17. September 2021 / 07:31 Uhr

Nur Mini-Chance auf Verbleib: So sieht der 96-Plan mit Maximilian Beier aus

Nur Mini-Chance auf Verbleib: So sieht der 96-Plan mit Maximilian Beier aus

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Schneller: Maximilian Beier im Duell mit Leart Paqarada von St. Pauli (rechts).
Schneller: Maximilian Beier im Duell mit Leart Paqarada von St. Pauli (rechts). © Florian Petrow
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Für eine Saison hat Hannover 96 Maximilian Beier von der TSG Hoffenheim ausgeliehen. Die Chance, dass der 18-Jährige länger bei den Roten bleibt, ist sehr gering. 96 muss sich also mit einem Einjahresplan bei Beier begnügen. Verbunden mit der Hoffnung, es möge sich herumsprechen im Profigeschäft, dass Talente sich in Hannover weiterentwickeln können und Einsätze bekommen – wenn sie gut genug sind.

Jedes Spiel ein Tor. Es gibt nicht viele Fußballprofis, die im europäischen Wettbewerb eine derart starke Quote haben. Zugegeben: Es waren nur zwei Spiele. Maximilian Beier ist erst 18 Jahre jung, am 17. Oktober wird er 19. Aber er leistete gegen Gent (2 Tore, eine Torvorlage) schon so Erstaunliches, dass Hoffenheim den jungen Beier behalten wollte. 96-Manager Marcus Mann, vorher Talentechef in Hoffenheim, nutzte seine Verbindungen. 96 lieh Beier, die Sturmentdeckung des 1:0 gegen St. Pauli. Langfristig gesehen ist Beier aber eher keine Lösung. 96 hat nur eine Mini-Chance, den Sturm-Maxi nach der Saison zu halten.

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Es gibt keine Kaufoption im Vertrag, konnte es nicht geben, weil die Hoffenheimer ihn zum Jungstar formen möchten. In dieser Saison hätte er kaum gespielt. In Ihlas Bebou (Marktwert 16 Millionen), Robert Skov (10 Millionen) oder Andrej Kramaric (28 Millionen) ist die Konkurrenz zu stark. Geht die Hoffenheimer Rechnung auf, kehrt Beier erfolgreich und gestärkt aus Hannover zurück. Im Prinzip hat 96 keinen Spielraum. Ein eher einseitiges Geschäft also, bei dem Hannover nur Nachteile hat? Ja, wenn 96 mehrere geliehene Profis ohne Anschlussvertrag hätte. Beier ist der einzige, mit Ausnahmestatus für ein Ausnahmetalent.

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Zugänge: Lukas Hinterseer (für 150.000 Euro, kommt von Ulsan Hyundai) ©

Starke Werte gegen St. Pauli

Er war schnellster Spieler gegen St. Pauli, zweikampfstark, kopfballstark, auch wenn seine Chance zum 1:0 nicht drin war. 96 profitiert akut von Beier, er könnte (und sollte) sogar in der Spitze spielen, wenn Lukas Hinterseer tatsächlich mal fehlt. Hinterseer machte am Donnerstag wegen seiner Knöchelverletzung nur Individualtraining und soll am Freitag das Abschlusstraining mitmachen. Bei einem Einsatz am Samstag in Kiel bestehe „kein Risiko“, sagte Trainer Jan Zimmermann. Es wäre aber ebenso wenig ein Risiko, Beier für Hinterseer als Sturmspitze aufzustellen – auf dieser Position hat der gebürtige Brandenburger sogar gelernt.

Belehrungen nach dem St.-Pauli-Auftritt habe Beier nicht ge­braucht. „Nach so einem Spiel gibt es nicht viel, über das man mit ihm sprechen müsste, außer vielleicht, dass er den Kopfball beim nächsten Mal reinmacht“, sagte Zimmermann. Was durchaus kritisch klingt. Dabei hatte er den Kopfball ordentlich aufs Tor gebracht. Allgemein spricht Zimmermann schon freundlicher über Beier: „Es macht viel Spaß mit Maxi, er ist ein sehr aufgeweckter, positiver Typ.“ Zimmermann erklärte An­fang der Woche, was Beier fehle. Ihn habe es erstaunt, dass Beier überhaupt 71 Minuten auf dem Niveau durchhielt: „Wir müssen sehen, dass die Offensivspieler irgendwann in der Lage sind, 90 Minuten durchzuhalten. Linton Maina und Maxi haben uns in dem Spiel schon sehr geholfen.“ Deshalb verpflichteten die Hoffenheimer ihren bisher jüngsten Bundesliga-Debütanten bis 2024.

96 kämpft um die Pole-Position

96 muss sich wegen der Vertragssituation mit einem Einjahresplan bei Beier begnügen. Verbunden mit der Hoffnung, es möge sich herumsprechen im Profigeschäft, dass Talente sich in Hannover weiterentwickeln können und Einsätze bekommen – wenn sie gut genug sind.

Beier gehört zweifellos zu den Guten. Sollte er 96 zum Erfolg schießen, ha­ben in dieser Saison alle was davon – Hoffenheim besonders. Dann dürfte Beier seinen aktuellen Verkaufswert von 2 Millionen Euro mindestens verdoppelt haben. Wenn sich der Deal lohnt, macht Hoffenheim vielleicht wieder lohnende Leihgeschäfte mit 96 in der Pole-Position. In der U19 sorgen aktuell schon einige 17-Jährige für Aufregung bei den Scouts aus den Profiligen.