29. Oktober 2019 / 18:56 Uhr

96-Meinung: Nachspielzeit beim KSC war die Saison im Schnelldurchlauf

96-Meinung: Nachspielzeit beim KSC war die Saison im Schnelldurchlauf

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Keeper Ron-Robert Zieler flog in der Nachspielzeit vom Platz.
96-Keeper Ron-Robert Zieler flog in der Nachspielzeit vom Platz. © imago images
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Nichts war´s mit dem Auswärtssieg beim Karlsruher SC. Der sehr späte Ausgleichstreffer vermieste die 96-Party. Die Nachspielzeit in Karlsruhe zeigte die bisherige Saison im Schnelldurchlauf, meint SPORTBUZZER-Redakteur Uwe von Holt.

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Nachspielzeit. Nicht immer eine so öde Spanne wie beim Nullnull gegen Osnabrück oder eine überflüssige Erfindung wie beim Nullvier gegen Nürnberg, wo am Ende ohnehin kaum ein Zuschauer mehr im Stadion war und die 96-Spieler auch lieber gegangen wären, bevor der Schiedsrichter abgepfiffen hat.

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In Karlsruhe haben wir die Nachspielzeit nun wiederentdeckt als magische Erfindung, als Versprechen auf Spektakel und große Gefühle. Innerhalb von fünf Minuten durchlebte 96 die bisherige Saison im Schnelldurchlauf, vielleicht auch schon den ganzen Rest.

Kuriose Szenen in der Schlussphase: 96-Torwart Zieler trifft KSC-Spieler Gordon

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Ron-Robert Zieler: Beim Elfer chancenlos, überrascht vom als Flanke getarntem Torschuss von Choi, passt aber auf. Die Distanz beim Kopfball zum 2:2 ist zu kurz, da kann er nicht mehr reagieren. Vor der KSC-Kurve ordentlich beschimpft, sieht nach dem 3:3 die gelb-rote Karte. Note: 4 Zur Galerie
Ron-Robert Zieler: Beim Elfer chancenlos, überrascht vom als Flanke getarntem Torschuss von Choi, passt aber auf. Die Distanz beim Kopfball zum 2:2 ist zu kurz, da kann er nicht mehr reagieren. Vor der KSC-Kurve ordentlich beschimpft, sieht nach dem 3:3 die gelb-rote Karte. Note: 4 ©

"Scheiße, das war scheiße"

2:2 steht es nach 90 Minuten, dann bringt Trainer Mirko Slomka in aller Ruhe Emil, den kleinen Flankendetektiv. Der schlägt den Ball seines Lebens genau auf den Kopf des Kollegen Hendrik Weydandt, 3:2. „Scheiße, das war’s“, liest Hannovers „Henne“ in den entsetzten KSC-Gesichtern, Slomka signalisiert indes: Heißa, das war’s. Der Trainer nimmt vor der Bank die Glücksparade ab, im Ausdruck selig entrückt – Sky zeigt’s live: Ein Siegertyp, mit Jokerhändchen und einer hoffnungsvollen Zukunft.

Unbestätigt, aber gut möglich, dass der Trainer im Kopf gerade noch die Blitztabelle studiert (15 Punkte, Platz fünf), anstatt irgendwem auf dem Platz zu sagen, dass er besser die letzte Karlsruher Flanke verhindern sollte.

So schlägt die Nachspielzeit so heftig zu wie später 96-Torhüter Ron-Robert Zieler. 3:3, Platz 13 statt fünf in der Blitztabelle, und in den 96-Gesichtern steht: „Scheiße, das war scheiße.“ Am Freitag gegen Sandhausen will Slomka vorsichtshalber auf die Nachspielzeit verzichten, das Ding schon nach 60 Minuten klarmachen – und auch ganz bis zum Ende aufpassen.