11. Dezember 2019 / 09:11 Uhr

Marvin Ducksch glaubt an sein 96-Team: "Ich bin ja ein Träumer"

Marvin Ducksch glaubt an sein 96-Team: "Ich bin ja ein Träumer"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Marvin Ducksch spricht offen über die Kritik an seiner Haltung. Für 96 erzielte er bisher vier Tore und gab fünf Torvorlagen. 
Marvin Ducksch spricht offen über die Kritik an seiner Haltung. Für 96 erzielte er bisher vier Tore und gab fünf Torvorlagen.  © Florian Petrow
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In den letzten Partien von Hannover 96 stand er nicht in der Startelf, doch Marvin Ducksch will noch dieses Jahr „ganz oben“ rankommen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Angreifer über seine Körpersprache, das Verhältnis zu Sturm-Kollege Hendrik Weydandt und über das, was für 96 möglich ist.

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SPORTBUZZER: Marvin Ducksch, Sie schauen sich Ihre Spiele ja bestimmt nochmal an. Was sehen Sie, wenn Sie sich selbst spielen sehen?

Marvin Ducksch: Ich schaue das kaum. Wenn, dann sehe ich die Highlights. Selten das ganze Spiel. Sie sprechen auf das Thema mit der Körpersprache an. Ganz ehrlich, ich bekomme das gar nicht so mit.

Das Thema Körpersprache hat Sportdirektor Jan Schlaudraff ja auch angesprochen. Wie sehr ist das für Sie ein Thema?

Die Körpersprache war bei mir immer ein Thema. Wobei, ich mache das nicht mit Absicht. Das ist einfach so drin bei mir. Das hat auch nicht mit irgendwelchen Situationen zu tun. Ich bin einfach so. Ich bin wahrscheinlich ein gelassener Typ, aber ich merke, dass hier darauf sehr viel Wert gelegt wird.

Weil es nicht gut lief?

Ja, vielleicht. Aber: Auch wenn es läuft, habe ich die gleiche Körpersprache. Ich habe das auch in Gesprächen gemerkt. Ich achte jetzt noch mehr darauf und versuche, das abzustellen. Ich werde aber morgen kein neuer Mensch sein, da bitte ich um Verständnis.

Geht Ihnen das Thema auf den Keks?

Ganz ehrlich: Ich find’s natürlich scheiße. Wenn ich es mit Absicht machen würde, okay. Mache ich aber nicht. Ich kann aber verstehen, dass es nicht gut aussieht. Natürlich habe ich mir darüber Gedanken gemacht – vor allem am Anfang der Saison. Aber letztendlich bringt es nichts, es zählt einfach nur, was du auf dem Platz machst.

Haben Sie Jan Schlaudraff spielen sehen und auch gedacht: Wie rennt der denn da rum?

Nein. Weil ich die Sachen gesehen habe, die er gut gemacht hat. Er ist ein richtig guter Fußballer gewesen. Das ist bei mir angekommen.

Marvin Ducksch: seine Karriere in Bildern.

Der heute 25-jährige Marvin Ducksch begann seine Fußballkarriere mit vier Jahren beim BSV Fortuna Dortmund 58 und wurde von seinem Vater trainiert. 2002 wechselte er in die Jugend von Borussia Dortmund, welche er anschließend vollständig durchlief. Zur Galerie
Der heute 25-jährige Marvin Ducksch begann seine Fußballkarriere mit vier Jahren beim BSV Fortuna Dortmund 58 und wurde von seinem Vater trainiert. 2002 wechselte er in die Jugend von Borussia Dortmund, welche er anschließend vollständig durchlief. ©

Wie ist der neue Trainer bei Ihnen angekommen. Wie nimmt er Sie mit, wenn er Sie auf die Bank setzt?

Er versucht, jeden mit ins Boot zu nehmen. Er hat Baka (Marvin Bakalorz) zum Stabilisator gemacht, das ist ganz wichtig für uns. Die Gespräche zwischen ihm und mir waren sehr ehrlich, er hat mir gesagt, welche Stärken ich habe und welche Schwächen er sieht und dass man auch das Thema Körpersprache hinbekommen wird. Wenn er mich auf die Bank setzt, weil er eine andere Idee hat, dann ist das einfach so. Bei St. Pauli war es einfach wichtig, mit Henne Weydandt einen vorne zu haben, der mit seiner Robustheit hilft und aggressiver anläuft als ich. Ich akzeptiere das. Ich empfehle mich im Training. Ich glaube, man hat gegen Aue gesehen, dass ich unbedingt will, daran arbeite und der Mannschaft helfen möchte.

Weydandts Luftkuss nach Ihrer Vorlage für ihn ist bei Ihnen angekommen?

Angekommen. Wir haben Null Probleme miteinander, obwohl wir ja eigentlich um eine Position konkurrieren. Ich habe ihm, glaube ich, schon das vierte Tor aufgelegt. Klar ist es schwierig, weil wir so verschieden und doch so ähnlich sind auf dem Platz. Gegen Darmstadt hat es nicht funktioniert. Da habe ich versucht, seine Stärken zu zeigen, er hat versucht, meine Stärken zu zeigen. Wir haben uns direkt nach dem Spiel gesagt, dass es so nicht funktioniert.

Wie meinen Sie das?

Henne ist nicht der Spieler, der sich ins Mittelfeld fallenlässt, das bin eher ich. Er hat Sachen gemacht, die ich machen sollte, ich habe Sachen gemacht, die er machen sollte. Wir waren da selbstkritisch: So können wir nicht miteinander spielen und so werden wir auch nicht mehr miteinander spielen. Das war gegen Aue ja auch ganz anders.

Wegen der Umstellung auf die Mittelfeldraute?

