01. März 2018 / 08:44 Uhr

96-Manager Horst Heldt: "Hier läuft etwas falsch"

96-Manager Horst Heldt: "Hier läuft etwas falsch"

Tobias Manzke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Manager Horst Heldt.
96-Manager Horst Heldt. © imago/Revierfoto
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Horst Heldt befürchtet, dass sich der aktuelle Konflikt zwischen Vereinsführung und Fanszene nachhaltig negativ auf Hannover 96 auswirkt. "Wir sind an einen Punkt gekommen, an dem wir entscheiden müssen, was wir wollen – alle zusammen", sagt der Manager.

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Es könnte alles so schön sein in Hannover: 96 spielt als Aufsteiger eine hervorragende Saison, hat mehr Tuchfühlung zum internationalen Geschäft als zu den Abstiegsrängen. Die Profis beeindrucken seit Saisonbeginn mit starker Moral und Leistung. Glückselig könnte sie also sein, die 96-Welt. Aber sie befindet sich in arger Schieflage. Ob sich diese korrigieren lässt, ist nach den jüngsten Ereignissen mehr denn je fraglich.

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Ein Rückblick: Vor dem Spiel am vergangenen Wo­chenende gegen Gladbach eskalierte in der HDI-Arena der Konflikt zwischen der Vereinsführung und den Ul­tras. Der Club hatte die für den vergangenen Montag geplante Podiumssitzung platzen lassen. Die aktive Fanszene setzte daraufhin ihren Stimmungsboykott im Stadion nicht nur fort, sondern sang auch massiv ge­gen Clubboss Martin Kind. Das Spiel: uninteressant.

Manager Horst Heldt ließ seinem Frust freien Lauf. „Mich kotzt hier alles an. Wir beschäftigen uns mit allem anderen, nur nicht mit Fußball. Deswegen haben wir es auch nicht anders verdient“, sagte der Manager. Seitdem schwieg Heldt in der Öffentlichkeit. Bis gestern. In einem Interview mit der „Welt“ sagte Heldt: „Wir sind an einen Punkt gekommen, an dem wir entscheiden müssen, was wir wollen – alle zusammen.“

„Alle zusammen“, sagte Heldt. Worte, die sich nicht nur auf die Ultras beschränken, sondern wohl auch den Verein und Boss Kind einschließen. Dessen Meinung zu den Ultras ist bekannt. „Warum kommen sie überhaupt? Sie reden immer von Unterstützung und wirken doch nur destruktiv. Das Einfachste ist doch, dass sie wegbleiben“, sagte Kind.

Zitate von André Breitenreiter zum Stimmungs-Boykott bei der 96-Niederlage gegen Gladbach

Ich habe eine solche negative Atmosphäre noch nie erlebt. Damit haben wir nicht gerechnet. Das hat die Jungs berührt. Wir haben das in der Halbzeit angesprochen. Zur Galerie
"Ich habe eine solche negative Atmosphäre noch nie erlebt. Damit haben wir nicht gerechnet. Das hat die Jungs berührt. Wir haben das in der Halbzeit angesprochen." ©

Es wirkt nach außen, als gäbe es bei der internen Bewertung des Themas eine unterschiedliche Auffassung. Ist das wirklich so?

Ob er sich wünschen würde, dass Kind mal einen Schritt auf die Fans zu macht, fragte die „Welt“ den Manager. „Es geht nicht darum, was ich mir wünsche. Ich will nur den Finger heben und sagen: Hier läuft etwas falsch. Wir könnten so viele Fußballfeste feiern, wir könnten alle von der tollen Saison profitieren. Aber das tun wir leider nicht“ lautete Heldts Antwort.

Der Manager befürchtet, dass die gegenwärtige Schieflage bei 96 noch mehr in die falsche Bahn leiten könnte. „Es gibt viele Gründe, Fußballprofi zu werden; einer der entscheidenden ist, Leute zu begeistern. Wenn ich das nicht mehr schaffe und daran nicht mal selbst schuld bin, ist das unglaublich frustrierend. Mir als Manager, der Spieler holen oder zum Bleiben bewegen muss, würden so irgendwann die Grundlagen meiner Tätigkeit entzogen“, so Heldt.

Horst Heldt: Seine Karriere in Bildern

Der 1. FC Köln verpflichtete den jungen Horst Heldt 1987 für die Jugendabteilung. Bei den „Geißböcken“ schaffte es Heldt bis zu den Profis, absolvierte 130 Spiele für die Kölner und verpasste 1991 nur knapp den DFB-Pokalsieg. Zur Galerie
Der 1. FC Köln verpflichtete den jungen Horst Heldt 1987 für die Jugendabteilung. Bei den „Geißböcken“ schaffte es Heldt bis zu den Profis, absolvierte 130 Spiele für die Kölner und verpasste 1991 nur knapp den DFB-Pokalsieg. ©
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Dazu gehört auch das Verlängern von Profiverträgen oder die Verpflichtung neuer Spieler für 96. In der aktuellen Lage sicher kein einfaches Unterfangen. Laut Heldt zählen fünf Punkte dazu: Ligasicherheit, Per­spektive, Geld, Bedingungen – und Atmosphäre. „Auch dafür stehen wir leider aktuell nicht. Und das macht es so bitter, weil der letzte Punkt derjenige ist, den wir am leichtesten beeinflussen könnten“, sagte Heldt.

Es gab nicht wenige Stimmen, die nach den Heldt-Aussagen dachten, dass der 96-Manager, an dem schon Köln baggerte und der jetzt auch in Wolfsburg und Hamburg gehandelt wird, seinen Abgang vorbereitet. „Dem ist nicht so. Ich will hier meiner Verantwortung gerecht werden“, sagte er.