20. April 2018 / 10:40 Uhr

Hannover 96: Manager Horst Heldt denkt an das Aus des Videobeweises

Hannover 96: Manager Horst Heldt denkt an das Aus des Videobeweises

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wechselgedanken: 96-Manager Horst Heldt möchte beim VfL Wolfsburg unterschreiben.
Wechselgedanken: 96-Manager Horst Heldt möchte beim VfL Wolfsburg unterschreiben. © imago/DeFodi
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Der Videobeweis in der Fußball-Bundesliga sorgt weiter für ungewollten Gesprächsstoff. 96-Manager Horst Heldt ist grundsätzlich für den Extraschiri, kann sich aber ein vorzeitiges Ende der Technik vorstellen. Unter gewissen Umständen.

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"Es ist dringend notwendig, den Videobeweis klar zu definieren. Damit alle Menschen am Fernseher, auf dem Spielfeld, auf der Bank und im Stadion als Zuschauer die Entscheidungen verstehen", sagt 96-Manager Heldt. Er fordert ein klares Regelwerk. "Das würde auch die Schiedsrichter unterstützen und sie nicht durch eine Regelauslegung, die wachsweich ist, immer im Regen stehen zu lassen."

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Denn mal werde ein für den Videoschiedsrichter klares Foul auf dem Platz geahndet, "ich kann mich aber auch an andere Szenen erinnern, da greift der Videoschiedsrichter nicht ein. Die unterschiedliche Herangehensweise irritiert halt alle", sagt Heldt.

Videobeweis: Internationale Pressestimmen zur dauerhaften Einführung

Eher negativ reagiert die internationale Presse auf die Einführung des Videobeweises. Der SPORTBUZZER hat die ersten Reaktionen gesammelt. Zur Galerie
Eher negativ reagiert die internationale Presse auf die Einführung des Videobeweises. Der SPORTBUZZER hat die ersten Reaktionen gesammelt. ©

"Was, wenn der Torwart auf Toilette ist?"

Einen weiteren Höhepunkt für die Debatte um den Videobeweis gab's beim Montagsspiel zwischen Mainz 05 und dem SC Freiburg (2:0): das Handspiel eines Freiburgers kurz vor der Halbzeitpause, für das Schiedsrichter Guido Winkmann erst einen Elfmeter gab, als die Spieler schon runter vom Platz und in den Katakomben des Stadions waren. Videoschiedsrichterin Bibiana Steinhaus aus Hannover hatte ihren Kollegen in Mainz erst nach dem Pausenpfiff erreicht.

"In meinem Empfinden geht es da nicht drum, ob das regelkonform, richtig oder falsch ist. Aus Fingerspitzengefühl hätte man das einfach laufen lassen müssen", sagt Heldt. "Ich hätte es spannend gefunden, wenn die Spieler einfach gesagt hätten: Wir kommen nicht noch mal raus. Was wäre denn dann gewesen? Oder wenn der Torwart gerade auf der Toilette ist?" Spricht es und lacht – Galgenhumor.

Das ist das Restprogramm von Hannover 96:

Samstag, 05. Mai, 15:30 Uhr: Hannover 96 - Hertha BSC. Zur Galerie
Samstag, 05. Mai, 15:30 Uhr: Hannover 96 - Hertha BSC. ©

Videoschiri tut 96 weh

Auch Hannover hat die Macht des Videoschiedsrichters schon am eigenen Leib zu spüren gekommen. Beim vermeintlichen 3:3-Ausgleich durch Niclas Füllkrug gegen RB Leipzig schaltete sich der Assistent am Bildschirm ein – und ließ den Treffer wegen angeblichen Abseits zurückpfeifen. „Wo ist das Abseits? Das war mindestens gleiche Höhe. Es nervt kolossal", hatte Heldt danach gepoltert - und später den ganzen Videobeweis in Zweifel gezogen.

Eigentlich sei er ein Freund der Technik, betont der 96-Manager. "Aber mir fällt es mittlerweile schwer, das so zu sagen. Weil es zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar und eindeutig läuft. Wenn man das nicht hinbekommt und nicht absehbar ist, dass man es hinbekommt, dann muss man darüber diskutieren, ob es so sinnhaft ist." Dann geht es nicht nur um Anpassungen, sondern eben auch um ein mögliches Aus des Videobeweises. Vor allem aber gehe es darum, "dass man es besser macht".

Bei allen Problemen dürfe bei der Bewertung aber nicht vergessen werden, dass es schon "viele Situationen gegeben hat, bei denen der Videobeweis Gerechtigkeit herbeigeführt hat", sagt Heldt. Aber Szenen wie in Mainz "führen immer dazu, dass man zweifelt".

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"Klare Kante zeigen"

Der Druck auf die Entscheider könnte sich erhöhen. "Ich würde mir wünschen, dass alle klare Kante zeigen. Schiedsrichter, DFL, damit wir nach oben Druck ausüben können", fordert der Manager und hält ein beeindruckendes Plädoyer: "Am Ende sind es immer die gleichen, die betroffen sind von Entscheidungen: Zuschauer sind betroffen, die Trainer, die Spieler, die Manager, die Menschen am Fernseher. Und der eine oder andere ist halt nicht betroffen, der aber ganz viel mitreden will oder mitredet. Das sind Leute, die sind sehr wenig betroffen."

Und genau die entscheiden letztlich über Für und Wider des Videobeweises. Zeit, dass sich etwas ändert – für den Fußball. Und für alle Beteiligten.