Wir haben zum ersten Mal mit der Raute gespielt. Natürlich war das erst einmal etwas ungewohnt, aber ein sehr gutes System, wie ich finde. Ich glaube, dass es jetzt ganz gut funktioniert hat mit Henne und mir. Wir konnten die Stärken, die wir haben, viel besser kombinieren. Ich gebe immer mein Bestes. Und wenn ich gerade hinter Henne bin, dann ist das halt so. Wenn ich reinkomme in den letzten Minuten, werde ich trotzdem mein Bestes geben. Ich glaube, wenn wir so weitermachen wie gegen Aue zum Schluss, werden wir sehr schwer zu schlagen sein. Gegen Bochum soll es so weitergehen.

Die Vertragslaufzeiten der Spieler von Hannover 96

Hendrik Weydandt (im Team seit 2018): Vertrag <b>läuft zum Saisonende aus</b> Zur Galerie
Hendrik Weydandt (im Team seit 2018): Vertrag läuft zum Saisonende aus ©

Der Trainer hat die erste Elf noch nicht gefunden. Was muss passieren, damit 96 stabiler spielt?

Wir brauchen Kontinuität. Wir dürfen die ersten Minuten nicht verschlafen. Das müssen wir uns abgewöhnen. Wenn wir rauskommen, muss jeder sehen: Jetzt geht es los. Den ersten Zweikampf musst du gewinnen, damit alle im Stadion wissen, was los ist. Zu Beginn der Saison haben wir das zwar gemacht, aber hinten raus hat etwas gefehlt. Da hat jeder gedacht: Wir sind nicht fit, wir sind platt. Das ist jetzt nicht mehr so. Gegen Aue hat man das ganz deutlich gesehen. Beim 2:2 hat keiner gejubelt, wir haben sofort den Ball aus dem Netz geholt und wollten gewinnen.

Erklären Sie uns, warum ein Mittelstürmer die Standards schießen muss?

Ich schieße seit der Jugend Standards, das war in Kiel so, in Düsseldorf und hier. Vielleicht könnte ich als verhältnismäßig großer Spieler einen großen Verteidiger wegziehen. Aber ich bin eher nicht so der klassische Kopfballspieler. Ich fühle mich einfach sicher bei den Standards, wenn ich die schieße, haben wir vielleicht einen weniger im Strafraum, aber einen mehr im Rückraum. Da weiß jeder dann Bescheid.

Sind Sie nicht eigentlich zu sehr Teamplayer?

Das kann sein, ja. Sogar die Mitspieler sagen manchmal, dass ich zu sehr Teamplayer bin und versuchen sollte, mehr allein zu spielen. Aber das bin ich nicht, das will ich nicht. Ich versuche immer, dass wir erfolgreich sind, nicht ich. Ich messe mich nicht an Toren. Wenn ich nur 4 Tore auf dem Konto habe, aber 17-mal für einen anderen auflegen konnte, dann nehme ich das auch sehr gern an.

Das Raunen nach Ihrer Einwechslung, hat Sie das berührt?

Ich habe es nicht wirklich mitbekommen, im Spiel kann ich das ausblenden. Schön ist das nicht, nachher darüber zu lesen oder davon zu hören. Aber da gibt’s nur eins: Leistung zeigen.

Vom Typ her sind Sie kein Tennisspieler, sondern ein Sportler in der Gruppe?

Definitiv. Das ist hier schon sehr familiär. Am Anfang waren wir vielleicht zu lieb miteinander auf dem Platz. Mittlerweile kriegen wir das hin, dass wir intern familiär sein können, aber auf dem Platz richtige Drecksäcke. So müssen wir weiterhin sein.

Mehr zu Hannover 96

Das sind die restlichen Spiele von Hannover 96 in der Saison 2019/20 in der 2. Bundesliga nach der Corona-Zwangspause:

28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) Zur Galerie
28. Spieltag (Mittwoch, 27. Mai, 18.30 Uhr): Karlsruher SC (H) ©

Sie und Haraguchi haben die Schlussphase gegen Aue geprägt. Wie gefiel Ihnen der Doppelspitzname Haraduckschi?

Sehr gut. Man sieht es eben auch bei Genki Haraguchi. Jeder konnte sich nach dem Trainerwechsel neu beweisen. Genki spielt jetzt Sechser. Das kommt ihm zugute. Zweimal auf der Sechs, zwei Tore gemacht, das sagt alles. Man merkt im Training, dass er richtig Bock hat zu kicken. Das war vielleicht nicht immer so. Jetzt macht er sein Ding. Wir nehmen ihn mit, und er hilft so.

Was ist unter dem neuen Trainer auffällig?

Die jetzige Situation. Er gibt keine klare erste Elf, und da muss sich jeder neu beweisen. Das spürt man, dass jeder will, es ist eine ganz andere Qualität im Training. Du spürst, da sind nicht zehn oder elf Spieler, sondern 20. Im Vier-Augen-Gespräch merkt man auch, wie der Trainer rangeht. Er sagt dir auch, was du nicht gut machst und arbeitet mit dir an deinen Schwächen. Das kommt nicht nur bei mir, sondern auch bei den anderen Jungs gut an. Das ist eine sehr gute Basis für die Zukunft.

Wie sieht die 96-Zukunft aus?

Ich bin ja ein Träumer. Ich träume immer noch. Wenn wir unseren Stiefel spielen, von der ersten bis zur letzten Minute, sind wir sehr schwer zu schlagen. Aber auch wirklich nur dann! Und dann sehe ich, wie die Liga ist, was da los ist. Mit zwei Siegen hintereinander bis du noch dieses Jahr ganz oben dran. Natürlich kennen wir auch unseren aktuellen Tabellenstand, aber das ist mein Traum. Da versuche ich die Jungs mitzuziehen und werde alles dafür tun.