17. November 2021 / 20:18 Uhr

Ex-Profi Martin Harnik beim 137. NP-Anstoß: "96 müsste als Team auftreten"

Ex-Profi Martin Harnik beim 137. NP-Anstoß: "96 müsste als Team auftreten"

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Harnik, früher bei 96 auf Torejagd, war zu Gast beim 137. Anstoß der Neuen Presse.
Martin Harnik, früher bei 96 auf Torejagd, war zu Gast beim 137. Anstoß der Neuen Presse. © Florian Petrow
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Die Luft wird zunehmend dünner für 96, der Druck steigt - auch auf Trainer Jan Zimmermann. Beim 137. NP-Anstoß betonte Ex-Profi Martin Harnik, dass "Hannover einen vernünftigen Kader hat, aber als Team auftreten müsste, um erfolgreich zu sein". Zu einer Rückkehr sagte er "nicht komplett nein".

Um 19.06 Uhr stellte Moderator Christoph Dannowski beim 137. NP-Anstoß die entscheidende Frage: „Martin, kehrst du in der Winterpause zu 96 zurück?“ Die Nordkurve jubelte. Gemeint war Stargast Martin Harnik, der 2017 Hannover zum Bundesligaaufstieg geschossen hatte, jetzt beim Hamburger Oberligisten TuS Dassendorf kickt – und schon 19 Saisontore vorzuweisen hat. Und man muss wissen, dass 96 ein akutes Stürmerproblem hat. Stürmer, die nicht treffen.

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Harnik ist ein charmanter Kerl. Und deshalb sagte er „nicht komplett nein“. Sondern: „Das war ja meine erfolgreichste Zeit in Hannover. Ich würde es mir überlegen, wenn Schatzi der Stürmertrainer wäre, der kann mir Selbstvertrauen geben.“

Bilder vom 137. NP-Anstoß mit Martin Harnik

Bilder vom 137. NP-Anstoß mit Martin Harnik Zur Galerie
Bilder vom 137. NP-Anstoß mit Martin Harnik © Florian Petrow

Gemeint war 96-Legende Dieter Schatzschneider. Doch der ist nicht Stürmertrainer, sondern Chefkritiker. Und schoss sich erst mal so warm: Das 1:1 zuletzt in Düsseldorf zuletzt „war ein glücklicher Punkt, und ich bin nicht zufrieden“. Das war noch harmlos.

Schatzschneider weiter: „Ich habe diesen ganzen Umbruch bis heute nicht verstanden. Es sind ja elf Neue gekommen. Und es wurde versprochen, dass ganz viele junge Spieler nach oben kommen, aber null.“ Wen würde der Noch-Zweitligarekordtorschütze (zusammen mit Schalkes Simon Terodde) denn bringen? „Den Ennali, unbedingt.“

Richter wünscht sich Umbruch an anderer Stelle

Schatzschneider macht sich größte Sorgen: „Meine Freunde sagen immer: Wir steigen ab. Ich sage immer, es gibt noch drei, vier schlechtere Mannschaften. Wenn wir nicht ein Abstiegskandidat sind, wer dann?“ Er rechnet so: „Aus den nächsten fünf Spielen mindestens sieben Punkte holen, um nicht abzusteigen.“ Am Freitag gegen Paderborn „müssen wir gewinnen, das ist klar. Wie die Herren, die uns da reingebracht haben, das anstellen, ist mir schnurz.“

Michael Richter vom kicker urteilte etwas milder, aber: „Ich glaube, dass in diesem Verein der Umbruch an einer anderen Stelle stattfinden muss. Manager Mann ist gut, aber unerfahren, Trainer Zimmermann auch.“


Re-Live: 137. NP-Anstoß

Schatzschneider trat aber gleich wieder aufs Gaspedal: „Da steckt gutes Potenzial in der Mannschaft, das müsste auch mal einer wecken – mit der richtigen Aufstellung und der richtigen Taktik. Gegen Schalke stehst du vor 40 000 Zuschauern hinten drin.“ Klare Kritik an Trainer Zimmermann.

Richter ergänzte: 96 habe „eine Mannschaft von guten Einzelspielern, aber keine Einheit. Und wenn du die nicht hast, stehst du da, wo du stehst.“ Eine weitere Heimpleite gegen Paderborn sei ein „Horrorszenario“.

Harnik genießt die Zeit ohne Bundesliga

Unaufgeregt dagegen Harnik, der ja nur noch Hobbykicker ist. Das 96-Spiel in Düsseldorf hat er nicht gesehen. „Ich genieße die Zeit außerhalb des Fußballs, habe privat auch so viel zu tun, dass ich mich nicht samstagnachmittags noch vor den Fernseher setze.“

Harnik meint: „Hannover hat einen vernünftigen Kader, müsste aber als Team auftreten, um erfolgreich zu sein.“ Er kennt 96-Torlosstürmer Lukas Hinterseer aus der gemeinsamen Zeit beim HSV und der österreichischen Nationalmannschaft: „Er ist ein Strafraumstürmer, er muss gefunden werden.“

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Hat der Stürmer Harnik zu früh aufgehört? „Vielleicht“, sagte er in der Nordkurve, „ich denke, dass ich zwei, drei Profijahre noch im Tank gehabt hätte. Das war eine Entscheidung zugunsten der Familie.“ Jetzt kickt er in Dassendorf: „Wir haben, wenn es hochkommt, 300 Zuschauer – und davon haben sich 50 verlaufen.“ Er habe sich „bewusst für die 5. Liga entschieden, das ist überschaubar“. 

Mit 96, das wird wohl leider nichts mehr.