25. März 2019 / 07:57 Uhr

Martin Kind gratuliert und warnt: Vorstand soll sich aus Profigesellschaft raushalten 

Martin Kind gratuliert und warnt: Vorstand soll sich aus Profigesellschaft raushalten 

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Präsident Martin Kind will die neue Klubführung des e.V. daran erinnern, dass die Aktivitäten der Profigesellschaft den vier Gesellschaftern obliegen.
96-Präsident Martin Kind will die neue Klubführung des e.V. daran erinnern, dass die Aktivitäten der Profigesellschaft den vier Gesellschaftern obliegen. © Vosshage/Montage
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Die brisante Mitgliederversammlung bei Hannover 96 hat gezeigt, welche Kraft die Opposition des scheidenden Vereinspräsidenten Martin Kind besitzt. Er würdigt die Leistung der neu gewählten Klubführung im Vorfeld der Wahl, will sie aber daran erinnern, dass sie kein Mitspracherecht in der ausgegliederten Profigesellschaft haben. 

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Um 18.35 Uhr war es vorbei, die Mitgliederversammlung formal beendet und damit „der Abschied im e. V. vollzogen, wenn auch nicht so wie erhofft“. Martin Kind ist nicht mehr Vorstand des Breitensportvereins, bleibt aber Geschäftsführer des Profifußball-Unternehmens. „In einem, maximal zwei Jahren“ will Kind auch diesen Posten aufgeben und in den Aufsichtsrat wechseln. Ob 96 dann ein stabiles Gebilde ist, das steht jetzt nicht nur für ihn mehr denn je infrage: „Die Außenwahrnehmung von 96 ist kritisch, das Bild ist stark belastet. Wir brauchen jetzt eine Ge­samt­ru­he.“

Kind gratuliert und würdigt

Wie das Gesamtgebilde 96 bei den Gegensätzen zwischen neuer Führung des e. V. und Gesellschaftern be­friedet werden soll, bleibt offen. „Die Fanszene regiert jetzt und hat den Breitensport und den e. V. übernommen“, sagt Kind, „sie waren gut organisiert und haben ihre Leute super mobilisiert.“

Die Jubelparty nach der Aufsichtsratswahl war für den 74-Jährigen „ein Spielgelbild der Nordkurve“. Dennoch rang sich Kind zur Gratulation durch: „Die Opposition hat überzeugend gewonnen. Herzlichen Glück­wunsch dazu.“

"Wenn nicht, geht man halt getrennte Wege"

Für die Vereinskandidaten hätte er sich allerdings einen anderen Ausgang ge­wünscht: „Es tut mir leid, dass sie keine Chance hatten.“ Kind hat jetzt den Aufsichtsrat und Vorstand, den er nicht wollte. Er will aber auch nicht auf die neue Führung zugehen: „Wir warten jetzt mal gelassen ab. Man kann miteinander reden, muss aber nicht. Dann muss man auch sehen, ob es eine Basis zur Zusammenarbeit gibt. Wenn nicht, geht man halt getrennte Wege.“

Hannover 96 und die Ära Martin Kind. Ein Rückblick.

In einer dramatischen und turbulenten Mitgliederversammlung am 26. September 1997 im Wülfeler Biergarten übernahm der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind von Utz Claassen (war mit Personenschützer gekommen) das Ruder bei 96 und führte den Verein (bis auf kurze Zeit, in der Götz von Fromberg die Ge­schi­cke von 96 leitete) durch Höhen und Tiefen. Erst in den letzten drei Jahren wurde es wieder richtig turbulent. Zur Galerie
In einer dramatischen und turbulenten Mitgliederversammlung am 26. September 1997 im Wülfeler Biergarten übernahm der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind von Utz Claassen (war mit Personenschützer gekommen) das Ruder bei 96 und führte den Verein (bis auf kurze Zeit, in der Götz von Fromberg die Ge­schi­cke von 96 leitete) durch Höhen und Tiefen. Erst in den letzten drei Jahren wurde es wieder richtig turbulent. ©
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Neue Führung soll sich aus Profigesellschaft raushalten

Der Treff- und Knackpunkt wird unausweichlich die 50+1-Regel, die den Einfluss von Investoren begrenzen soll. Kind hat eine Ausnahmegenehmigung beantragt, das Urteil des DFL-Schiedsgerichts wird in Kürze erwartet. Für die neue Klubführung ist 50+1 zentraler Kritikpunkt. Sie prüft, ob es möglich wäre, den Antrag zurückzuziehen. „Es gibt ein Profifußball-Unternehmen und einen eingetragenen Verein“, sagt Kind dazu, „das sind unterschiedliche Aufgaben.“

Heißt auch: Der Vorstand soll sich gefälligst aus der Profigesellschaft heraushalten. „Die KgaA, die S & S und die HDI-Arena gehören den vier Gesellschaftern“, stellt Kind heraus, „falls es mögliche weitere Investoren geben sollte, müssen sie mit uns reden, nicht mit dem Aufsichtsrat oder Vorstand. Wir sind da gesprächsoffen.“ Carsten Linke hatte nach seiner Wahl erklärt, seine Crew habe Gespräche mit Investoren geführt.

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"Wir wollen in der erste Liga spielen, nicht in der vierten"

Aufgeben ist „jetzt kein Thema“ für Kind, er will seine Gesellschafter-Anteile nicht verkaufen und aussteigen. Er hat vielmehr „Szenarien und Strategien“ entwickeln lassen, wie auf mögliche Einflussnahmen des neuen Vorstands auf den Profifußball reagiert werden soll. Als „worst case“ gilt für Kind der Versuch, „mich als Ge­schäftsführer abberufen zu wollen“. Was aber komplizierte „Satzungsfragen und Rechtsnormen berührt“.

Das könnte bedeuten, dass sich Kind und seine Gegner künftig vor allem vor Gericht sehen. „96 muss aufpassen, welchen Weg man geht“, warnt Kind, „wir wollen in der ersten Liga spielen, nicht in der vierten.“

Da ist er sich mit seinem Freund und Mitgesellschafter Dirk Roßmann einig, der erstmals bei einer Mitgliederversammlung dabei war. „Das hat ihm jede Illusion genommen“, sagt Kind, „das Niveau des Vereins ist jetzt da, wo es hingehört.“

Die Fotos von der Mitgliederversammlung des Hannover 96 e.V. am 23. März 2019:

Die Swiss Life Hall ist bei der 96-Mitgliederversammlung 2019 gut gefüllt. Zur Galerie
Die Swiss Life Hall ist bei der 96-Mitgliederversammlung 2019 gut gefüllt. ©

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