06. Februar 2020 / 11:50 Uhr

Ex-96-Spieler Lothar Sippel warnt Hannover: "Müssen den Abstiegskampf annehmen" 

Ex-96-Spieler Lothar Sippel warnt Hannover: "Müssen den Abstiegskampf annehmen" 

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Am Boden: Nach der 
1:3-Heimpleite gegen Unterhaching am 19. Mai 1996 sitzt Kreso Kovacec mit leerem Blick auf dem Rasen des Niedersachsenstadions, Carsten Linke hilft ihm hoch. Die Niederlage am 31. Spieltag war gleichbedeutend mit dem Abstieg in die 3. Liga.
Am Boden: Nach der 1:3-Heimpleite gegen Unterhaching am 19. Mai 1996 sitzt Kreso Kovacec mit leerem Blick auf dem Rasen des Niedersachsenstadions, Carsten Linke hilft ihm hoch. Die Niederlage am 31. Spieltag war gleichbedeutend mit dem Abstieg in die 3. Liga. © Ulrich zur Nieden
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Vor 24 Jahren stieg Hannover 96 das erste und bisher einzige Mal in die 3. Liga ab. In die Saison 1995/96 war 96 eigentlich mit dem Ziel Rückkehr in die Bundesliga zum 100. Vereinsgeburtstag gegangen. Damals mit dabei war Lothar Sippel. Der Ex-Profi (Hannover, Dortmund, Frankfurt) erinnert sich – und warnt 96 vor einem ähnlichen Horrorszenario. 

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19. Mai 1996: Zweitligist 96 verliert zu Hause 1:3 gegen Unterhaching, knapp 18 000 Zuschauer sehen den Quasi-Abstieg in die Regionalliga am 31. Spieltag. Das aber auch nur, weil der Reiseriese TUI dafür sorgt, dass jede Eintrittskarte 5 Mark kostet. Was aber die 96-Profis nicht daran hindert, eine sehr sparsame Vorstellung zu bieten. „Wir verlangen von den Profispielern, dass sie sich auch wie solche verhalten. Jeder Zuschauer, der 4000 Mark im Monat verdient, hat ein Recht auf absoluten Einsatz von Profis, die das Drei- bis Vierfache verdienen“, schreibt Präsident Klaus-Dieter Müller hinterher in einem Fax an die Zeitungsredaktionen.

Mark, Fax – ja, das ist lange her. Aber die Dreipunkteregel gab es immerhin schon. Nach 34 Spieltagen hatte 96 nur 37 Zähler gesammelt, stieg als Drittletzter direkt in die 3. Liga (damals Regionalliga) ab. Zum bislang einzigen Mal. Zum Vergleich: Nach 20 Partien, so viele sind in dieser Zweitliga-Saison gespielt, stand 96 damals bei 23 Punkten. Das aktuelle Team hat 22 Punkte...

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Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  Zur Galerie
Der Schnee stoppt den Ball vor der Linie, Gelb-Rot binnen weniger Sekunden aufgrund des Torjubels, ein Trainer ohne Lizenz oder ein verbotenes Reißverschluss-Trikot? Das alles gab es wohl nur bei Hannover 96. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Roten für Lacher, Kopfschütteln oder Kuriositäten gesorgt. Wir haben die besten Momente herausgesucht und zusammengestellt.  ©
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Sippel warnt 96 vor 1996

Lothar Sippel spielte von 1994 bis 1996 in Hannover. „Ich wurde geholt, weil man um mich herum eine Mannschaft aufbauen wollte, die zum 100. Vereinsgeburtstag wieder in der 1. Liga spielen sollte“, erinnert sich der heute 54-Jährige. Der Trainer hieß Rolf Schafstall, nach dem 11. Spieltag aber nicht mehr. 96 war auf Abstiegsrang 16 abgerutscht, Peter Neururer übernahm. Der wurde nach dem 32. Spieltag entlassen, bekam anschließend Stadionverbot von Boss Müller, obwohl 96 Zwölfter und gerettet war. Übergangs­coach wurde Milos Djelmas. Der Pokalheld durfte das schon langsam sinkende rote Boot noch einmal in den Zweitligahafen bringen.

Dann eben der Aufstieg im Jubiläumsjahr. Mit Egon Coordes als Trainer. Nach 22 Spieltagen und einem 0:2 in Lübeck war’s für Coordes vorbei, 96 stand da, wo das Team auch am Ende stehen sollte: Platz 16. Co-Trainer Jürgen Stoffregen konnte die Saison nicht mehr retten. Am 8. Juli 1996 vermeldete Hannover den Fußball-Gau, den Abstieg in die 3. Liga, pünktlich zur 100-Jahr-Feier. Schlechter kann ein Timing nicht sein.

Damals wie heute „hatte 96 eigentlich eine gute Mannschaft, wenn man nach den Einzelspielern geht“, erinnert sich Sippel, der in der Abstiegssaison fast die gesamte Rückrunde verletzt verpasste. Die Pokalsieger Jörg Sievers, Jörg-Uwe Klütz und Matthias Kuhlmey, Roger Prinzen, Reinhold Daschner, anfangs noch die Ex-Bremer Uwe Harttgen und Günter Hermann, den Weltmeister ohne Einsatz. Carsten Linke, Marco Dehne, Kreso Kovacec oder Niclas Weiland – damit sollte der Aufstieg in Angriff genommen werden. Es reichte nicht mal für die 2. Liga. „Jeder versteckte sich hinter dem anderen, keiner wollte Verantwortung übernehmen“, erzählt Sippel. „Aber dass wir absteigen können, wollte lange keiner wahrhaben.“

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"Man braucht auch die dreckigen Siege wie gegen Kiel, Dresden oder Aue."

Das scheint aktuell ähnlich zu sein. Sippel warnt: „96 muss den Abstiegskampf annehmen, schleunigst die Kurve kriegen und dabei die Fans mitnehmen.“ Als gutes Datum für den Turnaround sieht der Ex-Stürmer das Heimspiel am 15. Februar gegen den Hamburger SV: „Solche Gegner, gegen die man mitspielen kann, liegen 96 besser – das hat das 2:2 vor Weihnachten gegen Stuttgart gezeigt.“ Allerdings: „Man braucht auch die dreckigen Siege wie gegen Kiel, Dresden oder Aue.“ Sonst könne 96 tatsächlich absteigen.

Und das, weiß Sippel um die dramatische Situation, wäre für die Fußballstadt Hannover eine „totale Katastrophe“. Schlimmer noch als 1996: „Damals hatte 96 ja schon jahrelang in der zweiten Liga gespielt, dieses Mal würden sie ja von der ersten bis in die dritte Liga durchgereicht – ich mag gar nicht daran denken.“

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