23. März 2020 / 19:23 Uhr

96-Meinung: Kleine Gesten sind in der Corona-Krise nicht genug

96-Meinung: Kleine Gesten sind in der Corona-Krise nicht genug

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der deutsche Spieler Robin Gosens von Atalanta Bergamo hat mit seiner Mannschaft 50 000 Euro für die Bekämpfung des Coronavirus gespendet. Hannover 96 hat nicht viel Geld auf der hohen Kante. Werden nach Trainer Kocak auch Spieler auf Teile ihres Gehalts verzichten?
Der deutsche Spieler Robin Gosens von Atalanta Bergamo hat mit seiner Mannschaft 50 000 Euro für die Bekämpfung des Coronavirus gespendet. Hannover 96 hat nicht viel Geld auf der hohen Kante. Werden nach Trainer Kocak auch Spieler auf Teile ihres Gehalts verzichten? © imago images/Schöning/Gribaudi/ImagePhoto / Peter Steffen/dpa
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Trainer Kenan Kocak ist der erste des 96-Teams der wegen der Corona-Krise auf sein einen Teil seines Gehalts verzichtet. Zuvor taten dies schon einige Fußballprofis. Mit kleinen Gaben werden die Fußballer aber ab jetzt nicht mehr hinkommen in der Corona-Krise, die den europäischen Profifußball ernsthaft gefährdet, meint SPORTBUZZER-Redakteur Uwe von Holt.

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Robin Gosens, ein in Deutschland kaum bekannter Linksverteidiger aus Emmerich am Rhein, war aus Bergamo zugeschaltet im ZDF-„Sportstudio“. Der 25-Jährige in Diensten von Atalanta steckt in der Quarantäne. Er schilderte per Videoschalte, wie die Zustände in seiner dramatisch betroffenen Stadt sind, es gab dazu Bilder von Leichenwagen.

Auch Gosens hilft mit seinen Kollegen, nicht persönlich, aber mit Geld: 50 000 Euro habe die Mannschaft zur Verfügung gestellt, einen Teil der jüngst kassierten Cham­pions-­League-­Prä­mie. Das war gut gemeint als Soforthilfe, kein Vorwurf. Mit solchen Gesten und kleinen Gaben werden die Fußballer aber ab jetzt nicht mehr hinkommen in der Corona-Krise, die den europäischen Profifußball ernsthaft gefährdet – und danach auf bescheidenere Fundamente stellen wird.

Rückblick: Hannover 96 nach dem 25. Spieltag der letzten zehn Jahre

Jeder 96-Fan hat die Abstiegssaison 2019/20 zwangsweise noch in Erinnerung. Nach dem 25. Spieltag deutete sich der Abstieg bereits deutlich an. Nur 14 Punkte sammelte 96 bis zu diesem Zeitpunkt. Die schwachen Leistungen sprachen für sich. Bezeichnend war das Spiel des 25. Spieltags gegen Bayer Leverkusen, welches die Roten mit 2:3 verloren. Die kuriose Szene, als Genki Haraguchi den Ball in Richtung leeres Tor schob, dürfte jetzt noch für Lacher sorgen. Der Ball blieb aufgrund des heftigen Schneefalls kurz vor der Linie liegen. Zur Galerie
Jeder 96-Fan hat die Abstiegssaison 2019/20 zwangsweise noch in Erinnerung. Nach dem 25. Spieltag deutete sich der Abstieg bereits deutlich an. Nur 14 Punkte sammelte 96 bis zu diesem Zeitpunkt. Die schwachen Leistungen sprachen für sich. Bezeichnend war das Spiel des 25. Spieltags gegen Bayer Leverkusen, welches die Roten mit 2:3 verloren. Die kuriose Szene, als Genki Haraguchi den Ball in Richtung leeres Tor schob, dürfte jetzt noch für Lacher sorgen. Der Ball blieb aufgrund des heftigen Schneefalls kurz vor der Linie liegen. ©
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96 hat nicht irgendwo 100 Millionen Euro geparkt

Der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder, als Vertreter eines ärmeren Bundesligavereins, forderte dazu jetzt die Solidarität der Spieler ein, die in einer zu schnell aufgepumpten „Blase“ lebten – und fortan verzichten sollen. Er setzt auch auf die Solidarität der reichen Klubs wie Bayern und Dortmund, die nicht gleich von der Liga-Landkarte verschwinden, wenn Sky für ein halbes Jahr nicht zahlt. Die meisten Profiunternehmen sind inzwischen ein Durchlaufsystem ohne Reserven, auch 96 hat nicht irgendwo 100 Millionen Euro geparkt, die mal schnell zum Überleben abgehoben werden können.

Hannover wird zusammen mit der Konkurrenz die Festkosten schnell runterfahren müssen, um die internen Systeme irgendwann kontrolliert wieder hochfahren zu können. Der kurzfristige Schritt muss dabei möglichst einhellig und freiwillig aus der Mannschaft kommen, alle Spieler haben ja gültige Verträge.

Der langfristige Schritt kommt dann automatisch – und wenn am Ende der Krise ein Verein wie 96 nie mehr auf die Idee kommt, für einen Spieler wie Jonathas zehn Millionen Euro Ablöse und mehr als Millionen Gehalt pro Jahr zu zahlen, wäre zumindest das eine gesunde Entwicklung.

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