28. Februar 2020 / 08:14 Uhr

96-Sprinter Linton Maina im Interview (Teil I): "Wenn man jung ist, sollte man auch leben dürfen"

96-Sprinter Linton Maina im Interview (Teil I): "Wenn man jung ist, sollte man auch leben dürfen"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Damals war er nicht nur auf dem Platz verspielt. Linton Maina ist aber reifer geworden. Im Interview erzählt er, wann er den Schalter umgelegt hat. 
Damals war er nicht nur auf dem Platz "verspielt". Linton Maina ist aber reifer geworden. Im Interview erzählt er, wann er den Schalter umgelegt hat.  © Florian Petrow
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Mit dem Ball am Fuß kann Linton Maina bemerkenswert schnelle Haken schlagen - auch deshalb versprüht die Offensive von Hannover 96 Gefahr. Sechs Bunden hat der 20-Jährige in dieser Saison aufgelegt, gegen St. Pauli machte er das goldene Tor des Tages. In seiner Jugendzeit galt er als wilder Typ. Wann es bei ihm "Klick gemacht" hat und warum die Roten nun ein besseres Gesicht zeigen, hat er uns erklärt.

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Linton Maina, 96 hat ordentlich gespielt, zu wenig Punkte gesammelt. Wie sehen Sie die Situation?

Ich finde, man sieht, wie fit wir sind und wie wir uns auf dem Platz bewegen. Wir haben zu wenig Punkte. Aber wenn wir beiden späten Tore nicht fangen gegen Hamburg und in Bielefeld und auch gegen Wehen, redet da jeder anders drüber. Aber grundsätzlich, glaube ich, kann man eine Entwicklung sehen.

Was ist anders als im Vergleich zur Hinrunde?

Wir haben in der Hinrunde auch mal ein Spiel gut gespielt, dann gab es wieder drei blöde Spiele. Mittlerweile haben wir uns stabilisiert, haben richtig gute Auftritte gehabt. Wir waren vorne gefährlich und standen hinten eigentlich sicher.

Was ist gerade bei 96 möglich?

Mal gucken, was geht. Erstmal wünsche ich mir, dass alle in der Mannschaft gesund bleiben. Wenn wir die Spiele weiter so angehen wie die letzten, dann kann man uns nur schwer schlagen. Außer wir schlagen uns selbst, mit Gegentoren in der 90. Minute oder kurz vor Schluss. Wir sind insgesamt viel gefestigter im Vergleich zur Hinrunde.

Das ist Hannovers 96-Rakete Linton Maina:

Der 19-jährige Linton Maina spielt seit Juli 2014 bei Hannover 96. Er wechselte mit 15 Jahren von seinem Jugendverein SV Empor Berlin zur U17 der Roten.  Zur Galerie
Der 19-jährige Linton Maina spielt seit Juli 2014 bei Hannover 96. Er wechselte mit 15 Jahren von seinem Jugendverein SV Empor Berlin zur U17 der Roten.  ©

Tore haben Sie nicht viel gemacht, nur eines. Außerdem sechs Tore vorbereitet. Müssen Sie torgefährlicher werden anstatt nochmal querzulegen?

Wenn ich noch zehn Tore vorbereite, ist mir das auch recht. Ich bin kein Spieler, der sagt, er muss unbedingt selbst treffen. Es geht um meine Stärken, mit denen ich der Mannschaft helfen kann. Wenn es Vorlagen sind, dann sind es Vorlagen. Sind es Tore, dann sind es Tore. Aber klar weiß ich auch, dass ich nicht immer querlegen muss, ich kann auch mal selbst auf ein Tor gehen.

Was sagt der Trainer Kenan Kocak, was haben frühere Trainer zu dem Thema gesagt, beispielsweise U21-Trainer Stefan Kuntz?

Ich bin ja auch erst seit der U 19 wirklich Offensivspieler. Vorher war ich Sechser. Wenn ich mich richtig erinnere, war es Christoph Dabrowski (aktuell Trainer U 23), der mir sagte, ich soll torgefährlicher werden. Ich war nie ein Vollstrecker, immer ein Vorbereiter. Aber es stimmt. Mittlerweile haben mir viele Trainer gesagt, dass ich noch mehr selbst aufs Tor gehen kann.

