27. November 2020 / 07:18 Uhr

96-Profiboss stützt Kenan Kocak: "Er hat mein volles Vertrauen, genau wie Zuber“

96-Profiboss stützt Kenan Kocak: "Er hat mein volles Vertrauen, genau wie Zuber“

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sorgenvoll: 96-Geschäftsführer Martin Kind auf der Tribüne beim 1:2 zuletzt in Würzburg.
Sorgenvoll: 96-Geschäftsführer Martin Kind auf der Tribüne beim 1:2 zuletzt in Würzburg. © imago images/HJS
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Martin Kind war nach dem 1:2 in Würzburg „tief enttäuscht, das war desaströs und inakzeptabel“. Und doch betont der Profiboss von Hannover 96:  „Für Kenan Kocak ist es ein Leidensweg, aber er ist stark und findet wieder Boden unter den Füßen.“

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Auf der Tribüne in Würzburg, „da habe ich gelitten“, gibt 96-Chef Martin Kind zu. „Am liebsten wäre ich heruntermarschiert“ zu den Spielern. Um ihnen – sagen wir es mal brav und gesittet – eine Anschubhilfe zu geben. Kind war „tief enttäuscht, das war desaströs und inakzeptabel“.

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Gemeinhin ist so ein Urteil kein gutes Zeichen für den Verantwortlichen, und das ist nun mal der Trainer. Zumal Kind zwei Siege aus dem Heimspiel gegen Aue und der Partie beim Tabellenletzten gefordert hatte. Das musste bei den 96-Ansprüchen eigentlich auch das Selbstverständnis von Mannschaft und Trainer Kenan Kocak sein. Statt sechs Punkten ist aber nur ein Pünktchen gegen Aue herausgekommen. 96 hat die Latte nicht knapp gerissen, sondern die Aufgabe komplett vermasselt. Im Zwischenzeugnis steht ein Ungenügend.

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"Kocak hat mein volles Vertrauen"

Sportchef Gerhard Zuber unkte bereits nach dem Würzburg-Spiel, „es ist nie gemütlich, wenn man verliert“. Es ist dann aber gar nicht richtig ungemütlich geworden für den Trainer und auch nicht für den Sportchef. Sondern nur für die Mannschaft, der Kocak im Training Beine machte.

„Ich stütze Kocak, er hat mein volles Vertrauen, genau wie Zuber“, sagt Kind. Wenn Klubchefs anfangen, Vertrauen zu äußern, um Debatten zu ersticken, fängt es meist schon an, gefährlich zu werden. Das ist dann die Vorstufe, das Warnsignal für den Trainer, wie bei einer Ampel, die von Grün auf Gelb springt. Bis zum Rot ist es dann nicht mehr lang hin.


"Kocak ist stark"

Bei Kocak dürfte sich das aber anders verhalten – Rot ist an seiner Ampel dick verpackt. Kind hat vor der Saison fast alles auf die Karte Kocak gesetzt, das will er nicht vorschnell aufgeben. „Für Kocak ist es ein Leidensweg“, meint Kind, „aber er ist stark und findet wieder Boden unter den Füßen.“

Das ist die Hoffnung, die gerade auf tönernen Füßen steht. In den letzten drei Spielen hat 96 nur einen Punkt gewonnen (1:4 in Fürth, 0:0 gegen Aue, 1:2 in Würzburg) und sich in eine Krise gespielt.

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"Gegen Kiel irgendwie performen"

Als gebranntes Kind fordert der 96-Chef zwar keine bestimmte Anzahl an Punkten aus den nächsten Spielen. „Wir müssen jetzt gegen Kiel irgendwie performen“, erwartet Kind jedoch unmissverständlich. „In Heimspielen ging’s ja immer besser. Wir brauchen Mentalität und Einsatzbereitschaft, um mit Selbstvertrauen erfolgreich zu sein. Die Basics müssen mindestens funktionieren.“

Aber es ist knifflig. „Wir dürfen nicht nur nach oben gucken“, rechnet Kind vor: „Nach oben zum HSV sind es sieben Punkte, nach unten nur zwei.“ In Abstiegsgefahr sieht Kind 96 „noch nicht“, aber sehr wohl das Risiko: „Wir müssen mit allem rechnen.“

Die nächsten fünf Ligaspiele bis Weihnachten und dann noch das Pokalspiel gegen Bremen „werden eine Indikation geben, wo es hingeht“. Deshalb will Kind „den Dezember noch abwarten“, um zu beurteilen, ob sich die sportliche Lage verbessert oder weiter verschlechtert.