10. November 2021 / 07:27 Uhr

Kind gibt Irrtum zu: Trennt sich 96 schnell wieder von Robert Schäfer?

Kind gibt Irrtum zu: Trennt sich 96 schnell wieder von Robert Schäfer?

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Für Robert Schäfer (links) und 96-Boss Martin Kind ist es anders gekommen, als sie es erhofft hatten.
Für Robert Schäfer (links) und 96-Boss Martin Kind ist es anders gekommen, als sie es erhofft hatten. © Florian Petrow
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Vor wenigen Monaten erst präsentierte 96-Boss Martin Kind ihn als seinen Nachfolger, jetzt steht die Trennung von Robert Schäfer zur Debatte. Denn dass der auch Geschäftsführer der Profigesellschaft wird, schließt der Mutterverein nach wie vor aus. Kind gibt einen Irrtum zu und sagt: "Jetzt müssen wir neue Überlegungen anstellen."

Eigentlich wollte 96-Oberchef Martin Kind die Verantwortung noch in diesem Jahr an Ro­bert Schäfer abgeben, da­raus wird aber nichts. Kind rechnet „nicht mehr in diesem Jahr“ mit einer Entscheidung, wie es mit Schäfer bei 96 weitergeht. Doch es deutet sich immer mehr an, dass es überhaupt nicht weitergeht.

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Seit dem 1. Juli verwaltet Robert Schäfer zwei 96-Gesellschaften (Stadion, Sales & Service). Die Gesellschafter um Kind hatten ihn auserkoren, auch noch Geschäftsführer der übergeordneten 96-Profifirma und damit Kind-Nachfolger zu werden. Dazu wäre aber die Zustimmung des e. V. notwendig. Doch der Mutterverein legte sein Veto gegen Kinds Mann ein. Der e. V. erteilte Kind anfangs sogar eine Weisung. Wichtigster Punkt: „Robert Schä­fer darf (...) keine Tätigkeiten für die KGaA, also für das Profiunternehmen, ausüben.“ Diese Eskalationsstufe soll inzwischen verlassen worden sein.

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Ralf Nestler, der Auf­sichts­rats­vor­sit­zende des Gesamtvereins und der 96-Manage­ment GmbH erklärte jetzt, man sei „auf einem guten Weg“ und „im Konsens mit den Ge­sell­schaf­tern“. Er merkte an: „Uns fehlte lediglich die Information, dass die Kapitalseite nunmehr keinen Gesamtgeschäftsführer mehr sucht, sondern einen Geschäftsführer für die Dienstleistungsgesellschaften von 96 selber aussuchen wollte, was ihr gutes Recht ist.“

Das würde bedeuten, dass Schäfer verantwortlich für das Stadion und den Ticketverkauf bleibt – und noch ein ge­mein­sam abgestimmter Geschäftsführer für die Profigesellschaft dazukommt. Doch das will Kind gar nicht: „96 ist im Mo­ment in der zweiten Liga und unter den gesamten Rahmenbedingungen ein kleines Unternehmen. Da braucht man nicht zwei oder drei Geschäftsführer – vollkommen ausgeschlossen. Die kosten ja auch Geld.“

96-Boss Kind gibt sich selbstkritisch

Was zu der Frage führt, ob eine Trennung im Raum steht. „Das wäre theoretisch mindestens eine Op­tion. Die andere wäre, dass es sich der e. V. doch überlegt, zuzustimmen. Das werden die Gespräche, die man irgendwann führt, dann zeigen“, sagt Kind. Doch 96-Präsident Se­bas­tian Kramer hat wiederholt klargestellt: „Herr Schäfer wird niemals Profichef. Die Suche nach ei­nem neuen Geschäftsführer geht weiter.“

96-Profiboss Kind übt Selbstkritik: „Wir Gesellschafter haben das alles in der Erwartung, dass der e. V. zustimmt, nicht zwingend zu Ende gedacht. Aber das war ein Irrtum – das passiert im Leben. Jetzt müssen wir neue Überlegungen anstellen.“ Kind gibt sich aber entspannt: „Ich bin ja immer noch da – und solange ich da bin, sind wir nicht handlungsunfähig.“


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An einen Rücktritt von Schäfer glaubt Kind nicht: „Ich habe den Eindruck, dass ihm der Job Spaß macht. Ob er diese Situation ganz realistisch einschätzt, kann ich nicht ab­schlie­ßend beurteilen.“ Im Prinzip sei eine Vertragsauflösung „immer möglich“.

Schäfer sagte am Dienstag, dass er der Überzeugung sei, „dass es immer Wege gibt, wenn man im Sinne von 96 miteinander spricht, Lösungen zu finden“. Er hat auch weiter Spaß an seinem Job: „Wir kommen gut voran und können arbeiten.“