Teil II des Interviews

Beim SV Pfefferwerk haben Sie in Ihrer Jugend in Berlin bestimmt alles gespielt, oder?

Ja, alles. In der U16- und U17-Nationalmannschaft habe ich immer auf der Sechs gespielt, später ging es immer weiter nach vorne, auf die Zehn, dann auch mal außen, jetzt zuletzt vorne im Sturm mit John Guidetti und Cedric Teuchert.

Hat Stefan Kuntz Sie kontaktiert wegen der Olympia-Teilnahme?

Ich denke, dass ich noch auf dem Zettel stehe - so, wie er es mir gesagt hat. Aber zuletzt haben wir darüber nicht gesprochen.

Mehr zu Hannover 96

Nach der Klinsmann-Geschichte aus Berlin ist gerade viel von Mehrwert von Spielern die Rede. Was bedeutet es Ihnen, mit sieben Millionen Euro Marktwert in der Transfermarkt.de-Liste zu stehen?

Wenn man hört, dass man einen Marktwert von 7 Millionen hat, ist das schon irgendwo etwas Außergewöhnliches. Aber nichtsdestotrotz leisten andere Menschen in anderen Berufen wahrscheinlich mehr und verdienen viel weniger. Im Fußball ist das so, und auf solche Zahlen kann man als Fußballer sicherlich stolz sein. Aber ich weiß es nicht: Ich habe nur 20 Bundesligaspiele gemacht, bei jungen Spielern reichen mittlerweile auch schon drei gute Spiele für eine Marktsteigerung von zwei oder drei Millionen.

Ob in Hannover geboren, als Talent verpflichtet oder Stammkraft im 96-Nachwuchs: Diese Talente schafften ihren Durchbruch nicht bei 96 und verdienen jetzt woanders mit dem Fußball ihr Geld.

Niko Gießelmann: Der linke Verteidiger wurde 1991 in Hannover geboren. Mit 15 Jahren wechselte er von der SC Langenhagen zu Hannover 96. Dort war er sechs Jahre aktiv, lief in der Reserve der Roten 74 Mal auf (15 Tore, 5 Vorlagen). Mit den Profis auf dem Feld zu stehen, war ihm nicht vergönnt. 2013 wechselte er zu Greuther Fürth, absolvierte 132 Spiele im Kleeblatt-Dress und ist aktuell Stammspieler beim Bundesligaaufsteiger Fortuna Düsseldorf.  Zur Galerie
Niko Gießelmann: Der linke Verteidiger wurde 1991 in Hannover geboren. Mit 15 Jahren wechselte er von der SC Langenhagen zu Hannover 96. Dort war er sechs Jahre aktiv, lief in der Reserve der "Roten" 74 Mal auf (15 Tore, 5 Vorlagen). Mit den Profis auf dem Feld zu stehen, war ihm nicht vergönnt. 2013 wechselte er zu Greuther Fürth, absolvierte 132 Spiele im "Kleeblatt"-Dress und ist aktuell Stammspieler beim Bundesligaaufsteiger Fortuna Düsseldorf.  ©

Es hätten 40 Bundesligaspiele sein können …

Das stimmt. Wegen der Verletzungen sind es leider weniger.

Sie werden von Ihrem früheren Pfefferwerk-Trainer und Ihrer Mutter Antje bodenständig beraten. Trotzdem sollen Sie eher ein wilder Junge in der 96-Jugend gewesen sein. André Breitenreiter hat anfangs gesagt, Sie sollten mal die leeren Flaschen aus Ihrem Zimmer räumen. Was ist von dem wilden Jungen noch übrig?

Wenn man jung ist, sollte man auch leben dürfen, denke ich. Im 96-Internat war es so, dass wir unsere leeren Wasserflaschen abgeben mussten, das habe ich dann ein paarmal nicht gemacht. Ich war halt jung, bin immer noch jung, sehe immer noch gern meine Jungs. Aber ich weiß mittlerweile schon, worauf es ankommt. In der A-Jugend hat es Klick gemacht bei mir. Ich habe gemerkt: Wenn ich weiterkommen will, sollte ich ruhiger werden und auf dem Platz noch mehr Gas geben. Ich weiß, was geht und was nicht geht.