13. Januar 2022 / 20:11 Uhr

139. NP-Anstoß: Wer Lorkowski beim Pokaltriumph von 96 "auf den Keks ging"

139. NP-Anstoß: Wer Lorkowski beim Pokaltriumph von 96 "auf den Keks ging"

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hoher Besuch beim 139. NP-Anstoß: die 96-Pokalhelden von 1992, Karsten Surmann (von links), Fritz Willig, Michael Lorkowski und Jörg Sievers.
Hoher Besuch beim 139. NP-Anstoß: die 96-Pokalhelden von 1992, Karsten Surmann (von links), Fritz Willig, Michael Lorkowski und Jörg Sievers. © Florian Petrow
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Im Achtelfinale des DFB-Pokals hat 96 Gladbach zu Gast - 30 Jahre nach dem Triumph in Berlin. Zu Besuch im 139. NP-Anstoß waren passenderweise einige Pokalhelden von 1992. Und der damalige Trainer Michael Lorkowski plauderte aus, wer ihm beim Finale "auf den Keks ging"...

Wenn es so ist, dass Gladbach zurzeit Bayerns Angstgegner ist, dann ist 96 Gladbachs Angstmacher – zumindest im Pokal. Am Mittwoch (18.30 Uhr) kommen die Gladbacher zum Pokal-Achtelfinale nach Hannover. 1997 verloren sie hier bei dem damaligen Regionalligisten nach Elfmeterschießen in der 1. Runde. Und 1992, Pokalfinale in Berlin, na klar...

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30 Jahre nach dem le­gen­dä­ren Pokaltriumph des Zweitligisten über den Bundesligisten trafen sich beim 139. NP-Anstoß in der „Nordkurve“ einige der Helden wieder – und verrieten die letzten Geheimnisse ei­ner Saison, die es so wohl nie wieder geben wird.

Bilder vom 139. Anstoß der Neuen Presse mit 96-Pokalhelden von 1992

Bilder vom 139. Anstoß der Neuen Presse mit 96-Pokalhelden von 1992 Zur Galerie
Bilder vom 139. Anstoß der Neuen Presse mit 96-Pokalhelden von 1992 © Florian Petrow

Der damalige Präsident Fritz Willig wusste schon vorm Halbfinale gegen Werder Bremen: „Elfmeterschießen ist eine Glückssache, deshalb haben wir eine minimale Chance.“ Pokalsieger-Kapitän Karsten Sur­mann wollte nun von Glücksspielen zugunsten von 96 nichts wissen: „Das Finale gegen Gladbach ha­ben wir sogar verdient ge­won­nen.“


Bis dahin war es ein kurioser Weg gewesen. 96 war ein mittelmäßiger Zweitligist, aber: „Wir haben uns gesagt, dass wir im Po­kal für Furore sorgen können“, erzählte Lor­kows­ki. In der dritten Runde bei Bo­rus­sia Dortmund schien die Reise dann aber zu Ende zu sein. 96 lag 0:2 hinten, Lorkowski sagte seinen Spielern in der Pause: „Wir spielen am Wochenende in Meppen, holt euch hier keine Klatsche ab.“

Rehhagel erweist sich als schlechter Verlierer

Was Dortmunds Stürmerstar Stephane Chapuisat „verballert hat, geht auf keine Kuhhaut, den hätte ich nie wieder aufgestellt“. 96 siegte noch 3:2, „die Dortmunder haben mir leidgetan, so unverdient hat noch kein Team gewonnen“.

Aber jetzt lief 96 in der Pokalsaison 1991/92 zur Hochform auf – so wie Lorkowski auch wieder, 30 Jahre später. Der Trainerheld verriet, dass sich Werder-Trainer Otto Rehhagel nach der Halbfinalniederlage der Bremer im Elfmeterschießen als schlechter Verlierer präsentiert ha­be: „Er hat zu mir gesagt: ‚Jetzt hat das Volk ja seine Sensation.‘ Da habe ich ge­sagt: ‚Ihr habt ja nichts da­zu beigetragen.‘“

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Auch an das Finale hat Lorkowski seine speziellen Erinnerungen: „Der Knackpunkt war, dass wir die Gladbacher beim Ab­schluss­trai­ning im Olympiastadion beobachtet ha­ben. Die haben trainiert, als ob sie in der Saisonvorbereitung waren. Schönberg-Christensen sagte zu mir: ‚Machen die nicht ein bisschen viel?‘ Ich sagte: ‚Das werden wir morgen im Spiel sehen.‘“

Beim Finale ging ZDF-Reporterlegende Rolf Töpperwien dem 96-Trainer „auf den Keks, der wollte so­gar in der Halbzeit filmen“. Und als Lorkowski nach der Pressekonferenz in der Kabine kam, wer war schon da: „Der Töpperwien.“

Einen Traum konnte sich Lorkowski trotz des Pokalsieges nicht erfüllen: „Ich wollte mehr und Bundesliga-Trainer werden – das ha­be ich nicht geschafft.“

In dieser legendären Pokalsaison „nahmen unsere Freunde zu wie Runde für Runde die Zuschauer“, be­rich­te­te Ex-Boss Willig.

Re-Live: 139. NP-Anstoß

Das hätten sie bei 96 heute auch wieder gern. Der gerade von Schalkes Simon Terodde als Zweitligarekordtorschütze abgelöste Dieter Schatzschneider hält Christoph Da­brows­ki für eine gute Trainerwahl: „Er hat die Chance beim Schopfe gepackt. Jetzt muss er durch Leistung und Punkte bestätigen, dass er sich einen langfristigen Vertrag verdient hat.“