28. Juli 2019 / 19:28 Uhr

Hannover 96: Martin Kind zieht 50+1-Klage vor dem Schiedsgericht zurück

Hannover 96: Martin Kind zieht 50+1-Klage vor dem Schiedsgericht zurück

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
50+1: Martin Kind zieht Klage zurück.
50+1: Martin Kind zieht Klage zurück. © Peter Steffen/dpa
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Martin Kind gibt seinen Kampf um die Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Investorenklausel vor dem Schiedsgericht auf. Das vermeldete Hannover 96 am Sonntagabend. Klar ist aber auch: Ganz aufgeben will der Geschäftsführer der 96-Profis deswegen aber nicht. 

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Nun ist das Ende offiziell. Martin Kind gibt seinen Kampf um die Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Investorenklausel vor dem Schiedsgericht auf. Am Sonntagabend vermeldete Hannover 96, was der Sportbuzzer schon unter der Woche vermeldet hatte. Klar ist aber auch: Ganz aufgeben will der Geschäftsführer der 96-Profis deswegen aber nicht. 

Am 11. Juli bereits hat Kind-Anwalt Professor Christoph Schickhardt das Ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen über die Klagerücknahme informiert. In seiner Begründung greift der Anwalt, der auch den Antrag auf Ausnahme von der 50+1-Klausel vorbereitet und eingereicht hat, gezielt den Vorsitzenden Professor Udo Steiner an, wirft ihm fehlende Neutralität vor. Mehr noch: „Im Verfahren ist dann immer deutlicher geworden, dass der Vorsitzende des Schiedsgerichts alles in seiner Macht Stehende unternimmt, um die 50+1-Regel aus traditionellen Überlegungen zu retten und aufrechtzuerhalten.“ Nur aus Respekt gegenüber der Person Steiner und seiner Lebensleistung sei kein Befangenheitsantrag gestellt worden.

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Steiner lässt die Anklage des 96-Anwalts abtropfen

Was dem Anwalt sauer aufstößt: Obwohl es scheinbar hieß, dass Steiner nicht wieder für den Vorsitz kandidieren wollte, habe er im Hintergrund eben doch Verhandlungen mit der DFL über eine weitere Nominierung geführt. 96 hat über diese Personalwende erst durch die Einladung zur DFL-Mitgliederversammlung erfahren. Dort stimmen die Delegierten über diesen wichtigen Schiedsgerichts-Posten ab. Während also – so der Vorwurf – 96 gegen die DFL geklagt habe und Steiner vermitteln sollte, wurde im Hintergrund um Posten verhandelt. Das habe verdeutlicht, schreibt Schickhardt, „dass sich der Vorsitzende des Schiedsgerichts letztlich als Vertreter des Verbandes sieht“.

Steiner lässt die Anklage des 96-Anwalts abtropfen. „Die Vorwürfe von Professor Schickhardt sind mir gegenüber schon während des Verfahrens erhoben worden. Ich konnte sie in zwei ausführlichen E-Mails an ihn klar entkräften. Mehr möchte ich in der Öffentlichkeit nicht sagen“, schreibt er auf Nachfrage aus seinem Sommerurlaub.

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Bei Kind wuchsen Zweifel

Und was bedeutet das nun für das weitere Verfahren? Das Schiedsgericht sollte zwischen Deutscher Fußball-Liga (DFL) und Hannover 96, das eine Ausnahme der Investorenregel erkämpfen wollte, vermitteln. Zum Jahreswechsel deutet sich ein Kompromiss an. Allerdings zog sich das Verfahren für die Kind-Seite immer weiter in die Länge, zuletzt wollte Steiner noch die Mitgliederversammlung im März abwarten.

Eine Entscheidung, die bei Kind die Zweifel wachsen ließen. Die Vermutung: Steiner wolle Politik machen statt Recht zu sprechen. Sportpolitische Erwägungen seien über rechtliche Entscheidungen gestellt worden. Nun der 96-Rückzug. Und was bedeutet das nun für die 50+1-Regelung? Kind betonte zwar stets, er wolle nur die Ausnahme für 96 erreichen. Klar war aber auch, dass dieses Verfahren weitreichender werden würde – bis hin zu einer Grundsatzentscheidung, in wie weit Investoren in der Bundesliga an Vereinen beteiligt werden dürfen. Und die steht durchaus noch aus. Kind wollte zwar am Sonntag offiziell nichts dazu sagen. Der Weg über ordentliche Gerichte bleibt für ihn aber weiter offen.

Dieses Thema ist auch elementar in den Verhandlungen mit dem Breitensportverein Hannover 96. Der neue 96-Präsident Sebastian Kramer fordert einen grundsätzlichen Verzicht, auch vor ordentlichen Gerichten. Dazu scheint Kind nicht bereit zu sein. Bleibt also als nächste Instanz das Landgericht – oder gleich der Weg zur Europäischen Kommission für Wettbewerbsrecht. Klar ist, um eine Ausnahme für Hannover 96 geht es nun nicht mehr.