28. April 2021 / 07:26 Uhr

Entscheidung zu Kinds 77. Geburtstag erwartet: Kocak und Zuber vor dem 96-Aus

Entscheidung zu Kinds 77. Geburtstag erwartet: Kocak und Zuber vor dem 96-Aus

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Stehen vor dem AUs: 96-Boss Martin Kind könnte Kenan Kocak (eingeklinkt, links) und Gerhard Zuber an seinem 77. Geburtstag entlassen.
Stehen vor dem AUs: 96-Boss Martin Kind könnte Kenan Kocak (eingeklinkt, links) und Gerhard Zuber an seinem 77. Geburtstag entlassen. © picture alliance/dpa
Anzeige

An diesem Mittwoch feiert 96-Chef Martin Kind seinen 77. Geburtstag. An diesem Tag könnte er seine sportlichen Leiter Kenan Kocak und Gerhard Zuber entlassen.

Anzeige

Da kommt ihm sehr gelegen, dass er Geburtstage sowieso eher überschätzt findet. Martin Kind wird an diesem Mittwoch 77 Jahre alt, ein stolzes Alter, das ihn aber nicht davon abhält, möglichst jeden Tag und möglichst viel zu arbeiten. Das bleibt alternativlos für den 96-Chef, das wird er auch am Mittwoch nicht anders halten, am frühen Abend wird es dann aber ein Gläschen Wein mit der Familie geben. Anstoßen geht ja auch per Zoom.

Anzeige

In Partylaune ist Kind zurzeit ohnehin nicht, es läuft bei 96 mal wieder schlechter als erhofft. Feuern statt feiern – das könnte das Geburtstagsmotto sein. Trainer Kenan Kocak und Sportchef Gerhard Zuber haben bei 96 keine Zukunft, das steht fest. Die Trennung ist nur eine Frage des Zeitpunkts.

Mehr zu Hannover 96

Entscheidung bis Mittag?

Kocak ist nach dem Spiel am Sonntag in Sandhausen gleich weitergefahren zu seiner Familie in der Nähe von Mannheim. Seit der 2:4-Niederlage hat er nichts mehr von Kind gehört und nicht mehr mit ihm telefoniert. Die Mannschaft hatte zwei Tage frei, das nächste Spiel wird erst am 7. Mai gegen Darmstadt angepfiffen. Kocak plant, an diesem Mittwoch früh loszufahren und mittags um 13 Uhr das Training zu leiten. So hat er es nach freien Tagen immer gemacht, reiste nie schon am Abend vor dem ersten Trainingstag der Woche an.



Damit ist aber auch klar: Bis zum Mittag sollte dann auch die Entscheidung gefallen sein, ob Kocak noch die letzten vier Saisonspiele bekommt – oder nicht. Gegen Darmstadt (7. Mai), in Kiel (10. Mai), bei St. Pauli (16.Mai) und gegen Nürnberg (23. Mai) – Partien, bei denen experimentiert werden könnte mit Spielern aus der zweiten oder dritten Reihe. Es sieht eher nicht danach aus, dass das noch unter der Anleitung Kocaks geschieht. Nach dem 3:1 gegen Regensburg hatte Kocak noch eine Minichance, seinen Vertrag bis 2023 zumindest übers Saisonende hinaus erfüllen zu können. Die Niederlage in Sandhausen hat Kind aber den letzten Anstoß gegeben: So geht es nicht mehr weiter. Keine Entwicklung, keine 96-typische DNA wie versprochen – und keine Hoffnung, dass das besser werden könnte.

Zuber beim Bereichsleitertreffen noch dabei

Dass Kocak mit Michael Esser und Simon Falette ausgerechnet zwei Spieler in den Rücken gefallen sind, für die er gekämpft hat, ist besonders bitter für den 40-Jährigen. Torwart Esser und Fa­lette verschuldeten je zwei Tore in Sandhausen, damit die Niederlage und das endgültige Aus. Falette, Kocaks Wunschspieler, ist in der Mannschaft schon lange unten durch. „Mein größtes Missverständnis“, räumt Kocak ein. Für die anderen Transferflops wie Patrick Twumasi und Jaka Bijol kommt Zuber in die Verantwortung. Die nie eingestandenen und auch nicht offen ausgetragenen Probleme zwischen Kocak und Zuber sind das Oberthema des gemeinsamen Scheiterns. Kind hat zu lange geglaubt, die beiden sportlichen Leiter würden sich zusammenraufen. „Das bekomme ich hin“, hat er vergeblich gehofft.

Beim 96-Bereichsleitertreffen, wegen Kinds Geburtstag um einen Tag vorgezogen, war Zuber am Dienstag noch dabei. Seit einigen Wochen sitzt auch Aufsichtsrat Bastian Hellberg mit am Tisch. Was aber keine Rückschlüsse auf zukünftige Rollenverteilungen in der 96-Spitze zulässt. Kind versuchte Dienstag in vielen Gesprächsrunden, eine Lösung vorzubereiten. Gremien wie der Profiaufsichtsrat müssen formelle Beschlüsse fassen. Die Trennung kostet auch Geld, das 96 nicht hat. Etwa 600 000 Euro Abfindung sollen für Kocak und Zuber fällig werden. Und es muss jemand auf dem Platz stehen, womöglich U23-Trainer Christoph Dabrowski. Trainerkandidat bleibt Steffen Baumgart, ein Sportchef müsste auch kommen. Noch ist vieles offen – vielleicht lichtet sich an diesem Mittwoch der Nebel ein bisschen.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!