06. Januar 2020 / 12:03 Uhr

96-Meinung: Es gibt beim Sievers-Abschied keinen "Schuldigen"

96-Meinung: Es gibt beim Sievers-Abschied keinen "Schuldigen"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Seinen 96-Abschied kann man Jörg Sievers nicht übelnehmen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Dirk Tietenberg.
Seinen 96-Abschied kann man Jörg Sievers nicht übelnehmen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Dirk Tietenberg. © imago images
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Vereinslegende Jörg Sievers verlässt Hannover 96 - und die Frage nach dem "Schuldigen" kommt bei vielen Fans auf. Den gibt es in diesem Fall aber einfach nicht, meint SPORTBUZZER-Redakteur Dirk Tietenberg.

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Europapokal, Relegation, Regionalliga, 2. Liga, 1. Liga und DFB-Pokal. Jörg Sievers stand als aktiver Torwart für alles, wofür Hannover 96 steht. Als aktiver Torwarttrainer wurden Robert Enke und Ron-Robert Zieler unter ihm zu Nationaltorhütern.

Torwartheld ist er seit dem gehaltenen DFB-Halbfinal-Elfer gegen Marco Bode. Pokalheld nach dem im Anschluss gewonnenen Finale 1992 gegen Gladbach. Derbyheld darf er sich nach dem 1:0 am 7. Mai 1998 gegen Braunschweig nennen, dann Aufstiegsheld nach dem 5:1 nach Elfmeterschießen gegen Tennis Borussia Berlin.

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Sievers wird nicht fortgeschickt

Sievers, eine Legende. „Außer Sievers könnt ihr alle gehen“, riefen die Fans häufiger, wenn es ganz schlecht lief. Zuletzt 2016 nach einer Niederlage in Köln – als Hohn für die Profis, als Hoch auf den Helden der Fans, auch wenn Sievers „nur“ der Torwarttrainer war.

Die Legende geht. Mit gerader Körperhaltung, so wie Sievers täglich mit seinen schwarzen Adidas Copa Richtung Trainingsplatz stöckelte. Sportlich, drahtig, irgendwie elegant. Er wird nicht gefeuert, nicht demontiert, nicht fortgeschickt – was bei Hannover 96 auch nicht jeder schafft. Fans trauern einer ihrer letzten Identifikationsfiguren zu Recht nach. Die Suche nach einem „Schuldigen“ ergibt im Fall Sievers keinen Sinn. Die Legende geht, weil sie es will.

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Auch Legenden müssen Geld verdienen

Überraschend kommt der Wechsel nach Schottland dennoch. Er mochte Auswärtsspiele nicht und hasste Trainingslager regelrecht. Sievers blieb am liebsten daheim, er mochte die Gewohnheit, seine 96-Keeper mit strammen Spannstößen heißzuschießen. Gestern verließ Sievers den geraden Kurs und flog nach Edinburgh.

Auch deshalb, weil er beim Heart of Midlothian FC mehr sein darf als „nur“ der Torwarttrainer. Sievers wird Daniel Stendels rechte Hand – der erste Offizier im schottischen Trainerstab. Als solcher steigt dort nebenbei auch sein Gehalt. Das darf ihm niemand übel nehmen. Als Legende verdient er in Hannover zu Recht viel Anerkennung, aber Geld verdienen und arbeiten müssen leider auch Legenden.

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