16. Januar 2020 / 08:25 Uhr

Zittern vor der Prozenthürde: 96-Profichef Kind setzt Sportdirektor Schlaudraff unter Druck

Zittern vor der Prozenthürde: 96-Profichef Kind setzt Sportdirektor Schlaudraff unter Druck

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Profichef Martin Kind hat hohe Anforderungen an die Transferquote bei Hannover 96 - damit muss Sportdirektor Jan Schlaudraff umzugehen wissen.
96-Profichef Martin Kind hat hohe Anforderungen an die Transferquote bei Hannover 96 - damit muss Sportdirektor Jan Schlaudraff umzugehen wissen. © imago/Montage Behrens
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Das ist mal eine Ansage: 96-Profichef Martin Kind erklärt, was er für eine Transferquote erwartet. Das setzt den in seinen Mitteln limitierten Sportdirektor Jan Schlaudraff nicht erst jetzt unter Druck. Geht es nach Ralf Rangnick, ist diese Erfolgsquote bei Transfers surreal. 

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Martin Kind hat klare Vorstellungen für „seinen” Klub 96, auch bei Neuzugängen. „Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass Sie insbesondere im Transferbereich eine Quote von 70 bis 80 Prozent richtiger Entscheidungen brauchen, um wirklich eine Stabilität der Entwicklung zu erreichen”, rechnete der Profiboss beim 96-Neujahrsempfang vor. Viel Druck für Sportdirektor Jan Schlaudraff – und die Quote stößt nicht nur auf Zustimmung.

Transferflops schärfen Kinds Sinne

Sein Quotenziel „besteht natürlich heute und auch in Zukunft”, betonte Kind. Der Blick in die Vergangenheit tut dem 96-Profiboss weh. Stichwort Walace, Jonathas, Kevin Wimmer, Takuma Asano, Bobby Wood … Eigentlich verständlich, dass Kind bei dem Thema empfindlich ist – egal dabei, dass auch Hendrik Weydandt und Marvin Ducksch mal per Transfer zu 96 kamen.

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Ron-Robert Zieler (61,9 Prozent)  Zur Galerie
Ron-Robert Zieler (61,9 Prozent)  ©

Schlaudraffs Außenseiterrolle

Nicht egal aber für Hannovers Sportdirektor Schlaudraff. Der Transferschmerz der Vergangenheit hat ihn nach nur einem halben Jahr bereits ins Planungsabseits manövriert. Der Ex-Profi war im Sommer als Lehrling eingeplant, wurde aus Mangel an Alternativen zum Boss. Nur eine Sommertransferphase später ist Schlaudraff auf dem Abstellgleis. Bei den Entscheidergesprächen mit Kind und Coach Kenan Kocak zählt Schlaudraffs Wort am wenigsten.

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Von Top-Scorer bis Abstellgleis

Die Transferentscheidungen im Sommer haben Kind in Summe nicht gefallen, jedenfalls nicht gut genug. 70 bis 80 Prozent Erfolgsquote? Nicht einfach, die zu erreichen. Zwar holte Schlaudraff zum Beispiel Stürmer Ducksch für verhältnismäßig wenig Geld, der 1,5-Millionen-Euro-Einkauf ist Hannovers bester Scorer mit sechs Toren und fünf Vorlagen. Marc Stendera war ebenfalls ein starker Zugang, aber erst zuletzt fit genug für 90 Minuten. Auch Ron-Robert Zieler kam ablösefrei und ist Stammtorwart, Innenverteidiger Marcel Franke war vor dem Außenbandriss gesetzt.

Gleichzeitig hat Schlaudraff aber eben auch am Einjahresvertrag für Dennis Aogo und der Leihe von Jannes Horn aus Köln mitgewirkt. Aogo wurde im Winter intern schon aussortiert, auch Horn bleibt hinter den Erwartungen. Bei Cedric Teuchert, Sebastian Jung und Emil Hansson ist die Ausgangslage nicht ganz so klar zu beurteilen. Hansson zeigte immerhin gute Ansätze, Teuchert und Jung waren länger verletzt.

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<b>Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96):</b> Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. Zur Galerie
Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96): Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. ©

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Diese Spieler sind nicht wirklich in die Historie von Hannover 96 eingegangen. ©

Rangnick nennt eine deutlich tiefere Quote

Von der 80-Prozent-Trefferquote ist Schlaudraff damit weit entfernt. Aber ist die Zahl überhaupt machbar oder realistisch? Widerspruch für Kind gibt es zumindest von einem alten Bekannten: Ralf Rangnick. Von 2001 bis 2004 war er Trainer bei 96, mittlerweile ist er einer der erfolgreichsten deutschen Fußballmanager. Er ist auch ein Bekannter von Schlaudraff, hat Hannover deshalb noch im Blick.

"Alles, was mehr als 50-Prozent-Trefferquote ist, ist gut"

Wir fragten bei Rangnick zu Kinds Quotenforderung nach. „Alles, was mehr als 50-Prozent-Trefferquote ist, ist gut”, sagte er der Leipziger Volkszeitung, die wie der SPORTBUZZER der Madsack Mediengruppe angehört. Rangnick macht seinen Entscheidern um Leipzig-Sportdirektor Markus Krösche also deutlich weniger Druck als Kind in Hannover. Der 61-Jährige ist als globaler Fußballchef des Red-Bull-Konzerns mitverantwortlich für die sportliche Entwicklung bei Herbstmeister RB Leipzig. Nicht der schlechteste Ratgeber für 96.

Gleichzeitig sind Hannover und Leipzig zwei aber auch ganz unterschiedliche Fußballwelten. Nicht nur was den sportlichen Erfolg angeht, sondern vor allem die Finanzkraft. Während Leipzig mit Brausemillionen arbeiten kann, sprudelt das Geld bei 96 nicht. Hannover kann sich dementsprechend weniger Fehlschläge leisten. Aber egal ob 70, 80 oder doch „nur” 50 Prozent Treffer – am Ende zählt auch bei 96 nur der Tabellenplatz. Und da herrscht ganz sicher Nachholbedarf.

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