22. Juli 2021 / 20:05 Uhr

Martin Kind beim 134. NP-Anstoß: "Wir mussten die Wohlfühloase 96 beenden"

Martin Kind beim 134. NP-Anstoß: "Wir mussten die Wohlfühloase 96 beenden"

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Fünferkette beim 134. NP-Anstoß: Dieter Schatzschneider (von links), Martin Kind, Christoph Dannowski, Marcus Mann und Andreas Willeke.
Die Fünferkette beim 134. NP-Anstoß: Dieter Schatzschneider (von links), Martin Kind, Christoph Dannowski, Marcus Mann und Andreas Willeke. © Florian Petrow
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Die Vorbereitung neigt sich dem Ende zu, am Samstag geht's für 96 in Bremen erstmals wieder um Punkte. Wie ist die Lage bei den Roten? Wer könnte das besser beurteilen als Boss Martin Kind und Sportdirektor Marcus Mann? Die beiden waren am Donnerstag zu Gast beim 134. NP-Anstoß - hier zu sehen im Video.

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Der Rückblick tut Martin Kind immer noch weh. „In der abgelaufenen Saison haben wir alle Ziele nicht erreicht, Platz 13 war desaströs.“ Kein Wunder, dass die Gemütslage auch viele Wochen später noch „deutlich durchwachsen“ ist. Immerhin haben 96 und der Profiboss Schlüsse daraus gezogen. „Wir mussten die Wohlfühloase 96 beenden, Leistungsgedanken und -bereitschaft wieder stärker umsetzen“, erläuterte Kind am Donnerstagabend beim NP-Talk „Anstoß“. Dafür hat er mit Jan Zimmermann als Trainer und Marcus Mann als Sportchef ein frisches Duo geholt. 

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Deren Chemie stimme, den Aufstiegsdruck aus früheren Zeiten verkneift Kind sich trotzdem. „Wir brauchen Zeit, um die Strukturen zu stärken. Aber ich bin sehr hoffnungsvoll“, sagt der Boss. „Wir planen mittelfristig. 96, die Stadt Hannover, die Fans gehören in die 1. Liga. Wiederaufstieg ja - aber in einer realistischen Zeiteinheit. Innerhalb von drei Jahren.“

Bilder vom 134. NP-Anstoß mit Martin Kind und Marcus Mann

Bilder vom 134. NP-Anstoß mit Martin Kind und Marcus Mann Zur Galerie
Bilder vom 134. NP-Anstoß mit Martin Kind und Marcus Mann ©

Im Kader wird’s dafür aber erst mal keinen ganz großen Umbruch geben. Der war „nicht möglich, aber auch nicht notwendig“, sagt Manager Mann. „Die Jungs ziehen sehr gut mit, charakterlich passt das gut zusammen.“

Lobende Worte für Julian Börner

Auf einen weiteren Neuen hat sich 96 trotzdem schon geeinigt: Innenverteidiger Julian Börner steckt aber noch im Vertragslimbo fest mit Sheffield Wednesday. Kind ist begeistert vom Kandidaten: „Ein super Spieler, ein toller Typ. Eine so positive Ausstrahlung habe ich selten erlebt bei einem Spieler. Aber er hat in Sheffield noch einen Arbeitsvertrag.“ Betonung auf noch. 

Dass der Kader nicht bis zum Start in Bremen steht, war abzusehen. Wo 96 genau steht, weiß auch niemand. Manager Mann ist immerhin zuversichtlich. „Ich würde lügen, wenn ich sage: Wir wissen gerade genau, wo wir stehen. Aber das wissen die anderen Mannschaften auch nicht. Wir fahren nicht nach Bremen, um uns zu verstecken, und werden uns nicht kleiner machen als wir sind.“

96-Kultkicker Dieter Schatzschneider ist ebenso optimistisch fürs Spiel gegen den Absteiger: „Bei Werder ist auch viel Theater, da sind viele Spieler, die gar nicht wissen, ob sie bleiben werden. Da ist für uns ein Punkt drin. Unsere Mannschaft wächst mit Selbstvertrauen.“

Re-LIVE: der 134. NP-Anstoß

Selbstvertrauen würden in dieser Saison sicher auch Fans im Stadion bringen. Allerdings sorgte zuletzt die Erhöhung der Ticketpreise für Unmut. Kind wirbt für Verständnis, räumt aber einen Fehler ein. „Als ich am Morgen mit der NP begonnen habe und lese ‚Ticketpreise um 50 Prozent erhöht‘, war meine Stimmung direkt schlecht. Das ist nur in einer Position – W10, 11, 18, 19 – aber: Wir können uns nur entschuldigen, in der einen Position haben wir uns geirrt. Wir werden das korrigieren.“

Preisfrage nur eine Phantomdebatte?

Allerdings betonte der 96-Boss noch einmal: „Wir haben die Preise in Bezug auf 2019/20 um 13 Prozent erhöht, nicht mehr! Für die Saison 2020/21 hatten wir die Preise gesenkt, weil wir dachten, in der Pandemie sollten wir ein Signal senden.“ Dann durften gar keine Fans rein. 

Gut möglich leider, dass die Preisfrage fürs erste Phantomdebatte bleibt. Die Coronazahlen steigen, auch in Region und Stadt Hannover. Liegt die Inzidenz länger überm Schwellenwert 35, kann 96 nicht mit rund 50 Prozent Auslastung planen. Dann dürften stattdessen nur ein paar Hundert rein. „Das wäre eine Katastrophe“, sagt Kind. „Wir haben zwei Jahre ohne Zuschauer gespielt, die Einnahmen haben uns zwei Jahre gefehlt. Wenn wir diese Saison wieder ohne Zuschauer spielen, wird die deutsche Bundesliga nicht überlebensfähig sein." 

Da ist sie wieder, die durchwachsene Gemütslage. Ein Sieg in Bremen könnte die aber sicher bessern.

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