursun (Darmstadt) oder Philipp Hofmann (Karlsruhe).

„So einen haben wir nicht“, weiß Zuber. 3 Millionen Euro hätte 96 für Dursun zahlen müssen. Zu viel für Hannover. Der 96-Manager liebäugelt mit einer Nachverpflichtung im Winter. „Wir haben Offensivpower, auch wenn sich einer verletzt, dann können wir nachlegen“, sagt Zuber. „Aber wir brauchen einen, der die Chancen reinmacht.“ Um Geld für diesen Volltreffer auszugeben, müssten Zuber und Trainer Kenan Kocak aber zunächst 96-Profichef Martin Kind überzeugen.

Ducksch kennt sein eigenes Profil ziemlich genau. Unter anderem von der Konsole bei Fifa, wo er einen 96-Spieler immer einsetzt – nämlich sich selbst. „Ich versuche, der Schleicher zu sein. Schleicher, so wurde ich genannt“, erklärte er. In der vergangenen Saison trödelte er sich mit fünf Toren durch die Hinrunde, startete aber in der Rückrunde mit zehn Treffern durch.

Marvin Ducksch: seine Karriere in Bildern.

Der heute 25-jährige Marvin Ducksch begann seine Fußballkarriere mit vier Jahren beim BSV Fortuna Dortmund 58 und wurde von seinem Vater trainiert. 2002 wechselte er in die Jugend von Borussia Dortmund, welche er anschließend vollständig durchlief. Zur Galerie
Der heute 25-jährige Marvin Ducksch begann seine Fußballkarriere mit vier Jahren beim BSV Fortuna Dortmund 58 und wurde von seinem Vater trainiert. 2002 wechselte er in die Jugend von Borussia Dortmund, welche er anschließend vollständig durchlief. ©

Die aktuelle Saison sei immer noch „frisch“, sagt der Manager. „Das ist wie bei der Tour de France, bisher waren wir im Tal unterwegs, jetzt geht es in die Berge, da müssen wir aus dem Sattel.“

Bei Ducksch „wird es schon werden“, glaubt Zuber. „Er hatte vor einem Jahr auch Phasen.“ Gedanken um seine Torquote macht sich der 26-Jährige ohnehin – so wie während der ersten Corona-Pause im Frühling. Es stand damals schlimmer um ihn, er spielte ja nicht einmal. Da habe Ducksch im Training versucht, „so viele Bälle wie möglich reinzudrücken“. Danach schoss er neun Treffer in neun Spielen mit einem 96-Punkteschnitt von 1,8. Damit könnte Hannover knapp aufsteigen.