08. Oktober 2020 / 11:50 Uhr

96-Profi Marvin Ducksch blick zurück auf das Derby: "Das waren Emotionen pur" 

96-Profi Marvin Ducksch blick zurück auf das Derby: "Das waren Emotionen pur" 

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ich gewinne immer meine Duelle! Das zeigt Marvin Ducksch auch im Training.  
"Ich gewinne immer meine Duelle!" Das zeigt Marvin Ducksch auch im Training.   © Florian Petrow
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Marvin Ducksch ist spätestens seit der Rückrunde der vergangenen Saison voll und ganz bei Hannover 96 angekommen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Assist-König des Derbys über sein Schrei-Duell mit Braunschweigs Benjamin Kessel, das Mannschaftsgefüge mit den Neuzugängen und den Konkurrenzkampf in der Offensive. 

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Marvin Ducksch, sind zwei Torvorlagen so viel wert wie ein eigenes Derbytor?

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Klar! Ich bin ein Teamplayer und helfe auch gern mit Vorlagen. Mir kommt es nicht darauf an, dass ich die Tore schieße, sondern dass wir das Spiel gewinnen. Dass wir das so deutlich gemacht haben, war etwas ganz Be­son­de­res – für die Fans, die Stadt und natürlich auch für uns.

Das ist der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2020/21 der 2. Bundesliga:

Hannover 96 spielt in der kommenden Zweitligasaison unter anderem gegen Fortuna Düsseldorf, den Hamburger SV und Eintracht Braunschweig.  Zur Galerie
Hannover 96 spielt in der kommenden Zweitligasaison unter anderem gegen Fortuna Düsseldorf, den Hamburger SV und Eintracht Braunschweig.  ©

Einer der emotionalen Momente war Ihr Schrei-Duell mit Braunschweigs Benjamin Kessel. Was hatten Sie sich zu sagen, und wer hat den verbalen Schlagabtausch eigentlich gewonnen?

Das waren Emotionen pur. Ich weiß gar nicht mehr, was genau gesagt wurde – aber ich gewinne immer meine Duelle! (lacht) Es ging um die Situation davor, für mich war das kein Foul in so einer Partie. Das hat er anders gesehen. Man weiß ja, wie das im Derby läuft: Das ist eine angespannte Situation, auch auf dem Feld. Die Emotionen hat man da gesehen. Der Schiedsrichter hat das super gemacht und uns dann beiden die Gelbe Karte gezeigt, das geht vollkommen in Ordnung.

Wer auf 96 blickt, hat das Gefühl, die Stimmung im Team ist besser als vor einem Jahr. Würden Sie das so bestätigen?

Definitiv. Wir hatten auch vergangene Saison ein Su­per­team und eine Superstimmung. Aber irgendwie haben wir das nicht von Be­ginn an so auf den Platz bekommen. Das hat gedauert. Jetzt gerade haben wir eine perfekte Mischung. Das sieht man nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben.

Dabei ist der Umbruch im Team ziemlich groß: viele Abgänge, elf Neue. Wie baut man die ein in ein bestehendes Team? Vor allem, wenn sie wie Simon Falette spät zum Team stoßen.

Wenn du so einen guten Mannschaftskern hast wie bei uns, ist das nicht schwer. Wir haben tolle Jungs dazubekommen, da passt die Che­mie gerade richtig gut bei uns. Wir haben einfach eine tolle Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen, die noch viel lernen können. Mit Mike (Frantz) haben wir zum Beispiel jemanden neu dabei, der seit mehr als zehn Jahren auf Topniveau spielt und so­fort im Mannschaftsrat ist. So einen brauchst du nicht aktiv einzubinden, der hilft uns sogar noch mehr, als wir ihm helfen können. Auch Simon (Fa­lette) hat auf allerhöchstem Niveau gespielt und ist für jede Mannschaft eine Bereicherung.

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Auch bei Ihnen hat sich einiges verändert. Vergangene Saison galten Sie zeitweise als erster Verkaufskandidat – jetzt sind Sie im Mannschaftsrat. Was ist in der Corona-Pause passiert?

Es ist nie schön, das so zu hören: „Verkaufskandidat Nummer eins“. Das hat mich aber noch mehr angespornt, zu zeigen, was ich wirklich kann. Die Corona-Zeit kam für mich vielleicht sogar ganz gelegen. Ich habe mir einige Gedanken machen können, woran es liegt und wo ich mich verbessern könnte. Es war ein kleiner Restart: Jeder bekommt noch mal eine neue Chance, hab ich mir gedacht. Ich habe die Chance bekommen, und ich habe sie genutzt, denke ich. Ich war schon immer ein Kämpfertyp, habe an meinen Schwächen gearbeitet und werde das auch weiterhin tun. Die neue Rolle im Mannschaftsrat ist ein Zeichen für mich, dass meine Arbeit angekommen ist. Ich bin mir der Verantwortung be­wusst. Ich möchte mit Leistung und gutem Beispiel vo­ran­ge­hen, vorneweg marschieren und die Mannschaft mitziehen.

Vor allem Ihre Körpersprache ist eine völlig andere. Was gibt’s jetzt noch zu verbessern, die Chancenverwertung?

Ich bin kein Lewandowski, der aus vier Chancen fünf Tore macht. (lacht) Letztlich bin ich ein anderer Stürmertyp. Aber ich arbeite an mir und will der Mannschaft einfach helfen. Und wenn das wie im Derby mit Torvorlagen klappt und wir das Spiel gewinnen, ist das auch super.

Ihre Konkurrenz im Sturm ist allerdings nicht kleiner geworden: Franck Evina, Valmir Sulejmani, dazu mit 800 000-Euro-Einkauf Patrick Twumasi der vermeintliche Königstransfer des Sommers. Sorgen Sie sich um Ihre 96-Rolle?

Der Fußball lebt durch Konkurrenzkämpfe. Wenn du dich ausruhen kannst, ist das nie gut. Ich arbeite jede Woche hart, um ein Kandidat für die Startelf zu sein – so wie die anderen Jungs auch. Twumasi hat sechs Wochen kein Mannschaftstraining ge­macht, bevor er zu uns gekommen ist, aber der Junge macht sich sehr gut und ist sehr fleißig. Er wird noch eine Bereicherung für uns sein. Ich kann mich jedenfalls nicht ausruhen, ich habe sehr, sehr gute Jungs im Rü­cken.

Ist mit diesem Team der Aufstieg ein Muss?

Intern ist das kein großes Thema bei uns. Ich persönlich möchte immer aufsteigen, ich bin eben ein ehrgeiziger Typ. Wenn man unsere Mannschaft sieht, ist das auf jeden Fall möglich.