06. November 2020 / 11:15 Uhr

"Es passt nicht": 96 kämpft um Länderspiellösung für seine Schlüsselspieler

"Es passt nicht": 96 kämpft um Länderspiellösung für seine Schlüsselspieler

Dirk Tietenberg und Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie fehlt Kenan Kocak (links) und Gerhard Zuber das Verständnis für Testspiele der Nationalmannschaften.
Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie fehlt Kenan Kocak (links) und Gerhard Zuber das Verständnis für Testspiele der Nationalmannschaften. © imago images/Zink
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Nach dem Heimspiel gegen Aue begeben sich wieder etliche Profis von Hannover 96 auf Reisen mit ihrer Nationalmannschaft. Besonders die Testspiele ärgern die Verantwortlichen, zumal in Zeiten der Corona-Pandemie. Sportchef Gerhard Zuber bemüht sich in Gesprächen mit Verbänden und Spielern um Lösungen.

Das Zweitligaspiel am Samstag gegen Erzgebirge Aue ist wichtig, ein Sieg Pflicht. Aber der Blick bei Hannover 96 geht auch schon über das Wochenende hi­naus. Es folgt dann erneut eine zweiwöchige Länderspielpause, in der „genau die Schlüsselspieler nicht da sind“, ärgert sich Trainer Kenan Kocak. Simon Falette, Genki Haraguchi und Jaka Bijol sind von ihren Nationaltrainern nominiert worden.

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Man weiß zwar, wenn man Nationalspieler verpflichtet, dass sie auch zu Länderspielen reisen werden, Kocak beruft sich jedoch auf die Sondersituation der Corona-Pandemie: „Es passt nicht, die Spieler jetzt für sinnlose Freundschaftsspiele durch Europa reisen zu lassen.“

Die lange Liste aller Nationalspieler, die seit der Saison 2000/01 für Hannover 96 gespielt haben (Stand: 11. November 2020):

<b>Kenan Karaman</b>, mittlerweile in Düsseldorf unter Vertrag, wurde im November 2017 erstmals zur A-Nationalmannschaft der Türkei eingeladen, stand bisher 15-mal auf dem Feld und erzielte drei Tore - unter einem eins im Test gegen Deutschland. Zur Galerie
Kenan Karaman, mittlerweile in Düsseldorf unter Vertrag, wurde im November 2017 erstmals zur A-Nationalmannschaft der Türkei eingeladen, stand bisher 15-mal auf dem Feld und erzielte drei Tore - unter einem eins im Test gegen Deutschland. © Frank Neßler

Kocak wäre froh, „wenn wir eine Lösung finden“. Da­rum kümmert sich aktuell der Sportchef. „Ich bin mit den betreffenden Spielern in Kontakt und habe Gespräche geführt“, erklärt Gerhard Zuber, „aber es ist schwierig. Wenn, dann müssten die Spieler sagen, sie spielen nicht.“ Das aber wäre langfristig ein Eigentor, denn vermutlich würden sie nicht mehr eingeladen werden.


Kind sieht Grenze zur Belastbarkeit überschritten

„Ärgerlich sind die Testspiele. Drei Spiele in der Länderspielpause, das hat’s früher nie gegeben“, schimpft Zuber. Nach den Absagen im Frühjahr wird nun zu den üblichen zwei Länderspielen ein drittes hinzugepackt.

Auch der 96-Chef hat dazu eine klare Meinung. „Die Grenze der Belastbarkeit ist überschritten“, warnt Martin Kind. Bijol etwa war zuletzt in Fürth „müde, das hat jeder gesehen“, führt Zu­ber aus. Der Slowene ist für drei Partien nominiert. In Aserbaidschan (10. November) und in Griechenland (18. November) kann er eingesetzt werden, gegen das Kosovo (15. November) fehlt er gesperrt.

Falette bräuchte auch ei­ne Pause. Wegen der Prellung am Schienbein spielt er seit Wochen mit Schmerzmitteln. Aber er soll für Guinea spielen, es geht zweimal gegen den Tschad (11. und 15. November). Florent Muslija ist für die Partien in Slowenien und gegen Moldau (15. und 18. November) berufen worden. Sportlich sind die Spiele weniger brisant. 96 hofft noch, dass er dableibt.

Mehr über Hannover 96

Linton Maina ist diesmal nicht für die U21 nominiert worden und kann versuchen, in Hannover in Form zu kommen. Zuletzt hatte er mehrfach verletzt abgesagt. Unterwegs sind aber auch wieder Haraguchi und Sei Muroya. Japan spielt ge­gen Panama (13. November) und Mexiko (17. November), beide Begegnungen werden in Österreich (Graz) ausgetragen.

„Es kann sein, dass die Spieler aus Risikogebieten kommen, und sie müssen in Quarantäne, das trifft uns dann richtig hart, das sind dann auch die Leistungsträger“, meint Zuber.

Taugt Werder als Vorbild für 96?

Laut Robert-Koch-Institut bestreiten bis auf Bijol (Griechenland) alle 96-Profis die letzten Spiele in Ländern, die Risikogebiete sind. Laut Fifa-Regeln besteht aber keine Abstellungspflicht für Partien in Corona-Risikogebieten, wenn Spielern unabhängig vom Testergebnis eine fünftägige Quarantäne droht. Auf diese Isolation pocht das Bremer Gesundheitsamt. Werder stellt deshalb keine Spieler ab.

Sollte auch das Gesundheitsamt der Region Hannover so entscheiden, hieße das: Haraguchi, Falette, Mu­roya und Muslija müssten für fünf Tage in Quarantäne. „Ich unterstütze die Vorgehensweise von Werder“, sagt 96-Chef Kind, „wir sollten es mal darauf ankommen lassen und den Konflikt austragen. Ansonsten fallen die Spieler vielleicht für das nächste Spiel aus.“ Und das ist dann auch wieder besonders wichtig. In Würzburg soll ja am 22. November der Auswärtsfluch besiegt werden.

U23 darf Training wieder aufnehmen

Gute Nachrichten für die U23 von 96: Auf Nachfrage der "Bild" beim Gesundheitsamt der Region Hannover darf U23-Trainer Christoph Dabrowski mit seiner Mannschaft ab Montag wieder den Trainingbetrieb aufnehmen, am Wochenende wird die Akademie noch geschlossen bleiben. Der Regionalliga-Betrieb liegt weiterhin auf Eis.